Ein liebes Wort zur rechten Zeit…

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… hat verhütet schon manch Herzeleid!

Dieser Satz hat mich meine Kindheit, meine Jugend und eigentlich mein ganzes Leben über begleitet. Bei jeder passenden Gelegenheit hat meine Oma ihn wiederholt, dass wir ihn auch wirklich nicht vergessen. Vor allem seit sich mein Opa vor 1,5 Jahren unerwartet auf den Weg in sein neues himmlisches Zuhause gemacht hat, liegt es ihr sehr am Herzen, dass wir sorgsam miteinander umgehen. Sie würde sich ohne Ende ihren Kopf zerbrechen, wenn sie wüsste welche Probleme momentan zwischen dem Helden und mir existieren. Die letzten Jahre haben deutliche Spuren hinterlassen, viel kaputt gemacht und auch wenn wir immer zusammengehalten haben, dafür gesorgt dass wir uns auseinander gelebt haben.
Der Unfalltod meines Schwiegervaters, die harte Schwangerschaft, Elijha, die Erkrankungen, der Kontaktabbruch zu seiner Familie, erfolglose Kinderwunschbehandlungen und zuletzt der Start in seinen neuen & somit letzten Ausbildungsabschnitt. Um der ganzen Situation ein wenig Spannung zu nehmen, könnte man es auch einfach auf das verflixte 7. Jahr schieben, in dem wir uns momentan befinden. Es macht mich unendlich traurig ihn so leiden zu sehen und selbst Ehe-Liebeskummer zu haben. Ich wünschte ich könnte einmal mit den Fingern schnippen und alle Probleme aus der Welt schaffen, doch das ist leider nicht so einfach. Wir haben in den bald 7 Jahren sehr viel gemeinsam durchlebt, ausgehalten und zusammengehalten, doch man merkt die verlorene Vertrauensbasis sehr. Es ist als stünde eine kalte Mauer zwischen uns, die immer wieder mal vergessen wird und anschließend von einer Sekunde auf die andere erneut zwischen uns steht.

Mein Held kann nicht damit umgehen, dass meine Erkrankungen schlimmer wurden, neue dazu kamen und es mir häufig nicht gut geht. Wer kann es ihm auch verübeln, musste er seine Frau in den letzten Jahren doch immer wieder neu kennenlernen, auf Intimitäten verzichten und machtlos mit ansehen wie ich einen Tiefpunkt nach dem Anderen durchlitten habe. Das ewige auf & ab, der stetige Wechsel, die fehlende Sicherheit… ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist damit umzugehen, auch wenn ich natürlich am Liebsten sagen würde, dass ich keinerlei Schuld trage 😉
Ich brauche unheimlich viel Ruhe und mich erschöpft ein Tag mit klein Bambi so sehr, dass ich wenn er nach Hause kommt einfach nur noch aus dem Schussfeld möchte. Er hat das Bedürfnis zu reden & Zeit mit mir zu verbringen und ich habe das Verlangen nach ungestörter Ruhe. Er ist der größte Chaot überhaupt und ich brauche meine Ordnungen und Strukturen. Mich überfordert es ungemein ihm alles hinterher zu räumen und sieht die Aufgaben im Haushalt einfach nicht. Er fühlt sich ungeliebt und ich kann das Gefühl „Liebe“ nicht wirklich empfinden, verstehen und nachvollziehen. Unsere komplette Situation ist so verfahren, dass ich häufig keinen Ausweg sehe. Doch ich habe mich dazu entschieden ihn zu heiraten, ihm treu zu sein und die Frau an seiner Seite zu sein.

