Die Angst vor den Menschen.

Ich habe mich getraut und meine langjährige Freundin I. zu uns eingeladen. Befreundet sind wir seit bald 11 Jahren und sie gehört zu den Menschen, die unter meiner „Menschenscheuheit“ bisher am Meisten gelitten haben. Oft habe ich es versucht, mir immer wieder vorgenommen es dieses mal durchzuziehen und dann doch wieder abgesagt. Gerade geht es mir nicht anders und ich kämpfe schwer damit den Plan umzusetzen und es dieses mal tatsächlich zu einem Treffen kommen zu lassen. 

Es ist nicht so, dass ich meine Freunde nicht gerne habe, im Gegenteil, doch der direkte Kontakt überfordert mich jedes mal sehr. Je näher der Tag kommt, desto mehr läuft in mir ab – von Angstanfällen, über Heulattacken und das Gefühl keinen weiteren Tag zu überstehen, ist alles dabei. Ganz besonders wenn ich die Person schon länger, oder nicht besonders gut kenne.

Doch jetzt habe ich mir fest vorgenommen keinen Rückzieher mehr zu machen und hoffe einfach, dass der Tag mich davon überzeugen kann es nicht nur alle paar Jahre zu versuchen.

So RICHTIG gesehen haben wir uns zuletzt vor bald 4 Jahren. Dazwischen waren wir zwar mal kurz bei ihr, was aber ziemlich unterging und auch schon wieder 3 Jahre her ist… dabei trennen uns gerade mal 100 – 130 Kilometer, was wirklich nicht die Welt ist.

Doch auch, wenn das Vorhaben so fest ist und ich mir sicher bin das Richtige zu tun, macht es mich fast wahnsinnig der Tatsache, dass sie kommt ausgeliefert zu sein.
Ich muss nach und nach lernen, Menschen und Gespräche im direkten Umfeld zu akzeptieren und nicht direkt in Panik auszubrechen, wenn jemand gefühlt in meine Sicherheitszone eindringt.

Ein paar Stunden werden mich nicht umbringen, egal wie sehr es sich danach anfühlt. Es wird weder mein Leben zerstören, noch mich zu Grunde richten, doch auch wenn mein Kopf das weiß, fällt es mir dennoch super schwer.

Wenn es unerwartet an der Haustür klingelt, meine Herkunftsfamilie aus welchem Grund auch immer mit mir sprechen möchte, jemand anruft oder mir aus dringendem Grund bei whatsapp schreibt… all das löst die Selbe Überforderung und inneren Angstgefühle aus, die ich bisher einfach noch nicht kontrollieren kann.

Ich bin Lena, ein Mensch voller Ängste und zwischenmenschlicher Schwierigkeiten.

6 comments

  1. Du bist Lena! Ein Mensch voller Mitgefühl, Liebe und Wärme. Ein Mensch, der unglaubliche Stärke zeigt! Nicht aufgibt! Trotz Probleme sich immer wieder aufrappelt. Leute, die es einfach haben/ hatten im Leben können vielleicht nicht verstehen, was es heißt Ängste und Probleme zu überwinden. Gegenan zu kämpfen. Aber ich sage dir: Hut ab!! Wahnsinn, was du alles schon geschafft hast. Ich bin mir sicher, dass du alle deine Ziele erreichen wirst! Du bist Lena! Wunderbar und bewundernswert!

  2. In einigen Facetten kenne ich das gut. Zwischenmenschliches, das einen so überfordert. Wir gehen halt kleinere Schritte als andere, aber wir gehen sie! Fühl dich umarmt.

  3. Ich kann auch vieles gut verstehen. Haustür- und Telefon-Angst. Wie oft „stelle ich mich tot“, erstarre und gehe nicht dran/hin. Die meisten Wissen auch, dass ICH NICHT TELEFONIERE / keinen unangekündigten Besuch möchte. Ich hab gelernt, das anzunehmen. Es gibt Punkte, die sind einfach zu schwierig fuer mich, um sie anzugehen. Die beiden gehören dazu. Und das ist ok.

    1. Bei mir ist es inzwischen auch bekannt, dass ich mich häufig tot stelle und man es gar nicht erst versuchen braucht, mich anzurufen oder unerwartet zu klingeln.
      Aber so manch anderes sollte sich in Zukunft ändern, schon alleine weil ich durch das Studium so viel mit Bambinchen alleine bin.

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