Gedanken einer Mutter.

Während deine Schwester bei der Ergotherapie ist, nutze ich das schöne Herbstwetter und mache einen Spaziergang mit dir.
Wir laufen einen wunderschönen Weg inmitten bunter Bäume, mit ihren orangenen und gelben Blättern. Du freust dich darüber, geschoben zu werden und ich genieße den Moment der Ruhe, in wunderbar kalter Oktoberluft.
Schneidende Kälte, das Gefühl von kühlender Luft in meiner Lunge; eine wahre Wohltat für mich.

Am Ende des Weges st0ßen wir auf einen kleinen, wunderschönen, friedlichen Waldfriedhof. Ein kleines Mäuerchen trennt die Gräber direkt vom Wald, überall liegen bunte Blätter und laden uns dazu ein, über die kleine Fläche zu laufen.
Mit einem Lächeln im Herzen stelle ich fest, dass nirgends ein Kind begraben liegt. So unschuldig; einzig  und allein durch Menschen belegt, die ihr Leben schon gelebt haben und nicht aus dem Leben gerissen wurden, bevor es überhaupt begonnen hatte.

Und dann sehe ich ihn. Den Platz, der so perfekt wäre, für den Fall der Fälle, wenn wir dich ziehen lassen müssten. Natürlich müssen wir es nicht. Du lebst, kämpfst und bist das tapferste Kind, das ich kenne. Und doch sind sie da, diese fiesen, kleinen, stechenden Gedanken. Das „und was wenn doch?“. Die mit Traurigkeit vermischte Angst im Hintergrund, gut versteckt hinter all der Freude und doch irgendwie da.
In diesem Moment überrollt es mich, wie ich dort mit dir im Kinderwagen an der Stelle stehe, die so perfekt wäre… für den Fall…

Du beschwerst dich, weil wir uns nicht mehr bewegen und reißt mich aus meinen trübsinnigen Gedanken. Recht hast du. Also laufen wir gemeinsam durch die letzten Reihen, dieser friedlichen Ruhestätte. Am Ende kommen wir ganz bewusst noch mal an dieser… an „deiner“ Stelle vorbei und ein Lächeln macht sich in meinem Herzen breit. Du bist hier. Hier bei mir, direkt vor meinen Augen und lachst mich an.

Schnell machen wir uns auf den Rückweg, über den magischen Weg, der uns zu deiner Schwester führt. Auf der Hälfte halten wir an, ein Gefühl, einfach so aus dem nichts. Zu unserer rechten ein Mariendenkmahl und auf der linken Seite ein Baum, der mir besonders ins Auge fällt… verwunschen, knollig… fast märchenhaft.
Daneben ein mit Efeu bewachsener Baum und kleinen Kostbarkeiten. Vorsichtig komme ich ihm näher, verlasse den festen Weg und sehe 2 wundervolle Baumperlen, die ich kurz darauf in meine rechte Tasche gleiten lasse.

„Das ist er“, denke ich und fühle den Frieden, der sich in mir breit macht.
Der Platz, an dem Du, unser Sonnenschein, für immer schlafen wirst.

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Gedanken einer Mama, mit einem schwer kranken kind.

Die Sache mit der Freundschaft

Manch einer meiner Leser erinnert sich sicherlich noch an Elijha und ganz wenige vielleicht sogar daran, dass durch ihn die meisten meiner Freundschaften in die Brüche gingen.
Besonders getroffen hatte es mich damals (& auch noch heute) bei Tamara, einer langjährigen Freundin, die mich damals Woche für Woche in der Klinik besucht hatte. Unsere Freundschaft befand sich sicherlich nicht am Höhepunkt, denn ich habe große Schwierigkeiten mich alleine mit jemandem zu treffen und bin auch für großartige Action eher weniger zu haben. Dennoch war sie das, was man eine sehr gute Freundin nennt.

Das letzte Treffen vor der Geburt.

So lange, bis Elijha in unser beider Leben trat und die Bekanntschaft der beiden im Januar 2012 eine neue Ebene erreichte.
Ich wollte Tamara gerne für ein Treffen zusagen, obwohl Elijha zu diesem Zeitpunkt hier war und so beschloss ich, ihn trotz des mulmigen Gefühls mitzunehmen. Wir verstanden uns gut, hatten eine lustige Zeit und verabschiedeten uns mit dem Wissen, dass wir uns vor Bambinas Geburt wohl nicht mehr sehen würden.
Später am Abend hielt Elijha mir sein Handy vor´s Gesicht, um mir zu zeigen, dass Tamara ihm via facebook geschrieben hatte, wie schön es war ihn mal wieder gesehen zu haben. Ob er sie zuvor angeschrieben und seinen Text wieder gelöscht hatte, kann ich bis heute nicht sagen.
Mit diesen wenigen, harmlosen Worten begann etwas, das unsere Freundschaft bis heute zerstören sollte.

