Er meinte, dass er mir nicht zu nahe treten möchte

Bildschirmfoto 2014-09-04 um 17.46.54Nun ist es offiziell! Mein Führerschein ist weg, die Fahrerlaubnis erloschen und aus dem Verkehrszentralregister gelöscht.
Da ich die freiwillige Verzichtserklärung unterschrieben habe und erneut ohne Aufforderung dort war, wurden mir weitere 50 € erlassen, die unter Punkt 3 vermerkt waren.
Insgesamt war ich ca. 1 Stunde bei dem Leiter der Führerscheinstelle, der mir nun auch alles sehr geduldig erklärt hat. Es gibt wohl mehrere Möglichkeiten, von einem Klassenbeschränkten, über einen Geschwindigkeitsbegrenzten, bis hin zu gar keinem Führerschein und ich falle in die letzte Gruppe. Mein Gutachten lässt ihm keine andere Wahl und wenn ich die Verzichtserklärung nun nicht unterschrieben hätte, wäre er mir amtlich und mit Vermerkt im Zentralregister entzogen worden. So gilt es nun als freiwilliger Verzicht, weil ICH sage, dass ich aus welchen Gründen auch immer momentan nicht fahren kann und nicht als Entzug aufgrund der von außen festgelegten Fahruntüchtigkeit. Somit gibt es das Gutachten zwar, ist aber nicht der offizielle Grund.
Grundsätzlich kann ich den Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis jederzeit stellen, dieser kostet 144 € + das Führungszeugnis und ist dann gerade mal 1 Jahr gültig und macht nur Sinn, wenn ich mir sicher bin ein positives Gutachten zu erhalten. Innerhalb dieses einen Jahres kann ich zwar so oft zum TÜV wie ich möchte & Termine bekomme, doch da es jedes Mal um die 500 € kostet ist es nicht finanzierbar. Und sind wir mal ehrlich, ich mache mich damit auch ziemlich lächerlich.
Die vielen Anspielungen auf die Medikamente im Gutachten spielen für das Landratsamt überhaupt keine Rolle, da im Schlusssatz Erkrankungen und Einschränkungen genannt werden. Das süchtigmachende Beruhigungsmittel wird „nur“ als weiterer Punkt in Klammern genannt und fällt somit fast unter den Tisch. Ich werde nach FeV Anlage 4 untersucht und falle direkt in mehrere Bereiche :-/

Der Mann hat mir letztendlich wenig Hoffnung gemacht, dass ich meinen Führerschein relativ schnell wieder bekomme. Denn selbst wenn ich gesundheitlich stabil bin, bleiben noch Medikamente die ich nicht einfach so absetzen kann und die sich negativ auf die Fahreignung auswirken könnten. Setze ich die Tabletten ab, bin ich auf allen Gebieten zu instabil um fahren zu können oder dürfen. Somit begebe ich mich auf sehr dünnes Eis und verliere mit Pech noch viel viel mehr Geld.
Nun muss ich mich also entscheiden, ob ich weiterhin zu Ärzten gehen werde und auf eine Besserung hoffe, wodurch ich meinen Führerschein allerdings nicht wieder bekommen werde. Oder ob ich so weiterleben möchte wie vorher, dafür einen Führerschein habe und nicht mehr angebunden bin. Die Folge davon wäre, dass ich mein Kindergeld, meinen Behinderungsgrad und somit den Nachteilsausgleich verlieren werde. Ich müsste mich also rein theoretisch als arbeitsfährig einstufen lassen und dürfte keine Hilfen in Anspruch nehmen, da ich beim TÜV sonst direkt wieder mehrere Punkte erfülle.

Wir hängen gerade also ziemlich in der Schwebe, denn wir wissen nicht, wie wir das Studium des Helden schaffen sollen und ohne meinen Führerschein wird alles noch ein wenig unmöglicher. Eine Lösung gibt es immer und ich bin mir sicher, dass wir auch einen Weg finden werden, mit dem wir alle einigermaßen leben können, doch gerade ist es einfach etwas viel was da auf uns einprasselt.
Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit den TÜV davon zu überzeugen, dass ich wirklich nur fahre wenn ich dazu in der Lage bin, doch da es um das Allgemeinwohl geht und mein persönliches Interesse hinten ansteht sehe ich da eher schwarz.
Der Sachbearbeiter meinte auch, dass er mir nicht zu nahe treten möchte, sich mein Zustand innerhalb des einen Jahres aber ja drastisch verschlechtert hat und ich doch auch die Situation mit dem Führerschein mit meinen Ärzten besprechen sollte. Dann sollte ich mir nun wohl einen Arzt suchen, der sich auch dafür interessiert was ich sage.

