17.11. – Weltfrühchentag

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Ein auf und ab der Gefühle, dieses #Extremfrühchen-Elternding. Kaum freut man sich über A, macht man sich auch schon Sorgen über B und Hoffnung auf C und nun das ganze durcheinander gewürfelt, am laufenden Band.
Ist alles gut, freut man sich, macht sich Anfangs Sorgen, dass es nur wieder ein kurzer Aufschwung ist und vergisst dann vollkommen die nicht so guten Zeiten. Es ist, als würde man auf Wolken schweben und die Entlassung kommt gefühlsmäßig immer näher. Doch wie es im Frühchenleben so ist, geht es zwei Etagen hoch & eine wieder runter, wie im Aufzug, wenn man die falschen Knöpfe drückt. Ich bin froh, dass wir auch endlich dort angekommen sind und es nicht mehr mehr Schritte rückwärts geht, als vorwärts!

Ist man nun aber auf dem Weg nach unten, macht man sich plötzlich um Dinge Sorgen, die vor dem Aufschwung Alltag und schon ganz normal waren. Man kennt es noch gut, hatte es aber vollkommen ausgeblendet und auf einmal wird der ehemalige Fortschritt zum beängstigenden Rückschritt.
Wenn das passiert, muss man sich vor Augen halten, wie viel schlechter es schon war und wie weit das Kind schon gekommen ist. Und obwohl ich die Klinikzeit bisher mit einer guten Portion Gelassenheit überstanden habe, komme auch ich seit der Elfen-OP immer wieder an den Punkt, an dem ich mit schwindender Stimmung am Inkubator sitze und meine Entlassungshoffnung immer weiter nach hinten schiebe.
Da es nicht mehr so kritisch um ihn steht, bin ich nicht mehr im „einfach weitermachen“-Modus und nehme die Welt um mich herum wieder wahr. So kommt es auch, dass der Kopf wieder freier ist & sich sinnlos intensiv mit Ängsten beschäftigen kann.

Viel zu häufig vergisst man einfach, dass die kleinen Wunder zwar dies und jenes noch nicht können, unter normalen Umständen aber auch noch sorglos durchs Fruchtwasser toben würden. Eigentlich müssten sie weder atmen, noch essen oder verdauen und landen dann mit einer Bruchlandung mitten im kalten, harten Leben. Plötzlich müssen sie all das tun, wofür sie eigentlich noch gar nicht gemacht sind. Anstelle der Dunkelheit und Ruhe, sind sie nun unzähligen Reizen ausgesetzt. So erleben sie viel zu früh Schmerz, Licht, Lärm und Berührungen. All das müssen diese kleinen Wesen erst mal verarbeiten und dann sitzen da Mama & Papa am Inkubator, denen es gar nicht schnell genug gehen kann.

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Vor 2 Monaten kam unser Elf mit 640 g zur Welt und hat in dieser Zeit schon so manches hinter sich und erreicht. Inzwischen sind wir bei genau 1450 g & einer Größe von 39 cm angekommen und empfinden ihm nun schon als sehr groß und „fertig“. Er war lange intensiv beatmet und nicht wenig unter Rüttelbeatmung, heute kommt er mit dem cpap und einem PEEP von 7 zurecht. Wochenlang durften wir gar nicht, oder nicht oft kuscheln, weil es ihn zu sehr angestrengt hat nicht im Inkubator zu sein und heute nehme ich den Liegestuhl schon von Anfang an mit ins zimmer, da ich weiß, dass ich ihn wohl zum kuscheln rausbekommen werde.
Frühchen sind stärker als man denkt, sie kämpfen sich von Anfang an ins Leben und haben am Ende ihrer Klinikzeit oft mehr hinter sich, als viele andere.

Dass all das überhaupt möglich ist, haben wir der fortschrittlichen Medizin zu verdanken. Ich bin froh, mir eben genau diese Gedanken machen zu können und die Achterbahnfahrt der Gefühle zu erleben, denn genau das beweist mir jeden Tag aufs Neue, dass unser Elf lebt. Es raubt mir gefühlt alle Kraft, kostet viele viele Nerven und man braucht unsagbar viel Geduld. Doch so hart es an manchen Tagen auch ist, ich bin von Herzen dankbar für all die Emotionen – denn er lebt!

Mein verselbstständigter Körper

Ich bin es gewohnt, von Ärzten zu hören, dass sie nicht weiter wissen oder meine sehr schwankenden Werte nicht verstehen. Doch momentan fühle selbst ich mich, von meinem Körper veräppelt.
Wochenlang klettern meine Blutzuckerwerte nach oben, brechen mehrere Grenzwerte und als ich nun letztendlich doch auf Insulin eingestellt werden soll, liegen sie plötzlich innerhalb der von Elfchens Größe abhängenden Norm. Natürlich ist es super, wenn ich kein Insulin brauche, trotzdem verunsichert es mich, was mein Körper da schon wieder treibt.