Elijha wusste von Anfang an, dass ich in Panik ausbreche, wenn meine Freunde beginnen sich untereinander anzufreunden. Zu groß war die auf Erfahrung beruhende Angst, am Ende keinen der beiden Parteien mehr als richtigen Freund an meiner Seite zu haben. Dementsprechend begeistert war ich von der ganzen Sache… was ihn weiter und weiter dazu animierte, mich zu provozieren.
Selbstverständlich wusste ich nicht, auf welcher Ebene sich die Kommunikation der beiden befand, bekam von Elijha aber regelmäßig Gesprächsfetzen vor die Füße geworfen.
Hätte ich damals nur schon verstanden, wie manipulativ er war, wäre ich nicht nur misstrauisch gewesen, sondern hätte ihm schlicht einfach nichts davon geglaubt.
Eines Tages laß er mir seine komplette, vermeintliche Konversation mit ihr vor und machte danach ganz bewusst auf „ich hätte es Dir nicht vorlesen sollen“. Da ich aber überhaupt nicht hören wollte, was die beiden schrieben, schaltete ich vollkommen ab und war in meiner eigenen kleinen Welt gefangen.

„Ich fühlte mich in meiner großen Angst bestätigt“

Es dauerte nicht lange, bis er anfing mir zu erzählen, dass Tamara ihn so sehr nerve. Er fragte mich, wie man ihr denn klar machen könne, dass sie ihn in Ruhe lassen soll und drückte mir sein Handy für die Formulierung der Worte in die Hand. Am kommenden Abend hatte er schon wieder „Mitleid mit ihr“ und nahm den Kontakt wieder auf, da sie sich schließlich doch immer ratsuchend an ihn gewendet hatte.
Zwischen ihr und mir bestand kaum noch persönlicher Kontakt und ich fühlte mich in meiner großen Angst bestätigt. Sie fragte ihn, wie es mir geht und er richtete die Frage an mich weiter. Ich dagegen fand das so überhaupt gar nicht gut und meinte, sie solle mich gefälligst persönlich fragen.
Ohne zu wissen, dass er ihr erklärt hatte, wie schlecht es mir doch gehe und wie sehr mich der Kontakt stressen würde, weshalb sie mir doch bitte nicht mehr schreiben sollte, nahmen die Dinge also ihren Lauf.

Inzwischen war der Zeitpunkt der Geburt gekommen und sie lies über ihn fragen, wie es mir denn gehe und ob sie uns besuchen kommen könne. Obwohl ich enttäuscht war, dass sie mir wieder nicht selbst geschrieben hatte, freute ich mich auf ihren Besuch und wartete sehnsüchtig. Über Elijha lies ich ihr ausrichten, zu welcher Zeit ich nicht im Zimmer anzutreffen war und wurde von Stunde zu Stunde enttäuschter, weil sie einfach nicht kam. Irgendwann konnte ich das Abpumpen einfach nicht weiter nach hinten schieben und machte mich auf den Weg ins Kinderzimmer der Wöchnerinnenstation.
Genau in dieser Zeit kam sie in unser leeres Zimmer und hinterließ mir wohl ähnlich traurig Erdbeerschokolade, sowie eine SMS in der stand, wie schade es sei, dass wir uns wohl verfehlt hatten.

„Vielleicht ging meine SMS nicht durch… vielleicht hatte sie es übersehen… ich weiß es nicht…“

Als Bambina gerade eine Woche alt war, mussten wir unter großer Aufregung und Sorge in der Kinderklinik aufgenommen werden, weil das Mädchen einfach immer wieder aufhörte zu atmen.
Ich schrieb Tamara, dass wir zwar schon entlassen waren, nun aber in der Kinderklinik sind und nicht wissen, wie lange wir bleiben müssen. Abgesehen davon, dass Elijha mir diese Zeit eh schon zur Hölle machte, spitzte sich die ganze Lage zu, indem der Kontakt weiterhin fast ausschließlich über ihn bestand und sie mir letztendlich vorwarf, dass sie die stationäre Aufnahme über ihn erfahren musste.
Vielleicht ging meine SMS nicht durch… vielleicht hatte sie es übersehen… ich weiß es nicht… es machte das Ganze nur einfach nicht leichter.
Eines Abends als Bambina friedlich in ihrem Wärmebettchen schlief, machten wir uns auf den Weg um eine Kleinigkeitessen zu gehen. Wir nutzten die Gelegenheit auch direkt, um uns mit Elijha zu treffen und natürlich ging es mal wieder nur um sie.
So lange und so weit, bis ich ihm erklärte, dass er sich entscheiden müsse…. entweder Tamara, die nun ja scheinbar nichts mehr von mir wissen wollte, oder Bambina und wir. Niemals hätte ich diesen Satz gesagt, wenn ich gewusst hätte, dass er ihr davon erzählt und behauptet, ich hätte gesagt er dürfe sein „Patenkind“ nicht mehr sehen, so lange er noch Kontakt zu ihr hat.

