Emotionen, Erinnerungen, Erlebtes

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Heute wird unser kleiner Elf wahrscheinlich vom Perinatalzentrum in der Frauenklinik, auf die Intensivstation in der Kinderklinik verlegt werden. Bald 5 Wochen waren wir nun auf der „Erstaufnahmeintensivstation“, wo die meisten Kinder nur ein paar Tage bleiben. Viele Babys und Eltern haben wir kommen & gehen sehen, die ein oder andere Verlegung direkt mitbekommen und haben uns an das „medizinische Personal“ gewöhnt.
Eigentlich ist es ein toller Schritt, eine Station weiter… Station 1 von 3 lassen wir hinter uns und doch ist mir ganz wehmütig ums Herz. Wochenlang war er der Kleinste, bis heute ist er der Kränkeste im PNZ & die Verlegung findet nicht etwa statt, weil er nun der nächste auf der Liste ist und somit einen Schritt weiter aufsteigt. Nein, eigentlich hätte er noch ein wenig bleiben dürfen, doch in der Kinderklinik sind die Räumlichkeiten für eine Operation einfach besser und die wird er wohl bald schon an seinem Herzchen bekommen.
Die Nachricht kam gestern aus heiterem Himmel und prallte mit voller Wucht in uns hinein. Sorge, Trauer, Angst… von allem etwas und dann noch diese olle Melancholie.

Werfen wir einen Blick zurück, in den Räumen rechts habe ich 48 Stunden verbracht und unter Vollnarkose unseren wundervollen Sohn zur Welt gebracht. Dort habe ich geweint, gelitten, geschlafen und unbeschreibliche Gefühle erlebt. Die liebste Ärztin der Klinik hat sich lange um mich gekümmert, ich habe zum ersten mal offen meine Narben durch die „Welt“ getragen und gelernt zu ihnen zu stehen. Wir haben gehofft, gebangt, waren verzweifelt dem Aufgeben nahe, haben ein auf und ab der Gefühle und die größte Zerrissenheit der Gedanken überstanden. Ja, ich habe ganz offen Schwäche gezeigt, Hilfe angenommen & erlebt was Zusammenhalt bedeutet.
Nebenbei habe ich an mir gezweifelt, mich verurteilt, heimlich weitere Urinproben gestickst, Flashbacks und Panik bekommen und eine Vollnarkose überlebt. Habe den Kreißsaal 12 Stunden nach Geburt verlassen und mich bis heute nicht dem Erlebten gestellt.

Auf dieser Station, habe ich mitbekommen, wie ein Baby vom Kreißsaal ins PNZ gebracht wurde und bei meinem eigenen Kind alles verpasst. Dort habe ich unseren Sohn nach 18 Stunden zum ersten mal gesehen und bin geschwebt vor Glück. So klein, so schön, so wundervoll perfekt.
5 Tage lang habe ich gemotzt, geweint und mich im Internet ausgeheult, weil wir ihn insgesamt 1,5 Stunden sehen durften. Nach 7 Tagen konnte ich 3 Stunden meine Tränen nicht stoppen, wurde von der Leitung aufgesammelt und getröstet. Über 3 Wochen war das Begleitzimmer, das Stillzimmer, der Flur, das Treppenhaus mein zweites zu Hause.
Schwestern & Ärzte kennen mich beim Namen, Hausangestellte können mich meinem Zimmer zuordnen und selbst unter dem Mundschutz werde ich erkannt. Wir haben unzählige Papiere unterschrieben, zwei Transfusionen zugestimmt und mich bei 40 Fieber und beidseitiger Mastitis auf eigene Verantwortung entlassen.

Unzählbar viele Erinnerungen, Emotionen und Erlebnisse später, werden wir die Klinik verlassen und erst mal nicht erneut schwanger betreten.
Als würde ich einen Teil unserer Geschichte zurück lassen, als hätte ich die Chance des Aufarbeitens verpasst. Als würde etwas fehlen, das ich in der Nähe des Kreißsaalbereichs zurück lassen muss. 

4 comments

  1. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir sagst, das jetzt grad nicht die Zeit zum Aufarbeiten ist. Das heißt du schiebst den bewussten therapeutischen Abschied erstmal noch zur Seite. Bis es dem Elfen besser geht und er vielleicht schon zu Hause ist. Du wirst sicher nochmal dahin. Nur grad nicht jetzt. Alles gute!

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