Gleich mache ich mich auf den Weg zu meinem Hausarzt, um das Gerät für die 24 Stunden Blutdruckmessung zu holen. Auch hier sind meine Werte deutlich zu hoch und da mein Frauenarzt sich seit bald 2 Monaten komplett raushält und auch keine Vorsorge mehr macht, habe ich es nun selbst in die Hand genommen.
Ich bin gespannt, wie sich meine Werte in den 24 Stunden schlagen und fürchte fast, dass sie für diese Zeit ebenfalls vollkommen normal, oder evtl sogar etwas zu niedrig sind. In mir löst dieses hin & her Angst aus, als Lügner hingestellt zu werden… doch in habe Blutzucker sowie Blutdruck immer gewissenhaft gemessen und nur wahre Werte zur Beurteilung vorgelegt. Dennoch bleibt ein komisches Gefühl, weil mein Körper einfach nur genau das macht, was er will.

Emotionen zwischen Freude und Angst

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Vorhin waren wir nach meinem Diabetologentermin kurz bei dm, um neuen Magen-Darm Tee zu kaufen & kamen an einem Ständer mit reduzierter Kinderkleidung vorbei. Neben ein paar Teilen für Bambina, fand ich diesen wunderschönen Einteiler in Größe 74 und war direkt verliebt. Kurz stellte ich mir vor, wie unsere Elfe ihn tragen wird und legte ihn mit Bambinas Sachen in den Einkaufswagen.

Während mein Held unseren Einkauf bezahlte, besuchte ich noch schnell die Toilette und warf einen Blick auf mein Handy. Babybäuche bei Instagram, die Fingerchen von einem Neugeborenen und die Meldung, dass eine Freundin Tante geworden ist.
Im Auto räumte ich die Sachen schließlich in meine Handtasche und der hübsche Einteiler versetzte mir einen Stich. Genau so ging es mir auch Samstag schon, als wir bei Sigikid waren & zwei Teile aus dem SALE mit nach Hause nahmen. Ein Stich, ein weiterer, noch einer und noch einer.

Nach und nach wird mir bewusst, wie sehr mich das Babythema inzwischen mit nimmt. Anfangs ging es noch, die ersten 18 Wochen konnte ich geduldig abwarten, zuversichtlich in die Zukunft sehen und daran glauben, dass unsere Elfe im Dezember zur Welt kommen wird. Ganz egal was die Ärzte auch sagten, ich hatte diese innere Gewissheit, dass alles gut geht… ein innerer Frieden, den ich mir sehr zurück wünsche.
Wie gerne würde ich einfach freudig Babysachen kaufen und mich darüber freuen, dass die Zeit bis wir unser Kind kennenlernen immer kürzer wird. So gerne würde ich in glücklicher Erwartung in Gedanken die Zimmer umräumen und nach und nach beginnen alles für unser zweites Wunschkind her zu richten.
Und doch ist es genau das, was mir wieder ins Gedächtnis ruft, nicht zu wissen wie es kommen wird. Ich hoffe so sehr auf ein positives Ende & glaube an unseren Minizwerg, doch trotzdem möchte ich die Augen vor der Realität nicht verschließen. Möchte nicht so tun als sei alles gut, aber auch nicht, dass jeder Zweite direkt erfährt was los ist.

In Wahrheit macht es mich einfach traurig zu wissen, dass wir unser Kind vielleicht nie aufwachsen sehen. Nicht zu wissen, wie viele Wochen ich schwanger sein werde und wann es draußen bessere Chancen für unsere Elfe gibt. So schwer es mir anfangs auch fiel zu akzeptieren, dass ein Mensch in mir heranwachsen wird und ich so lange meinen Körper teilen muss, desto schwerer ist es jetzt für mich. Diese Unsicherheit, wann ich den Zwerg zum letzten mal spüren werde und meine Gebärmutter einfach nicht mehr sicher genug ist… Tag für Tag habe ich das Gefühl, es nicht genug genießen und in mir aufnehmen zu können. Das Gefühl dass etwas unwiederbringliches verloren geht und die Angst auch das damit zusammenhängende Kind zu verlieren.

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Es bringt meine Geduld an die Grenzen, darauf zu warten, was die Ärzte  beim nächsten Termin sagen. Macht mich wahnsinnig zu wissen, dass ich ins Krankenhaus und mein Bambikind zu Hause lassen muss. Das Gefühl völlig machtlos zu sein raubt mir meine Nerven und das endlose Warten schürt meine wieder stärker werdende Depression.
Die vielen Arzttermine und Herausforderungen überlasten meine Kräfte und ich möchte die Zeit am liebsten nur noch schlafend im Bett verbringen.