Nach unserer Entlassung erzählte er mir wieder, wie sehr sie ihn doch nerve und teilte ihr gleichzeitig mit, dass der Kontakt nun nur noch heimlich stattfinden dürfe.
Eines Abends schrieb er mir mal wieder, er würde sie nicht losbekommen und nun frage sie auch noch, ob er denn immer noch Kontakt zu mir hätte. Ich hatte auf meine SMS keine Antworten von ihr erhalten und so ließ ich mich doch darauf ein, ihr wegen ihm zu schreiben. Sie antwortete nur, dass ich meinen „besten Freund“ ruhig behalten dürfe und wir setzten die Funkstille weiter fort.
Nachdem zwei oder drei weitere Tage verstrichen waren, telefonierte ich mit einem verzweifelten Elijha, der Tamara einfach nicht loswurde und mich erneut fragte, ob ich ihm nicht helfen könne. Also schrieb ich ihr ein weiteres Mal, natürlich ohne zu wissen, dass er ihr im selben Atemzug mitteilte, dass sie mich doch bitte nicht ernst nehmen solle.

Tamara und ich tauschten ein paar böse Worte und das Ende unserer Freundschaft war besiegelt.

Verzweifelt versuchte ich herauszubekommen was sie damit meinte, dass sie es satt hat der Spielball unserer kranken Spielchen zu sein. Elijha bestritt vehement etwas zu wissen, Tamara sprach nicht mehr mit mir und ich fühlte mich als Opfer von allen.
Dass er mich instrumentalisiert hatte, um zu erreichen was er sich in seinem kranken Kopf zurecht gesponnen hatte, konnte ich lange nicht sehen. Ich glaubte nicht mehr daran, dass er keine Ahnung hatte, von was Tamara sprach, konnte aber auch nicht das Gegenteil beweisen.
Erst heute weiß und sehe ich, dass er mich vollkommen isolieren und somit für sich ganz alleine in seinen Fängen haben wollte. Ich sollte meine Freunde, meine Familie und meinen Mann verlieren, um ganz alleine für ihn und das Kind zu leben, von dem er so gerne der Vater gewesen wäre.
Heute weiß ich es, doch heute ist es zu spät.


Gestern begegnete ich Tamara zum zweiten Mal, seit unsere Freundschaft in die Brüche ging.
Wie jedes mal, wenn ich an sie denke, durchfuhr auch heute ein kalter Blitz mein kleines, verletztes Herz.
Auch heute, bald 5 Jahre später tut es noch unglaublich weh, unter welchen Umständen alles endete. Denn heute weiß ich, dass Tamara aus Sorge um mich, den Kontakt zu ihm gehalten hat.
Heute weiß ich, dass sie hoffte, dass sie mir gemeinsam helfen können und sie ihm glaubte, dass es besser sei, mir nicht selbst zu schreiben. Ich weiß, dass das was ich als Ignoration aufgefasst hatte in Wahrheit unnötige Rücksichtnahme war.

„Heute weiß ich es besser!“

Genau aus diesem Grund ging ich heute auf sie zu, um mich bei ihr dafür zu entschuldigen, wie wenig ich ihr vertraut hatte.
Dafür, dass ich einem anderen Glauben schenkte, ohne sie einfach mal direkt anzusprechen und zu fragen, was denn eigentlich los ist. Heute würde ich so vieles anders machen, denn heute weiß ich es besser.
Tamara freute sich über die Entschuldigung und sagte es sei okay, doch in meinem Kopf brodelt die Suppe unaufhörlich weiter. Auch ich bin enttäuscht, dass sie einem Fremden einfach so geglaubt hat, anstatt mich einfach anzusprechen. Auch ich bin das Opfer…. ganz besonders ich bin das Opfer.
Natürlich kann sie das nicht wissen, natürlich sieht die Geschichte aus ihrer Sicht ganz anders aus… habe ich doch selbst viel zu lange an eine Lüge geglaubt. Und doch treibt es mir die Depressionstränen in den Brustkorb, dass sie nun zwar meine Entschuldigung hat, letztendlich aber überhaupt nicht weiß, was eigentlich wirklich vorgefallen war.
Nicht weiß, wie meine damalige Situation war, warum ich gehandelt habe, wie ich gehandelt habe und warum alles so kam, wie es kam.

