Die große Frage nach der Liebe

Der Kommentar der lieben nynoonana unter meinem letzten Beitrag über die Liebe hat mich zum  Nachdenken animiert und darauf gebracht, dass Liebe nicht gleich Liebe ist.
Es kam schon häufiger vor, dass mir gesagt wurde, aus meinem Handeln oder meinen Worten spricht sehr viel Liebe. Liebe die ich nicht fühlen, nachvollziehen, verstehen und empfinden kann. Doch wie fühlt sich Liebe überhaupt an? Ich habe es direkt mehrere Personen gefragt und sehr unterschiedliche Antworten erhalten. Doch in einem Punkt waren sich alle einig, man kann sie nicht beschreiben, die Liebe, man muss sie empfinden.

Empfinden, ein großes Wort.

Doch wenn niemand festlegen kann, wie sich die Liebe anfühlt, was man empfindet und wie es grundsätzlich ist… ja woher weiß man denn dann, dass das was man empfindet auch wirklich Liebe ist? „Man weiß es einfach„, bekam ich zur Antwort. Woher weiß ich denn dann, dass ER der Richtige ist und kein anderer? Dass ich mich nicht täusche und der Richtige erst noch kommen würde? Ein Schweizer Theologe (Hans Urs von Balthasar) sagte  „dazu“ einst :

Wir warten unser Leben lang auf den außergewöhnlichen Menschen, statt die gewöhnlichen um uns her in solche zu verwandeln.

Daraus schließe ich, dass wir Menschen viel zu viel Zeit mit der Suche nach dem Partner für´s Leben verbringen. Denn wenn ich mir die Zahl der Bevölkerung so ansehe, kann es nicht für jeden Topf den richtigen Deckel geben. Es sind Zufälle, wirklich große Zufälle, dass man sich auf dieser großen weiten Welt trifft und dann auch noch das selbe füreinander empfindet. Dass sich zwei völlig fremde Menschen begegnen und beschließen ihre Zukunft gemeinsam zu verbringen, zu einer Einheit werden und ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Für mich schon immer ein unvorstellbarer und nicht nachvollziehbarer Gedanke, vor allem wenn man bedenkt, dass das Wort, bzw. Gefühl das die beiden verbindet die Liebe ist.

„Die ist das Geheimnis der Liebe, dass sie solche verbinde, deren jedes für sich sein könnte und doch nichts ist oder sein könnte ohne den Anderen.“

Jeder könnte alleine sein, in der Liebe aber doch nicht ohne den Anderen. Dieses Zitat von Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling macht das Gefühl für mich schon ein klein wenig verständlicher. Ich habe kein kribbeln im Bauch, keine besondere „Liebes“-Sympahtie gegenüber dem Helden und auch sonst keine liebesähnlichen Symptome, doch ich möchte nicht ohne ihn sein – er gehört zu mir. Nicht das Gefühl der Liebe verbindet mich mit ihm, sondern die Gewissheit, dass wir zusammengehören, wie der Sonnenschein zum Regenbogen. Es ist nichts „besonderes“, da wir einfach eine Einheit sind, sich nichts speziell herauskristallisiert und die Sicherheit besteht, dass er bleibt. Er hat einen ganz selbstverständlichen Platz in meinem Leben, so dass ich automatisch alles mit ihm plane und ihn nicht erst noch dazu zählen muss. Ich weiß, dass er an meiner Seite ist und denke gar nicht weiter darüber nach, dass er es mal nicht sein könnte. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es das größte Kompliment, das ich einer Person machen kann – so selbstverständlich zu mir gehören, dass es einfach überhaupt nicht anders sein kann.

