[Gastbeitrag] Wochenbettdepression – Bin ich eine Rabenmutter?

Hallo meine Lieben,

ich bin froh und stolz Euch heute einen Gastbeitrag der lieben nynoonana zu einem sehr wichtigen Thema zeigen zu dürfen.
Obwohl viele Frauen nach der Geburt eine Postpartale Depression entwickeln, ist es weiterhin ein Tabuthema. Welche Frau gibt schon gerne zu, keine Muttergefühle zu haben? Einfach nur noch weinen zu wollen, obwohl man doch so glücklich sein sollte? Welche Mutter kann ohne schief angeschaut zu werden sagen, dass sie das Kind momentan am liebsten gar nicht hätte?

Keine, denn obwohl es weit verbreitet ist, wird man häufig direkt als schlechte Mutter abgestempelt, oder fühlt sich selbst schon so.
Habt den Mut es anzusprechen & Hilfe zu suchen/bekommen, denn es kann jede von uns treffen.

Nynoonana erzählt heute von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und wie sie den Weg aus der akuten Depression geschafft hat 🙂
Bitte LEST & TEILT diesen Beitrag, um möglichst viele Personen damit zu erreichen!



Wochenbettdepression –
Bin ich eine Rabenmutter?

 

Es ist ein Tabu Thema – die Wochenbettdepression, oder auch postpartale Depression genannt. Viele leiden daran, nur wenige wissen davon. Schnell kommt dann die Frage auf: Bin ich eine schlechte Mutter?

Die Geburt eines Kindes ist für jede Mutter eine große Herausforderung, ein Wirrwarr der Gefühle und Hormone, eine einschneidende Veränderung im Leben. Etwa ab dem dritten Tag gibt es die sogenannten ‚Heultage‘. Die meisten Mütter haben sich in der Schwangerschaft schon weitgehend informiert und wissen um diese eher schwierige Zeit, viele überrascht sie allerdings unvorbereitet. Im Volksmund werden junge Mütter als einfach nur weinerlich beschrieben, nichts weiter.

Was geschieht aber, wenn diese ‚Heultage‘ einen anderen Prozess auslösen? Die Wochenbettdepression hat ihre Wurzeln meist in dieser Zeit, nur wenige trifft es gleich im Anschluss an die Geburt. Anstatt nur ein wenig weinerlich zu sein, entwickeln die betroffenen Mütter vor allem Ängste. Diese Ängste manifestieren sich in der Ablehnung ihres Kindes. Die Mutter bangt um ihre eigene Existenz, sieht sich vom Kind bedroht, erkennt es als Auslöser und lehnt es daher ab. Unbehandelt kann eine postpartale Depression jahrelang anhalten. Die Mutter-Kind-Bindung ist nicht möglich und die Bindungsfähigkeit des Kindes kann sich nicht positiv entwickeln.  Doch depressive Mütter gelten als Rabenmütter. Sie machen sich Vorwürfe, weil sie sich einreden ihr Kind nicht zu lieben. Daher kommt noch die Angst sich Hilfe zu suchen dazu, die Angst verurteilt zu werden und sich seinen Ängsten stellen zu müssen.

Es ist an der Zeit für Aufklärung. Aufklärung in der Schwangerschaft und im Wochenbett. Ärzte, Hebammen, Schwestern sind gefordert sich intensiver um das seelische Wohlergehen von Müttern zu kümmern und frühzeitig zu handeln, wenn sich eine Depression anbahnt.


Zu meiner Geschichte:

Nach der Geburt meines Ältesten (Übertragen, Einleitung, Dauer-CTG, 42 Stunden Wehen und letztlicher Not-Kaiserschnitt) wollte ich vor allem eins: Abstand! Und meine Ruhe! Gleich nach dem Aufwachen aus der Narkose, wollte ich mein Baby nicht haben. Als es mir einfach auf die Brust gelegt wurde, erfuhr ich einen kurzen Moment des Glücks. Aber das war es auch schon. Ich gab mein Kind noch am gleichen Tag meinen Besuchern in die Runde, um es möglichst viel nicht selbst halten zu müssen. Höchstens für Fotos. Als dann auch der letzte Besucher ging, legte ich mein Baby in seinen ‚Babykasten‘ neben mir und wollte ihn nur beobachten. Legten ihn mir die Schwestern auf die Brust, nahm ich nach ein paar Minuten lieber die Schmerzen der frischen Kaiserschnittwunde beim Aufrichten auf mich, um ihn weg zu legen, als ihn bei mir zu behalten.

Außerdem langweilte ich mich schrecklich im Krankenhaus und wollte baldmöglichst nach Hause. Einen Tag früher als empfohlen wurde ich dann entlassen. Ich kam in unsere Wohnung hinein, gab das Baby dem Papa und fing an zu putzen. Unter wirklich starken Schmerzen. Aber alles war besser als das mittlerweile unaufhörlich schreiende Kind im Wohnzimmer trösten zu müssen. Was hatte er überhaupt? Waren doch genügend Leute da, die ihn hin und her schaukeln konnten. Ich wollte nur Ruhe.