Hallo Bloggerwelt, ich bin zurück.

Was würdest Du anders machen?

Ich wurde bei Instagram gefragt, was ich bei meinen Kindern anders mach würde, wenn ich nochmal die Gelegenheit dazu hätte.
Im ersten Moment überforderte mich diese Frage ein wenig, kurz darauf fiel mir allerdings doch so einiges ein. Anfangen möchte ich bei Bambina, unserem ersten, so sehr gewünschten Kind <3

Bei klein Bambi würde ich…

  • …alles versuchen, um den Kaiserschnitt zu vermeiden
  • …mir mit der Entscheidung der Taufpaten sehr viel Zeit lassen
  • …nicht so viel auf schlechte Ratgeber hören und so viel wie möglich gebraucht kaufen – denn das ist gut (!) und NICHT asozial
  • …sie im Kreißsaal nicht einfach den Ärzten überlassen, ohne regelmäßig informiert zu werden
  • …meine ehemals beste Freundin keine Bindung zu ihr aufbauen lassen, da Bambina nach ihrem plötzlichen Verschwinden noch heute ständig nach ihr fragt
  • …keine Bilder, auf denen man ihr Gesicht sieht online stellen
  • …mich nicht mehr verrückt machen, weil sie doch schließlich schon durchschlafen und vor allem in ihrem Bett liegen muss.
  • …eine Trageberatung in Anspruch nehmen, anstatt es so hinzunehmen, dass sie in der doofen Manduca nur schreit und daher scheinbar einfach nicht getragen werden will
  • …meiner Schwiegermutter früher sagen, was ich davon halte, dass sie sich scheinbar nicht großartig für ihre Enkelin interessiert
  • …mir nicht so viel reinreden lassen und ganz allein nach meinem Bauchgefühl handeln
  • …alternativer und ökologischer handeln
  • …weniger Zeit am Handy verbringen
  • …meinem Helden VIEL früher von E. erzählen und somit die damalige Gewaltsituation durchbrechen

3,5 Jahre später kam unser zweites Wunschkind viel zu früh zur Welt und ließ unsere kleine Familie noch perfekter werden.
Im Großen und Ganzen habe ich bei beiden Kindern meinen Frieden und leide, abgesehen von ein paar wenigen Punkten, nicht darunter, etwas großartig zu bereuen. Ich habe bei unseren Minizwergen mein Bestes gegeben und tue es heute noch; bei Bambina anders als bei unserem Elfen, doch das Leben steht nicht still und ich habe mich weiterentwickelt.
Manches konnte ich mit meinen jungen Jahren noch nicht besser wissen und anderes war ein Prozess, der auch heute noch nicht beendet ist.
Auch bei unserem Elfen gibt es somit den ein oder anderen Punkt, den ich kein zweites mal so geschehen lassen würde. Allerdings muss da auch so manches noch verarbeitet werden.

Bei unserem Minizwergi würde ich…

  • …nicht noch mal so viel Zeit verstreichen lassen, bis ich ihn zum ersten Mal sehen kan
  • …mich im Perinatalzentrum nicht mehr ständig wegschicken lassen und würde darauf bestehen, so viel wie möglich bei meinem Kind zu sein!
  • …mir grundsätzlich nicht mehr so viel von der Klinik gefallen lassen
  • …früher auf mein Gefühl hören, was seine Ernährung betrifft
  • …mir das Stillen nicht verbieten lassen!
  • …in der Schwangerschaft auf eine ordentliche Behandlung bestehen – durchgehende Vorsorge, zweite Meinung wegen dem Verlust von Fruchtwasser, Lungenreife nach Anordnung der leitenden Oberärztin
  • …die Nottaufe heimlich filmen!
  • …mich grundsätzlich nicht so sehr verunsichern lassen.
  • …darauf bestehen ALLES gesagt zu bekommen
  • …mehr dokumentieren, um nicht so viel aus der Neozeit zu vergessen
  • …würde ich noch vor Entlassung ein Gespräch mit einem Facharzt bezüglich seiner Fehlbildungen verlangen
  • …früher mit Stoffwindeln beginnen 🙂