Doch ist Liebe dann überhaupt ein Gefühl? Was ist der Unterschied, zwischen der gefühlten und der nicht emotionalen Liebe?
Das Gefühl Liebe kann man, wie jedes andere Gefühl auch, nicht messen. Es gibt keine Messgeräte und jeder hat seine eigene Skala, wenn er angibt wie sehr er liebt. Sie lässt sich nicht vergleichen, da es stets ein subjektives Empfinden ist und Gefühle häufig täuschen können. Nicht jeder der meint verliebt zu sein, ist es letztendlich auch. Häufig ist es „nur“ eine Euphorie gemischt mit einer Menge Adrenalin, das Gefühl begehrt zu sein und schon gaukelt uns unsere Seele etwas vor. Vielleicht fühle ich sie deshalb nicht, die Liebe, weil sie zu unsicher und nicht greifbar ist.
Möglicherweise liebe ich aber auch und weiß es nicht, weil Liebe undefinierbar ist. Vielleicht ist es Liebe zu wissen, dass der andere zu einem gehört, vielleicht auch nicht.

Ich für meinen Teil möchte nicht ohne meinen Helden sein, auch wenn ich das Gefühl Liebe nicht spüre. Für mich gibt es objektive Gründe, weshalb wir zusammen gehören und eine Einheit bilden. Mancher mag es Liebe nennen, ein anderer Sicherheit oder die Geborgenheit bei Anwesenheit einer anderen Person.
Jahrelang habe ich darunter gelitten, wollte die selbe Liebe empfinden wie SO viele andere Mädchen auch. Ich dachte immer Liebe müsse und könne langlebig sein, man liebt den Anderen auch nach unzähligen von Jahren noch, wenn man den richtigen Partner an seiner Seite hat. Doch meine Erfahrung und mein Leben haben mir gezeigt, das die gefühlte Liebe schnelllebig und wandernd ist. Tritt das Gefühl bei der einen Person nicht mehr auf, erscheint es wieder bei der Nächsten. Dieses Gefühl gibt keine Sicherheit, ist nicht die Grundlage für eine glückliche gemeinsame Zukunft, in vielen Fällen allerdings der erste Stein der Basis.

Es ist meine Art zu lieben, dafür zu sorgen, dass es anderen Menschen gut geht. Auf die kleinen Kleinigkeiten zu achten, die im Alltag viel zu häufig vergessen werden und andere Menschen ein Strahlen in die Augen zu zaubern. Das ist meine Art, anderen zu zeigen wie wertvoll sie für mich sind, auch wenn ich es selbst nicht direkt empfinden kann. Der eine nennt es Liebe, ich nenne es „Lena´s Art zu lieben“.

4 comments

  1. Das hab ich selber immer gesagt.. „Wer nicht sucht, der findet.“ So haben ich und mein Freund uns ja ‚erst‘ nach 2 Jahren kennen ineinander verliebt- ohne, dass einer von uns jemals auch nur ansatzweise damit gerechnet hätte. Wie kam es zu stande? Man sah sich nach ca. einem halben Jahr wieder & beide hatten sich in der zwischenzeit von ihrem Partner getrennt. Er hat sofort Interesse an mir bekommen, hat mir sogar verschiedene Stufen des verliebtseins genannt, die er jetzt nach und nach erreichen würde (leider weiß ich die nicht mehr…) während es bei mir noch Monate gedauert hat, bis ich ebenfalls Gefühle entwickelt habe bzw. sie zugelassen habe, das triffts eher. Allerdings hat er auch nachdem wir dann zusammen kamen oft betont, dass er noch nicht ‚ich liebe dich‘ sagen würde, weil er es noch nicht so empfindet & sich das Gefühl immer erst im Laufe der Zeit entwickeln würde.
    Ich denke schon, dass das Gefühl der Liebe für jeden anders ist. Es bedeuter für mich, in guten und in schweren Zeiten da zu sein, den Partner immer zu unterstützen & den Rücken zu stärken, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, sich alles anvertrauen zu können & sich nicht schämen zu müssen, herumalbern zu können wie kleine Kinder, gerne auch mal Kompromisse einzugehen, Verständnis aufzubringen.. Die Bedürfnisse des Partners vor die eigenen zu stellen (nicht immer, aber so, dass es gerecht bleibt), nicht zu erwarten dass er perfekt ist- denn sowas gibt es nunmal nicht, gerade die Ecken, Kanten und Macken an ihm Person zu mögen, sich vorstellen zu können, eine Zukunft mit der Person zu führen & übereinstimmende Zukunftspläne. So sollte eine Beziehung in meinen Augen aussehen- allerdings teile ich genau diese Dinge auch mit meinen Freunden. Denn was wär man denn zB für ein Freund, wenn man sich nicht vertrauen würde und sich verstellen müsste? Das ist in meinen Augen dann auch keine Freundschaft. Es zu beschreiben ist wirklich schwer. Aber ich glaube, man ‚weiß‘ es dann einfach. Dass die Person zu einem gehört, wie du selber schon geschrieben hast.
    Ich hab mich früher oft von der mich liebenden Person abhängig gemacht, weil ich das Gefühl hatte, dass ich ohne die Person kein richtiges Leben mehr hätte.. da musste ich auch erst mit der Zeit lernen, dass man dazu durchaus in der Lage ist.
    Und deine Art zu lieben ist eine sehr liebevolle Art, Lena. 🙂