So ging es eine Weile weiter. Nicht immer ganz so krass, aber im Prinzip wollte ich immer nur Ruhe vor meinem Baby. Ich schlief viel. Mein Baby war dabei so weit weg wie möglich. Und wagte er es mich zu wecken, war ich unglaublich sauer und genervt. Dennoch habe ich ihn gern beobachtet und gern hübsch angezogen. Ich habe unzählige Fotos von ihm gemacht. Immer schön aus der Distanz.

Ich wollte diese Gefühle nicht! Ich fühlte mich schlecht dabei, wenn ich solche negativen Gedanken hatte, aber ich konnte nichts daran ändern. Auch wenn ich heute manchmal genervt bin von meinen Kindern (steinigt mich ruhig, aber das ist AB UND AN ganz normal), bekomme ich sofort ein schlechtes Gewissen, weil ich mich an diese Zeit zurück erinnert fühle.


Eine Wochenbettdepression ist eine lebenslange Aufgabe.

Nur die wenigsten schaffen es ganz davon ‚geheilt‘ zu werden. Vor allem die erste Babyzeit, in der man sich kennenlernt und die Bindung festigt, die bringt einem keiner mehr zurück und wird immer für ein schlechtes Gewissen sorgen.

Aber es gibt Mittel und Wege damit umzugehen. Sich von seinen negativen Gedanken zu befreien, die neue Rolle als Mutter und das Kind selbst anzunehmen ist nicht mal unbedingt so schwer. Es kommt sicher darauf an wie schwerwiegend die Depression ist, wie früh sie erkannt wird (und ob überhaupt) und welche Hilfe man bekommt.

Als ich erkannte, dass ich ein Problem habe, sprach ich dies bei der Nachsorgeuntersuchung bei meiner Ärztin an. Ich hatte in der Schwangerschaft eine Hebamme für überflüssig gehalten (welch unverzeihlicher Fehler!) und so kümmerte sich meine Ärztin nun um eine Familienhebamme für uns.

Die Dame war auch ganz nett, aber sie sagte ständig Termine ab oder kam so spät, dass ich schon keine Zeit mehr hatte (oder haben wollte).

Ein unverständliches Verhalten bei so einer akuten Diagnose. Wäre ich nicht eine Person, die sich selbst gut reflektieren kann und gerne eigenständig an sich arbeitet, ich wäre wahrscheinlich niemals den Depressionen entkommen.

Also habe ich mir Unmengen an Fachliteratur besorgt, mir Pläne geschrieben wann und wie ich meine Zeit mit Baby gestalten will, mich immer wieder selbst ermahnt, wenn ich ihn in diesen Zeiten zur Seite gelegt habe und so haben wir uns nach und nach angenähert. Nach ein paar Monaten schien wieder alles okay. Aber mein Gefühl hat mir erst kurz nach seinem ersten Geburtstag, als ich eine längere Weile von ihm getrennt war, gesagt, dass ich nun endlich eine richtige Mutter bin.

Den Weg es alleine zu schaffen, empfehle ich aber natürlich niemandem. Daher werdet ihr von mir auch keine genaueren Tipps bekommen. Wenn ihr selbst betroffen seid oder jemanden kennt, sucht euch dringend zuverlässige Hilfe. Und besteht darauf, dass ihr auch wirklich Hilfe bekommt.


Und zum Schluss noch ein Aufruf:

Tragt es in die Welt hinaus, dass diese Art von Depression gibt und es jeden treffen kann! Vermittelt Verständnis und keine Vorwürfe! Tragt dazu bei, dass diese Krankheit gesellschaftliche Anerkennung bekommt und kein Tabu mehr darstellt! Damit Betroffenen in Zukunft besser geholfen werden kann.

 

Anmerkung von Elfenhimmel:
Ich freue mich für nynoonana, dass sie es ganz alleine geschafft hat und finde es sehr traurig, dass sie mit dieser Diagnose allein gelassen wurde.
Leider passiert genau das viel zu häufig, selbst von Fachärzten werden Frauen teilweise einfach so weggeschickt. Wenn man erst mal allein gelassen wurde und von der ein oder anderen Person Ablehnung erfahren hat, möchte man sich nur noch einigeln und aufgeben. Doch genau diese Resignation führt nicht selten zu einer Manifestation der Erkrankung. Daher mein Rat

Sprecht darüber!
Erzählt es Menschen denen ihr vertraut und die Euch bei der Suche nach Hilfe unterstützen können. Eine gute Rückenstärkung ist manchmal mehr wert als jedes Medikament.

3 comments

  1. Ein wichtiges Thema, das viel zu oft tot geschwiegen wird. Mir hat sich mal eine gute Freundin anvertraut, dass es ihr bei ihrem ersten Kind auch so ging und sie auch gut 20 Jahre später immer noch Schuldgefühle hatte. Und das obwohl sie da auch von selbst „raus“ gekommen ist.
    Schade nur, dass bei nynoonana die Familienhebammen so panne waren. Es gibt auch welche, die einem richtig gut zur Seite stehen. Umso mehr meinen vollsten Respekt, dass sie alleine ihren Weg gefunden hat. Hut ab!

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