Ich freue mich unheimlich auf unser Baby mit dem wunderschönen Gesicht. Freue mich darauf es zu tragen, in meinem Armen zu halten, es zu versorgen und aufwachsen zu sehen. Kann kaum klein Bambis Blick erwarten, wenn sie die Elfe zum ersten mal sieht und die erste Nacht zu viert im Familienbett zu verbringen.
Allem voran freue ich mich auf nichts mehr, als auf den Moment in dem unsere Elfe endlich in Sicherheit lebt und nur noch darauf wartet nach Hause zu dürfen.

Und doch fällt es mir inzwischen einfach schwer die Zeit der Ungewissheit zu überbrücken. Es ist wie ein Stein, der mich an den Füßen nach unten zieht um mich in einen neutralen, von Stichen durchzogenen  Zustand zu versetzen.
Zwischen der Freude über unser Bambinchen, dem Glück der Schwangerschaft, dem Schmerz wegen unserem Zwillingssternchen, der Angst um unsere Elfe und der Ungewissheit was kommen wird.

Liebe, Geborgenheit und Anerkennung

Egal wie schwarz die Tage wirken, wie schlimm es sich anfühlt und wie schwer die Last auf den Schultern ruht, mein kleines Bambikind hebt jedes mal wieder meine Laune. Es gibt einfach nichts schöneres, als das eigene Kind dabei zu beobachten, wie es sich entwickelt, was es neues kann und wie glücklich es bei all den Kleinigkeiten ist.
Gestern war es „lediglich“ ein kleines Privatkonzert mit ihrem Saxophon, das sie ganz für mich allein gegeben hat. Ich war unheimlich gerührt und glücklich darüber, sie spielen zu hören & sie freute sich ohne Ende darüber, dass es mir gefiel und sie im Mittelpunkt stand.

Dieses kleine Mädchen zaubert mir Tag für Tag ein Lächeln ins Gesicht und kann selbst meine schlechteste Laune, das tiefste Tief, oder die dunkelste Stimmung für eine gewisse Zeit durchbrechen. Allein ihre Anwesenheit reicht schon, um mir das Gefühl zu geben, wertvoll und gesegnet zu sein. Denn genau das bin ich, reich beschenkt mit unserem inzwischen ziemlich großen Wunder und das Bewusstsein eine eigene kleine Familie zu haben strahlt unbeschreichlich viel Geborgenheit aus.
Ich wünsche mir von Herzen, dass auch klein Bambi es fühlen kann und sich vollkommen angenommen fühlt. Sie ist unser geliebtes Kind, durch und durch – jetzt und in all den kommenden Jahrzehnten.
Es kommt nicht darauf an, dass sie bedingungslos auf uns hört, zu unseren Wunschzeiten schläft, oder durchgehend „einfach“ ist. Sie ist unser Baby, so wie sie ist und genau so ist sie richtig.
Gerade momentan, in Zeiten in denen sie nicht vor 23 Uhr schläft und ich das Bett morgens mit ihr verlasse und am Abend mit ihr schlafen gehe, denke auch ich manchmal, wie schön es doch wäre, wenn sie früher schlafen würde. Doch dann sehe ich sie an und erkenne wieder, dass sie einzigartig einmalig ist. Die Zeiten werden sich wieder ändern und in einer Familie kann, oder sollte es sich meiner Meinung nach nicht zentral um den Willen der Eltern drehen.

Spätestens wenn ein Kind aus einem Paar eine Familie macht, steht das „Ich“ nicht mehr im Vordergrund. Plötzlich ist da dieses kleine Wesen, um das man sich kümmert und das die Hilfe „seiner“ Eltern braucht. Ein kleines unschuldiges Kind, dem man die Welt zeigen und die Werte vermitteln kann, die einem selbst wichtig sind. In gewisser Weise gibt man seine Geschichte weiter, durch die man sich zu der Person entwickelt hat, die man nun ist. Gleichzeitig möchte man sein Kind aber vor all den negativen Erlebnissen bewahren, die das eigene Leben eventuell geprägt haben und entscheidet sich für seinen eigenen ganz persönlichen Erziehungsstil. So und durch bedingungslose Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, sowie dem Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls kann jeder von uns seinen Kindern das zurück geben, was sie uns Tag für Tag schenken.