  2. Hallo Lena,
    ich finde, das hast du wirklich schön geschrieben. Man merkt, dass du dir viele Gedanken gemacht hast. Und ich bin der Meinung, so wie du schreibst ihn zu sehen – als einen nicht wegdenkbaren Teil deines Lebens, als jemand, auf den man sich absolut verlässt – klingt es sehr nach Liebe. Jede_r liebt anders und greifbar ist die Liebe nie:).
    Emma

  3. Ich seh es ein wenig wie du. „Wahre“ Liebe ist für mich recht unspektakulär. Deswegen unterscheide ich oftmals Verliebtsein/Verknalltsein und Lieben. Wir empfinden ja auch nicht nur Liebe für einen Menschen, sondern für mehrere, wenn man jetzt die eigene Familie, das eigene Kind mit einbezieht. Und da überlegen wir uns ja auch nicht die ganze Zeit, WIE es sich anfühlen müsste.

    Ich glaube auch, dass wir inzwischen sehr davon beeinflusst werden, wie Liebe in Filmen oder Büchern dargestellt wird. Und wir dann davon ausgehen, dass SO die Liebe aussehen muss. Mit großen Gefühlen und großem Drama. Dabei wird ja meist nur die erste Phase dargestellt. Mit den Schmetterlingen im Bauch, der Sehnsucht, den Begierden, dem Verlangen – oftmals dank des körpereigenen Hormonspiels.

    Doch mit der Zeit geht diese emotionale Achterbahn meist vorbei. Alltag kehrt ein. Und viele suchen sich dann den nächsten „Hormonkick“, anstatt sich mal anzuschauen, in welche Form der Liebe sich das „Verliebtsein“ entwickelt hat. Und Liebe bedeutet für mich auch, dass man an der Beziehung arbeitet, an sich und seinem Verhalten. Denn wie du schon sagst, es sind die kleinen Dingen, die die Wertschätzung zeigen.

    LG, M.

  4. Ich glaube, wenn man anfängt, ein Gefühl zu erwarten und es sich vorzustellen, wird man es nie fühlen können – und verpasst dabei das eigene Liebesgefühl. Denn wie Du schon sagtest, Liebe ist in meinen Augen für jeden selbst definierbar. Wo ich mich durch viel Unterstützung geliebt fühle, brauchen andere dafür die körperliche Nähe und können ihre Liebe auch nur so zurückgeben.
    Nehmen wir die verschiedenen Arten der Beziehung: viele leben monogam in einer Ehe, andere brauchen eine offene Beziehung und freie Liebe. Diese Menschen lieben ihren Partner meiner Meinung nach aber genauso stark wie der monogame Partner.

    Liebe allgemein bedeutet für mich, dass man am Ende des Tages immer zu demjenigen zurückkehrt, mit dem man sein Leben teilen möchte. Der einem Sicherheit, Halt und Verständnis entgegenbringt und sich selbst zurücknimmt, damit der Partner glücklich ist.
    Die „Nebenkonditionen“ werden dann von jedem Paar selbst bestimmt 🙂

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