Abgesehen von den genannten Punkten, würde ich im großen und ganzen genauso handeln, wie ich es bisher getan habe.
Wahrscheinlich würde ich mich im Nachhinein betrachtet schon früher mit Stoffwindeln, Attachment Parenting, unerzogen, bindungsorientiert, windelfrei etc. beschäftigen, doch das ist oben genannter Prozess, der leider seine Zeit braucht.
Als Bambina zur Welt kam, waren wir relativ junge Eltern, die noch nicht wirklich viel mit ökologischen Gedanken am Hut hatten. Im Gegenteil, frisch verheiratet in der ersten eigenen Wohnung, haben wir erst mal unsere neugewonnene Freiheit genutzt & all das konsumiert, das unsere Eltern zuvor nicht unterstützt hatten. Begriffe wie BLW, Familienbett, unerzogen, Barfußschuhe, Mei Tai o.ä. waren mir fremd und ich lernte sie erst nach und nach kennen und schätzen.
Noch dazu gab es zu dieser Zeit leider Elijha in unserem Leben, der alles verurteilte, das nicht neu und super gut war.
Wir waren also ständig damit konfrontiert, schlechte Eltern zu sein, wenn wir Erbstücke meiner Familie für unser „neues“ Kind benutzen, oder meine Familie mal aufpassen lassen würden.

Inzwischen weiß ich, welch unglaublicher Unsinn das doch ist und kaufe kaum noch etwas neu. Abgesehen vom finanziellen Aspekt, ist es einfach eine unnötige Ressourcenverschwendung und die Müllberge wachsen nebenbei minütlich.
Kleidung kauften wir damals großteils schon gebraucht, den Kinderwagen ebenso, doch der Rest war neu. Da wir nach einer langen Zeit die ersten unserer Familie waren, die ein Kind bekommen haben, war zwar eh nicht viel da, doch gerade diese Teile haben wir nun beim Elfen benutzt. Unter anderem ein antiker Stubenwagen, in dem meine Oma schon lag 😉

Und was würdest Du anders machen, wenn Du die Gelegenheit dazu hättest?

#NationalBestFriendsDay

Am 8. JUNI wird in Amerika der Tag der besten Freunde gefeiert und für mich gibt es momentan allen Grund, darüber zu schreiben.

Im Januar endete die langjährige „auf und ab“-Freundschaft mit meiner ehemals besten Freundin offiziell.
Eigentlich gab es dieses „uns“ schon lange nicht mehr und obwohl ich eine Zeit lang fast krampfhaft versucht habe, das „alte“ aufrecht zu erhalten, verlor unsere Freundschaft immer mehr an Substanz, bis am Ende nichts mehr davon übrig war. Den Schlussstrich zog sie dann letztendlich stillschweigend, indem sie auf nichts mehr reagierte und mich überall blockierte.
Nach anfänglichen Sorgen um sie, merkte ich an meiner inneren Reaktion eindrücklich, dass es eigentlich schon viel früher zu Ende war. Unsere Leben haben sich einfach in vollkommen andere Richtungen entwickelt, größere Themen standen zwischen uns und die  ehemalige „Teenie“-Freundschaft überstand  den Weg ins Erwachsenenalter einfach nicht.

Ich möchte nicht, dass es durch diesen Artikel so wirkt, als hätte ich meine Freunde so ausgetauscht. Nein, meine Herzdame lernte ich vor 3 Jahren über meinen ersten deutschen Blog kennen, Ende 2013 trafen wir uns zum ersten Mal und auch wenn zwei emotional mitgenommene Menschen nicht immer gut harmonieren, entwickelte sich eine feste, ernste, richtige Freundschaft.  Eine, auf die ich nun ohne das Gefühl, im jugendlichen „beste beste beste Freundin“-Zeitalter festzuhängen, blicken kann; so, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht mehr ständig die  Bestätigung brauche, gemocht zu sein, denn es fühlt sich einfach danach an.
Ich kann mit einer unglaublichen inneren Ruhe an unsere Freundschaft denken und sehe all die schönen Momente, Gespräche und Bilder der letzten Jahre vor meinen Augen.

Anfang 2015 ließen wir uns gemeinsam ein Tattoo stechen, mit ihrer Familie war ich zum ersten Mal in einem Toy’r’us, wir waren gemeinsam im Wildpark, shoppen, sie war hier,  als meine Oma starb, stand mir immer zur Seite, egal wie groß meine Dummheiten auch waren, versteht vieles wie eine andere und wenn mich mal wieder mein schlechtes Gewissen plagt, weil ich sinnlos Geld ausgegeben habe, relativiert sie es für mich.
Letztes Jahr durfte ich ihre Trauzeugin sein und habe in einer Kirche, gefüllt mit fremden Menschen, aus der Bibel vorgelesen. ICH!
Nach anfänglicher Panik, hat es sich sogar einfach nur noch richtig angefühlt. Anfang Mai las sie dafür einen Teil der Fürbitten bei Bambinas Taufe und fuhr trotz vorzeitiger Wehen den weiten Weg zu uns.