Danke, dass Du mir die Welt aus Kindersicht zeigst und wertungslos beobachtest, was um Dich herum geschieht.
Danke für all das, das Du mir ganz selbstverständlich jeden Tag gibst, wenn Du mir in die Augen siehst.
Danke Gott, dass ich die Mama dieses wundervollen Menschenkindes sein darf <3

lena

Der Neurologe und die Soziotherapie

Gestern war ich bei meinem Neurologen, um meine Medikamente für eine Schwangerschaft absegnen zu lassen. Wahrscheinlich hätte ich mich schon viel früher darum kümmern sollen, hatte aber zu viel Angst, dass er sich überhaupt nicht auskennen könnte und mir erst mal alles absetzt. Da ich mehrere Fachbücher zu dem Thema gelesen habe, wusste ich schon was okay ist und was nicht, nur hatte mir das eben noch kein Arzt bestätigt.

Da wir keinen Parkplatz gefunden hatten, kamen wir ein wenig zu spät in der Praxis an, was aber letztendlich nicht mal mehr einen Unterschied gemacht hat, da mein Termin in deren Kalender ganze 30 Minuten früher vermerkt war. Das ist immer der Nachteil, wenn man Termine telefonisch vereinbart & keinen Terminzettel hat, den man als Beweis vorlegen könnte. Also mussten wir bis zum Ende der Sprechzeit warten und wurden als letztes aufgerufen. Die Assistentin war dieses mal wirklich super und mit dem Assistenten vom letzten Mal die einzige, die ich bisher toll fand. Sie hat es einfach hingenommen, was ich gesagt habe, hat das Wichtigste notiert, den Bericht endlich mal korrekt ausgebessert und letztendlich noch für mich mit dem Arzt gesprochen, um eine alte Diagnose endlich schriftlich im Bericht aufzunehmen.
Auch mein Arzt war gestern wirklich klasse und hat ganz anders reagiert, als ich es befürchtet hatte. Er fragte mich, ob ich Embryotox kenne und was da momentan zur Medikation in der Schwangerschaft steht. Als ich mit meinen Ausführungen fertig war meinte er, dass auch genau das sein Standpunkt ist, denn es würde einem Kind keineswegs mehr schaden, als die Auswirkungen, die ein Absetzten der Medikamente hätte. Gestern war tatsächlich das erste Mal, dass ich die Praxis lächelnd und nicht mit Tränen in den Augen verlassen habe 🙂

Allerdings waren die letzten Wochen nicht wirklich gut, worunter meine Punkte der Soziotherapie sehr gelitten haben. Ich kann mich so extrem schwer zu etwas motivieren und aufraffen, dass ich alles schleifen und liegen lasse & mich nur alle Zeit lang mal dazu zwingen kann – wie bei meinem Blog eben. Doch eigentlich brauche ich es & es hat immer sehr gut getan… hängen lassen ist einfach nicht gut, doch wenn die Kraft fehlt gleichen auch Kleinigkeiten einem unbezwingbaren Marathon.
Mein Arzt hat vollkommen Recht, wenn er sagt, dass es einfach so Phasen bzw. Zeiten gibt und dann genau die positiven Sachen auf der Strecke bleiben und man sich erst wieder einen gewaltigen Ruck geben muss. Trotzdem solle ich doch vielleicht versuchen, ob ich zumindest mit Yoga wieder beginnen könnte & wenn es nur kurz ist, um abzuschalten und den Kopf einfach Kopf sein zu lassen. Ja, das würde ich schon gerne… wenn es nicht so schwer wäre… so überfordernd, anstrengend und hart 🙁

Um allerdings immerhin etwas getan zu haben, habe ich gestern nach Wochen endlich mal Mützen und Unterwäscheschnitte ausgedruckt und ausgeschnitten. Das Schneiden war nicht mal das Problem, sondern das dazu Aufraffen den Druckauftrag zu geben. Ein paar kleine Klicks und doch so unglaublich schwer =O
Als ich fertig war, fühlte es sich aber so gut an, dass ich heute Abend vielleicht tatsächlich damit beginne, kleine Teile zuzuschneiden und dann in nächster Zeit endlich wieder zu nähen. Außerdem liegt hier auch noch die Märchencape für die Tochter einer sehr lieben Freundin rum… eigentlich ebenfalls so einfach und doch so schwer. Wenn ich es dann aber tatsächlich geschafft habe, ist es ein Erfolgserlebnis das mich eventuell zu mehr motivieren und der Anfang vom Ende des tiefen Lochs sein könnte 🙂

Doch jetzt gehen wir erst mal schnell ein Kinderfahrrad für unser Bambinchen anschauen, um es je nach Zustand direkt zu kaufen. 45 € für ein gut erhaltenes Puky… bei den Angeboten die ich in den letzten Wochen gesehen habe, ist das ein super Preis 😉

Einen wunderschönen Tag wünscht

lena