Ich glaube ein großes Problem unserer Generation ist es, dass wir viel zu schnell aufgeben. Wir arbeiten zu wenig an unseren Beziehungen, weil das ganze Leben eine Karusselfahrt ist und Scheidungen zur Tagesordnung gehören. Doch ich möchte keiner dieser Fälle sein, die es bereuen zu früh aufgegeben zu haben. Eine Ehe ist nicht einfach nur ein Zustand, sondern Arbeit an sich selbst und dem Miteinander, auch wenn es für einen selbst bedeutet auch mal Kompromisse einzugehen. Ich werde ihm vielleicht nie die Liebe schenken können, die er sich wünscht und verdient, doch ich kann versuchen auf die ganzen kleinen liebevollen Kleinigkeiten im Alltag zu achten. Man kann nicht alles klären, indem man darüber spricht, vieles zerredet man dadurch und wenn es immer und immer wieder der selbe Brei ist, macht man es damit nur noch viel schlimmer. Ihn kann ich nicht verändern, doch ich kann an mir selbst und meinen Reaktionen arbeiten. Wenn er im Gegenzug daran arbeitet nicht alles auf sich persönlich zu beziehen und ein wenig auf seine Unordnung achtet, haben wir den ersten Schritt geschafft und können einen Blick in die weit entfernte Zukunft wagen. Doch nun muss ich ihn erst mal ein wenig auffangen, aufpäppeln und mit „Liebe“ überschütten. Auch wenn ich momentan ganz schön verletzt bin ist es doch so, dass der Andere genau dann die Liebe und das Mitgefühl am Meisten braucht, wenn man es ihm am wenigsten schenken möchte. Vielleicht ist das der Punkt, der uns Dickköpfen am schwersten fällt & einer muss bekanntlich den Anfang machen, doch wer weiß, vielleicht macht er dann irgendwann auch ein paar Dinge wieder gut an denen ich schwer zu tragen habe.
Vielleicht, vielleicht, vielleicht… nein ganz sicher sogar 🙂

Ein liebes Wort zur rechten Zeit…. und damit mache ich mich direkt an mein Handy um ihm ein paar liebe Worte zukommen zu lassen.

2 comments

  1. Als ich laß, du könntest das Wort „Liebe“ garnicht so nachvollziehen, wusste ich genau was du meinst! Mir geht es so mit meinen Kindern. Natürlich liebe ich sie, aber ich glaube, dass es bei mir anders ist als wenn ich die Liebe von anderen Menschen sehe.
    Dennoch finde ich, dass du genau mit diesen Gedanken, die du hier schreibst, unendlich viel Liebe zeigst. Nicht aufgeben zu wollen, so gut zu reflektieren und dir selbst gegenüber so ehrlich zu sein, das sind die besten Vorraussetzungen.

    Ich wünsche euch alles Gute und Gottes Segen für eure Ehe! <3

  2. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell sich die Meinung zur Ehe doch verändert hat in den letzten Jahrzehnten. Wo es früher normal war mit 20 zu heiraten, wird man heute mit fast 25 schief angeschaut. Dabei hat Liebe und eine gute Ehe doch nichts mit dem Alter zu tun.
    Ich finde, eine Beziehung einzugehen bedeutet, jeden Tag aufs Neue Kompromisse eingehen zu müssen, sich jedoch genauso jeden Tag gerne dafür zu entscheiden. Man muss ja immerhin zwei Persönlichkeiten unter einen Hut bringen, da kann nicht einer seine Naht durchziehen und erwarten, dass der Partner es einfach mitmacht.
    Viele erwarten meiner Meinung nach so oder so viel zu viel vom Partner. Dieser erfüllt die Erwartung nicht, also wird ein anderer gesucht, den man sich zum Traummann/zur Traumfrau formen kann.
    Ich möchte das so auf keinen Fall und finde es daher wunderbar, dass ihr an eurer Beziehung arbeiten wollt; gerade weil ihr schon so viel erlebt und gemeinsam gemeistert habt.
    Es wird tatsächlich tägliche Arbeit werden, doch wenn ihr an euch glaubt und es wollt, werdet ihr es schaffen! Du weißt ja, vertraue dem Schicksal oder der höheren Macht 😉

    Ich hab euch unendlich lieb und freu mich riiiesig euch baaaald endlich wiederzusehen *:* :-*

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