Vor 8 Monaten brachte ich schließlich ihr Patenkind – unseren Elfen – viel zu früh zur Welt, woraufhin eine harte Zeit begann, die unsere Beziehung ordentlich auf die Probe stellte. Ich, eifersüchtig auf ihre neuen Freunde und gleichzeitig ohne Zeit und Nerven, für ordentliche Kommunikation.
Oft hörte sie den lieben langen Tag nichts von mir, machte sich Sorgen um uns und begrüßte mich dennoch jeden Morgen mit einem Herzchen. Wie oft musste sie sich mit den wenigen Informationen zufriedengeben, die ich ihr oder Instagram mitteilte und obwohl es mir wirklich leid tat, konnte ich einfach nicht anders. Doch genau diese Zeit hat uns nur noch mehr zusammengeschweißt.
Ich bin unendlich dankbar dafür, sie in meinem Leben haben zu dürfen, weshalb ich ihr diese Zeilen mit großer Freude widme <3

Doch die Geburt unseres Wunderkindes,  brachte nicht nur die Herzdame und mich näher zusammen, sondern auch eine neue Familie in unser Leben.
Eine Woche nach der (für mich schockierenden) Isolation unseres Elfen, stand plötzlich ein zweiter Inkubator in unserem Zimmer. Darin lag ein klitzekleines Wesen,  das noch keine 1000 g wog und mir immer wieder verdeutlichte, wie sehr unser Junge schon gewachsen war. Lag der Kleine auf Anikas oder Toms Brust, hatte ich jedes Mal das Gefühl, eine Kopie vom Minielfen und mir zu sehen. Denn vorher war mir nie so bewusst, wie klein unser Kämpfer eigentlich wirklich war…
Mit den Eltern des Zwergen verstanden wir uns von Anfang an und ich merkte schnell, dass die beiden ebenfalls recht alternativ eingestellt sind. Doch genauso schnell kam auch die Angst, dass der Elf auf Normalstation umzieht, bevor wir uns richtig kennengelernt haben. Tagelang hatte ich deshalb einen kleinen Zettel mit meiner Handynummer bei mir und traute mich einfach nicht,  ihn Anika zu geben.
Ich neige nun mal dazu, viel zu schnell große Sympathie zu empfinden, wenn es für andere nur ein kleiner Plausch unter Fremden ist. Also wartete ich und stellte mit der Zeit fest, dass sie ihrem Sohn auch noch die selben Lieder vorsang, wie ich unserem.
Das mussten einfach genug Gemeinsamkeiten für einen länger währenden Kontakt sein und so sammelte ich irgendwann meinen ganzen Mut und gab Anika den Zettel, den ich inzwischen schon unzählige Mal neu geschrieben hatte.

2 Monate lang teilten wir uns ein Isolationszimmer und saßen den halben Tag zusammen bei unseren Frühchen. Schnell spürte ich eine gewisse Vorfreude am Morgen, wenn ich an die nachmittäglichen Gespräche mit ihr und/oder ihrem Mann dachte und schloss die komplette Familie in mein Herz.
Wir freuten uns gemeinsam über die Fortschritte der Minis, lästerten über all die seltsamen, stationären Umstände und regten uns über so manche ärztliche Aussage auf.
Anika lauschte den Geschichten, die ich dem Elfen vorlas, ich erfreute mich am klang ihrer wunderschönen Singstimme und unsere Söhne unterhielten sich über das Klingeln der Monitore. Immer wieder hörten wir die Schwestern witzelnd fluchen, dass die beiden sich einfach immer absprechen und unterhalten müssen… zum Leid des zuständigen Pflegepersonals 😀
Wir wurden so gute Freunde, dass es die Runde machte und eine Frühchenmama, die uns kaum kannte zu uns sagte, dass wir am Ende doch gar nicht mehr ohne einander können. Wie recht sie damit doch hatte! Wir gewöhnten uns so sehr aneinander, dass der Abschied bei unserer Entlassung tränenreich war und ich mich kaum darüber freuen konnte, unser Elfenbaby endlich mit nach Hause nehmen zu dürfen.
Anika, die erste Person neben meinem Mann, mit der ich Tag für Tag reden konnte, ohne in alte Angstmuster zu fallen. Obwohl wir uns jeden Tag gesehen haben, hatte ich keine Angst davor,  mich mit ihr unterhalten zu „müssen“ & keine Panik, weil sie mich so regelmäßig sie sah.
Ich freue mich jedes mal sehr darauf, sie zu treffen und kann die kleine Familie vollkommen problemlos besuchen, was seit Elijha normal nur noch sehr schwer möglich ist. Ende März/Anfang April waren wir sogar gemeinsam auf einer Kurzfreizeit im Kloster und haben die Zeit sehr genossen.