8 comments

  1. Wir haben unseren Führerschein auch ‚freiwillig‘ abgegeben. Es war lange ein seltsames Gefühl, aber mittlerweile können wir damit ganz gut umgehen und haben uns so organisiert, dass es ohne Auto geht. Zu den meisten Terminen werden wir von Betreuern gefahren. Aber wir versuchen auch immer die ein oder andere Fahrt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zu machen. Hier in unserer Stadt geht das meistens akzeptabel. Aber in anderen Städten oder auf Buslinien, die wir nicht kennen, ist es schier unmöglich.

    Wünschen dir eine Lösung, die für dich gut ist.

    1. Muss man denn mit einer diagnostizierten DIS (ich hoffe ich liege da jetzt nicht falsch…) grundsätzlich auf den Führerschein verzichten?
      Hier ist gerade so viel im Umbruch und trotz jahrelanger Therapie sind wir unsicherer denn je. Mit einem Arzt der sagt „eine DIS sehe ich bei Ihnen nicht, für mich haben Sie eine Borderline Persönlichkeitsstörung von mir aus mit dissoziativen Anteilen. Aber Diagnosen bringen Sie nicht weiter“ Grund dieser Diagnose? Einzig und allein die Frage „Verletzen Sie sich?“, wobei ich aber nicht komplett unter SVV leide sondern nur Teile.
      Sollte wohl einen Arzt suchen der mehr als 5 Minuten pro Termin hat.

      Nun weiß ich nicht mehr, ob offizielle Diagnosen nicht doch nur Ärger bringen. Aber auf der anderen Seite bekommt man ja auch nur so die notwendige Unterstützung.

      Öffentliche Verkehrsmittel funktionieren gar nicht. Bekannte Strecken gehen zwar mit sehr sehr viel Mühe, doch auf dem Land haben wir so oder so schlechte Verbindungen.

      Danke & alles Gute Euch 🙂

      1. Nein, weder mit DIS noch DSNNS muss man generell den Führerschein abgeben. Wenn aber etwas vorgefallen ist (z.B. man hat einen Unfall verursacht oder die Polizei hat dich ‚verwirrt‘ im Auto vorgefunden), ist der Führerschein weg. Ihn dann wieder zu bekommen ist meistens eine riesige Tortur.

        Was Ärzte angeht, so haben wir hier eine Hausärztin, die alles verschreibt. Die Diagnose wurde in einer Klinik gestellt. Und der Neurologe ist nur dazu da,die Medikamente niedriger zu dosieren.

        Es gibt leider immer noch viele Ärzte, die DIS/DSNNS anzweifeln, obwohl es eine anerkannte Diagnose ist. Das zu ändern ist eines der Ziele der Interessengemeinschaft Der Bunte Ring.

        Wir sehen die Diagnosen im Übrigen ’nur‘ als Anerkennung von uns. Und eine Möglichkeit, sie Zweiflern um die Ohren zu hauen.

        1. Da der Führerschein nun eh schon weg ist, wird es so oder so schwer werden ihn wieder zu bekommen. Wobei es bisher lediglich auf Depression und komplexes PTBS läuft. Sollte die Ärztin weitere Diagnosen auf Arztbriefen sehen, dürfte ihr schnell klar sein, dass ich nach der Testung nicht nur verwirrt war & komplett neben mir stand, sondern sie nicht mich vor sich sitzen hatte. Das war auch ein großer Punkt im Gutachten.

          Ursprünglich wollte ich offizielle Diagnosen auch nur für mich, weil ich mich selbst einfach nicht ernst nehmen kann & weil ich mich in allen Punkten ernst genommen fühlen will.
          Bisher lief die Erwerbsfähigkeit über körperliche Erkrankungen, die auch nicht jeder von uns hat, doch da ich es seit einem Jahr zu keinen Ärzten mehr schaffe und bald eine Nachprüfung ansteht komme ich langsam ein wenig in Zugzwang.

