Ein schwerer Abschied

Ja, es war ein harter Abschied, auch wenn es sich materiell gesehen nur um ein Handy handelt. Mein gutes altes weißes iPhone, das nun eine neue unglaublich stolze Besitzerin hat. Lange Zeit lag es unbenutzt bei mir & ich habe meiner Schwester immer wieder versprochen mich endlich darum zu kümmern. Immerhin hatte sie sich schon soooo lange darauf gefreut. Doch so einfach war es nicht und auch wenn ich momentan versuche meinen Blog aus den „privaten Angelegenheiten“ rauszuhalten, ist es ein sehr wichtiges Thema für mich.

Dieses Handy hat mich beinahe durch die komplette Schwangerschaft und die Zeit danach begleitet. Sämtliche Gespräche und SMS-Konversationen mit Elijha liefen darüber und somit war es eine Schatzkiste der Erinnerungen an die ich mich nicht erinnere. Die wichtigsten Nachrichten waren leider längst gelöscht, da mein Held damals auf keinen Fall etwas falsches lesen durfte… dennoch kann man viel aus den vorhanden Gesprächen lesen. Viel Druck, Ärger weil ich mich „falsch“ verhalten habe und grundsätzlich jede Menge psychischer Stress.
Bisher konnte ich mich nicht dazu überwinden diese kleine technische Schatzkiste zu verschenken & somit einen Teil meiner Geschichte aus der Hand zu geben. Doch nachdem das Handy meiner Schwester vor ein paar Tagen kaputt ging konnte ich sie einfach nicht traurig sehen und machte diesen (für mich wirklich schweren) Schritt. Eine liebe Internetfreundin (danke J. <3) hatte für mich verschiedene Programme ausprobiert, mit denen man SMS vom Handy auf den PC speichern kann, da ich zuvor sogar eins gekauft hatte, welches trotzdem nicht funktionierte. Ihre Hilfe hat mir mein „seelisches Leben“ gerettet und somit konnte ich mir die Erinnerung immerhin ein wenig erhalten.

Vielleicht wäre es besser zu vergessen und all das schon „vergessene“ ruhen zu lassen, doch das kann ich einfach (noch) nicht. Ich bin zu getrieben, möchte wissen was genau vorgefallen ist… meine Reaktionen nachvollziehen können und irgendwann in Frieden mit dem Thema abschließen. Auch wenn es viele wohl nicht verstehen können und ich die Meinung der Gesellschaft leider bitter kennenlernen musste, das ist nun mal meine Geschichte, mein Leben und mein Alltag. Ich erwarte nicht, dass man mein Verhalten und meine Seelenleben nachvollziehen kann, doch eine wertungsfreie Sicht auf Menschen wie mich wäre trotzdem schön…

Das Handy hat nun wieder etwas Öl ins brennende Feuer gegossen, da momentan kein Tag… nicht mal eine einzige Stunde vergeht, in der ich nicht an etwas denken muss, das mit ihm zusammen hängt. Wenn ich schlafe träume ich von ihm, von vergangenem und Situationen die sich übertragen lassen. Vielleicht fängt nun die Phase der Verarbeitung an, vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass er mich seit kurzem wieder ganz anders behandelt als die letzten Monate. Ganz sicher haben wohl auch die Gespräche mit meinem Psychologen damit zu tun, denn ich habe beim vorletzten Termin angefangen über ihn zu sprechen. Nicht darüber was alles war, nicht über die traumatischen Erlebnisse, nicht über die vergangene Zeit mit ihm… sondern ganz schlicht über das hier und jetzt. Die vielen Fragen, die Gedanken die mich scheinbar wahnsinnig machen wollen und die vielen Angstzustände. So schlimm, dass ich durch die Dissoziation nicht mal mehr in der Lage bin Auto zu fahren, meine Medikamente nicht mehr reichen und ich trotz erhöhter Dosis kaum noch schlafen kann.

Er ist immer noch da, gehört weiterhin zu meinem Leben und ist so unglaublich präsent, auch wenn ich ihn nun fast ein Jahr nicht mehr gesehen habe. Doch daran darf ich nicht denken, denn dann fehlt er mir. Er fehlt mir, obwohl er mir so viel angetan und so vieles zerstört hat. Es ist nicht verrückt, nicht schizophren, sondern einfach eine Reaktion meiner Seele auf ihn und unsere Geschichte. Und obwohl mein Held ihm gerne die ganze Schuld für alles geben würde, musste er letztlich selbst zugeben, dass es mit Elijha wohl niemals so weit & so schlimm gekommen wäre, wenn ich eine andere Vergangenheit gehabt hätte. Dann hätte er mich niemals so gezielt manipulieren, oder meine psychischen Störungen so sehr ausnutzen können. Allein deshalb hatte er so ein „leichtes Spiel“, immerhin wusste er genau wo er wie welche Knöpfe drücken muss, dass ich so funktioniere wie er es wollte. Nicht mal meine damaligen ernsthaften Suizidpläne, von denen ich ihm erzählte, weil ich all das nicht mehr ertragen konnte haben ihn aufgehalten. Er hat mich lediglich am Leben gehalten, mich und mein Baby. Und dafür bin ich ihm unendlich dankbar, denn einen ernsthaften Versuch hätte ich mir wohl niemals verzeihen können, immerhin trug ich ein neues Leben in mir. Ein unschuldiges kleines Menschenleben das nun mein Lebenssinn und Rettungsanker in der Not ist. Mein Ruhepunkt am Abend und der kleine Quatschkopp auf den ich mich schon freue, bevor ich einschlafe.

 

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