Momentan könnte ich mit meinen Freunden nicht glücklicher sein und bin so unendlich froh und dankbar, meinen Platz bei und mit ihnen gefunden zu haben <3

Gesellschaftsbullshit.

Ich sitze mit meiner Oma, dem Elfenkind und geschwollenen Mandeln im Wartezimmer von unserem Hausarzt, als eine alte Bekannte meiner Oma zur Tür herein kommt.
Nach dem klassischen Begrüßungssmalltalk galt ihr Interesse ziemlich schnell dem Elfen und wie jedes mal, musste auch diese Frau unbedingt wissen, was die ganzen Kabel und Schläuche zu bedeuten haben; ob das wieder weggeht und wie lange er das alles wohl brauchen wird. Schnell gesellte sich auch eine weitere wartende Person dazu und stellte ähnliche Fragen.  Neben dem obligatorischen „oh ist der noch kleiiiin“, hatte sie allerhand Kommentare auf Lager und so kam es, wie es kommen musste – das Grundsatzthema war auf dem Tisch.
Inzwischen gäbe es ja ach so viele Frühchen und immer mehr Trisomie Kinder, obwohl sie das überhaupt nicht verstehen können. 

Sowas muss heute doch nicht mehr sein.

Eine kurze Frage, ob bei unserem Sonnenschein denn eine Chromosomenanomalie vorliege und schon ging es los. Ob die Eltern die Untersuchungen denn nicht machen lassen? Immerhin sind sie inzwischen schon so genau und sicher, dass es gerade heutzutage doch wirklich nicht mehr sein muss, solche Kinder zu bekommen.
Eine ganz gezielte Anspielung auf die Fruchtwasseruntersuchung und ich musste mich sehr beherrschen um ihr nicht meine Meinung ins Gesicht zu schleudern. Gebracht hätte es, abgesehen von einem durch die Aufregung irritierten Kind, wohl nichts und so antwortete ich lieber erst gar nicht.
Zu gut erinnere ich mich an den Tag, als wir darauf hingewiesen wurden, dass wir uns mit der Entscheidung zur Untersuchung nicht lange Zeit lassen sollen, dass man die Schwangerschaft noch problemlos abbrechen könne. Allein die Wortwahl, abbrechen… etwas nicht zu Ende führen… oder doch lieber,  ein schlagendes Herz dazu bringen seine Arbeit niederzulegen?!

Ihr wusstet es ja vorher.

Lange haben wir uns beratschlagt, Erfahrungsberichte gelesen und über alles nachgedacht, obwohl die Entscheidung von Anfang an stand und nur erneut hinterfragt werden musste. Letztendlich blieben wir dabei und entschieden uns gegen eine Untersuchung des Fruchtwassers, da wir unseren Elfen so oder so bekommen hätten. Es stand überhaupt nicht zur Debatte die Schwangerschaft zu beenden und dieses Kind zu töten… unser Kind!
Während des ganzen Prozesses unterhielten wir uns auch hin und wieder über den gesellschaftlichen Aspekt. Wir hatten schon gelesen und mitbekommen, was die Meinung vieler ist und wussten auch, dass es immer wieder Menschen geben wird, die nicht verstehen können, wie wir in dieser Situation genau diese Entscheidung treffen konnten. Neben den persönlichen Gründen, dem Risiko, der Entscheidung das Kind eh zu bekommen und der nicht bei 100% liegenden Genauigkeit, gab es auch gesellschaftliche Gründe, die uns von der Untersuchung abhielten. Wäre uns eine Trisomie vorhergesagt worden, hätten wir kein Interesse daran gehabt, eventuell gesagt zu bekommen, dass wir es ja schließlich wussten und unser Kind nicht bekommen hätten müssen. Ich bin kein Mensch der sich großartig über etwas beschwert, ab und an möchte aber auch ich meiner Belastung mal Luft machen & dann vielleicht das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass wir es ja schließlich so wollten, obwohl wir etwas dagegen tun hätten können… nein, das hätte ich wirklich nicht gewollt.

Und dann sitze ich da und höre diesen Satz den man sonst nur liest. Nie hätte ich damit gerechnet ihn mal selbst zu hören und mit solchen Gedanken konfrontiert zu sein.
Nein, es muss heute nicht mehr sein, „solche“ Kinder zu bekommen. Es muss aber auch nicht mehr sein, eben genau diese Kinder abzulehnen. Gerade heute, in der jetzigen Zeit mit den vielen medizinischen Möglichkeiten und Hilfsmitteln.
Niemand sucht es sich aus, ein krankes Kind zu bekommen und gerade deshalb sollten wir heute so weit sein, die Entscheidung den Eltern zu überlassen, die eh schon genug zu kämpfen haben. Egal wie die Entscheidung fällt, Vorwürfe und einfühlslose Kommentare sind einfach fehl am Platz. Denn auch wenn es „heute nicht mehr sein muss“, darf man darunter nicht  vergessen, dass es sich dabei um Kinder handelt. Geliebte und gewünschte Kinder,  die ihren Eltern auch krank die Welt bedeuten!