          Weißt Du zufällig ob es Probleme mit dem Jugendamt geben kann, wenn es offiziell wird? Mit Bambina klappt es im Gegensatz zu allem anderen wirklich gut, ich schaffe es sie fast immer an erste Stelle zu stellen & wenn ich ins Kind falle, habe ich hier genug Familie die sie spontan nehmen kann. Oder wir spielen einfach zusammen. Aber wer mich nicht kennt sieht ja nur die Diagnosen.

          Danke für Eure Antworten!
          Momentan weiß ich nicht wen ich fragen sollte…

          1. Wir kennen einige Multis, die Kinder haben – wir selber ja auch – und nur bei den Wenigstens gibt es Schwierigkeiten mit dem Jugendamt. Diejenigen, die da „Schwierigkeiten“ bekommen haben, sind allerdings auch welche, die kaum bereit sind Hilfe an zu nehmen.

            Wir haben uns halt im Vorfeld bereits so organisiert, dass das Jugendamt eigentlich komplett aussen vor bleibt. D.h. wir haben für uns eine engmaschige Betreuung sicher gestellt.

            Wir haben eine Betreuerin die uns im Haushalt hilft und zwei Betreuerinnen, die Fahrdienste machen sowie Freizeitangebote mit uns und unserem jüngsten Sohn durchführen. Dazu wird einen Vormittag die Woche ein Kreativ-Angebot genutzt. Unsere Ergo- und Shiatsu-Tante ist jederzeit für uns da und dann noch der Psycho-Thera. Und wir haben dafür gesorgt, dass auch die Ehefrau psychotherapeutisch betreut wird.

            Als das Jugendamt aufgrund der Anforderung eines Gutachtens mal bei uns waren, haben sie gesagt, dass sie selten einen so liebevollen und herzlichen Umgang mit den Kindern gesehen haben. Dementsprechend stand im Gutachten auch drin, dass „die Kinder hervorragend ver- und umsorgt werden“.

            Wenn du ansonsten Austauschbedarf mit anderen DIS/DSNNS’ler hast, kann ich dir unser Forum anbieten: http://forum.dieweltenreisenden.de/

            Es ist zwar nicht ganz so leicht Zugang dort zu bekommen, da wir sehr auch eine gesicherte Umgebung achten, aber das könnten wir dann per E-Mail / Telefonisch abklären.

            Viele Grüsse,
            Wir 🙂

  2. Ach Mensch, das sind ja keine so tollen Neuigkeiten, aber ich finde es so toll, dass Du schreibst, es gibt immer irgendwie einen Weg. Dass Du den Mut nicht verlierst, auch wenn es grad echt nicht einfach läuft für Euch. Ich hoffe Du/Ihr findet einen Weg. Ich denke aber, dass Du nicht auf Deinen Status und die Hilfen verzichten darfst und trotz allem in erster Linie an Deine Gesundheit denken musst, auch wenn das kein leichter Weg ist. Aber ihr habt zusammen nun schon soviel erreicht, dass Euch das hoffentlich sich nur weiter bringt.
    Ich drück Dich, ich drück die Daumen dass es weiter geht mit guten Neuigkeiten und irgendwie einer guten Lösung für alles!
    Lieben Gruß
    Tanja

    1. Liebe Tanja,

      danke für Deine lieben Worte <3
      Ich denke Du hast Recht! Auch wenn noch ein paar Entscheidungen ausstehen & noch nicht für alles eine Lösung gefunden ist, kann und will ich meine Gesundheit nicht mehr strapazieren als zwingend notwendig. Ich möchte Bambina eine gute Mutter sein können und das sollte immer wichtiger sein.
      Sobald es Lösungswege und gute Neuigkeiten gibt, werde ich auf jeden Fall berichten.

      Alles Liebe
      Lena

  3. Ach Mann. Das hört auch nicht auf bei euch, was?
    Ohne Führerschein auf dem Land ist echt doof, aber was willst du machen. Ich hoffe ihr findet schnell eine Lösung mit der ihr alle klar kommt.

    Gute Besserung dir

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