17.11. – Weltfrühchentag

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Ein auf und ab der Gefühle, dieses #Extremfrühchen-Elternding. Kaum freut man sich über A, macht man sich auch schon Sorgen über B und Hoffnung auf C und nun das ganze durcheinander gewürfelt, am laufenden Band.
Ist alles gut, freut man sich, macht sich Anfangs Sorgen, dass es nur wieder ein kurzer Aufschwung ist und vergisst dann vollkommen die nicht so guten Zeiten. Es ist, als würde man auf Wolken schweben und die Entlassung kommt gefühlsmäßig immer näher. Doch wie es im Frühchenleben so ist, geht es zwei Etagen hoch & eine wieder runter, wie im Aufzug, wenn man die falschen Knöpfe drückt. Ich bin froh, dass wir auch endlich dort angekommen sind und es nicht mehr mehr Schritte rückwärts geht, als vorwärts!

Ist man nun aber auf dem Weg nach unten, macht man sich plötzlich um Dinge Sorgen, die vor dem Aufschwung Alltag und schon ganz normal waren. Man kennt es noch gut, hatte es aber vollkommen ausgeblendet und auf einmal wird der ehemalige Fortschritt zum beängstigenden Rückschritt.
Wenn das passiert, muss man sich vor Augen halten, wie viel schlechter es schon war und wie weit das Kind schon gekommen ist. Und obwohl ich die Klinikzeit bisher mit einer guten Portion Gelassenheit überstanden habe, komme auch ich seit der Elfen-OP immer wieder an den Punkt, an dem ich mit schwindender Stimmung am Inkubator sitze und meine Entlassungshoffnung immer weiter nach hinten schiebe.
Da es nicht mehr so kritisch um ihn steht, bin ich nicht mehr im „einfach weitermachen“-Modus und nehme die Welt um mich herum wieder wahr. So kommt es auch, dass der Kopf wieder freier ist & sich sinnlos intensiv mit Ängsten beschäftigen kann.

Viel zu häufig vergisst man einfach, dass die kleinen Wunder zwar dies und jenes noch nicht können, unter normalen Umständen aber auch noch sorglos durchs Fruchtwasser toben würden. Eigentlich müssten sie weder atmen, noch essen oder verdauen und landen dann mit einer Bruchlandung mitten im kalten, harten Leben. Plötzlich müssen sie all das tun, wofür sie eigentlich noch gar nicht gemacht sind. Anstelle der Dunkelheit und Ruhe, sind sie nun unzähligen Reizen ausgesetzt. So erleben sie viel zu früh Schmerz, Licht, Lärm und Berührungen. All das müssen diese kleinen Wesen erst mal verarbeiten und dann sitzen da Mama & Papa am Inkubator, denen es gar nicht schnell genug gehen kann.

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Vor 2 Monaten kam unser Elf mit 640 g zur Welt und hat in dieser Zeit schon so manches hinter sich und erreicht. Inzwischen sind wir bei genau 1450 g & einer Größe von 39 cm angekommen und empfinden ihm nun schon als sehr groß und „fertig“. Er war lange intensiv beatmet und nicht wenig unter Rüttelbeatmung, heute kommt er mit dem cpap und einem PEEP von 7 zurecht. Wochenlang durften wir gar nicht, oder nicht oft kuscheln, weil es ihn zu sehr angestrengt hat nicht im Inkubator zu sein und heute nehme ich den Liegestuhl schon von Anfang an mit ins zimmer, da ich weiß, dass ich ihn wohl zum kuscheln rausbekommen werde.
Frühchen sind stärker als man denkt, sie kämpfen sich von Anfang an ins Leben und haben am Ende ihrer Klinikzeit oft mehr hinter sich, als viele andere.

Dass all das überhaupt möglich ist, haben wir der fortschrittlichen Medizin zu verdanken. Ich bin froh, mir eben genau diese Gedanken machen zu können und die Achterbahnfahrt der Gefühle zu erleben, denn genau das beweist mir jeden Tag aufs Neue, dass unser Elf lebt. Es raubt mir gefühlt alle Kraft, kostet viele viele Nerven und man braucht unsagbar viel Geduld. Doch so hart es an manchen Tagen auch ist, ich bin von Herzen dankbar für all die Emotionen – denn er lebt!