Leistenbruch mit Entlassungsplänen

Zum ersten Januarwochenende habe ich die erste Maschine mit Elfenwäsche gewaschen und klein Bambi hat fleißig dabei geholfen sie aufzuhängen. Um genau zu sein hat sie jedes Teil einzeln aus der Trommel genommen, ausgeschüttelt und ganz entzückt „Oooooh wie süüüüüüüß“ gerufen. Ganz besondere Hosen in 50 fand sie „gooooooldig“ & bei jedem 5. Kleidungsstück erklärte sie, dass das alles für ihren Bruder sei, der aber erst noch groß wachsen müsse.
„Groß wachsen und aufschnitten werden“ muss er, bevor er endlich nach Hause kommt. Der ET ist längst überschritten, Weihnachten und Silvester liegen hinter uns und für sie ist es schwer zu verstehen, warum ihr Bruder immer noch nicht bei uns sein darf. Doch wie soll sie auch etwas verstehen, das selbst für uns unendlich scheint.

Eigentlich standen alle Sterne auf Entlassung, denn zu Weihnachten wurde er zuerst den Sauerstoff und anschließend auch den Flow los. Der OP-Termin für den beidseitigen Leistenbruch stand und dann hätten nur noch die Medikamente abgesetzt werden müssen. So ein wundervoller Plan, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Die OP der rechten Seite war wegen der sehr großen Bruchpforte, durch die dauerhaft jede Menge Darm im Bruchsack war, so kompliziert & hat so lange gedauert, dass links nicht auch noch operiert werden konnte. So wurde die Freude, dass er direkt extubiert werden konnte am 30.12. durch eine erneut anstehende OP getrübt und ich verbrachte Silvester mit vielen Tränen. Obwohl ich schon auf Ende Januar eingestellt war, traf es mich hart, dass wir unseren Jungen noch mal in den OP-Saal schicken müssen, bevor er nach Hause darf. Erneut 14 Tage auf die nächste Operation warten, anschließend die Erholungsphase, Medikamente reduzieren und hoffen dass alles problemlos klappt.
Bis letzten Montag lebten wir in der Annahme, an diesem Tag den neuen Termin mitgeteilt zu bekommen und betraten dementsprechend gespannt das Klinikzimmer.

Zu erst sahen wir, dass unser Kämpferjunge nach 1,5 Tagen Pause doch wieder die Sauerstoffbrille im Gesicht hatte und seine Herzfrequenz bei 200 lag. Praktischerweise stand der Arzt gerade an seinem Bett und so konnte ich meine Fragen auch direkt loswerden, doch was ich dann zu hören bekam, machte mich im ersten Moment vollkommen sprachlos.
1. sollte plötzlich keine zweite OP mehr notwendig sein & 2. war die Reduktion seiner Medikamente trotz erneutem O2 Bedarf für den selben Abend angesetzt. Nachdem ich bei dem „Vertretungsarzt“ nicht weiter kam, ließ ich mir den Oberarzt schicken und alles genau erklären:

Der Hoden unseres kleinen Kämpfers befindet sich (wie ich schon vermutet hatte) nicht im Hodensack, sondern direkt in dem noch offenen leistenkanal. Eigentlich wandert er im Laufe der Schwangerschaft nach unten, woraufhin sich der Durchgang von alleine schließt. Für diesen ganz natürlichen Vorgang kam er aber viel zu früh zur Welt und auch jetzt haben sich die Hoden noch nicht auf den Weg gemacht. Rechts war dieser Durchgang vor der OP so groß und dominant, dass man den „Bruch“ einfach immer gesehen und links dafür kaum noch beachtet hat – es sollten ja eh beide Seiten operiert werden. „Bruch“ ist bei dieser kindlichen Version also eigentlich das falsche Wort, denn es bedeutet einfach nur, dass Darm o.ä. in einer Ausstülpung des Bauchfells (Bruchsack) durch den Leistenkanal rutscht. Genau das haben nun auch schon verschiedene Schwestern festgestellt und reponiert (zurück geschoben), allerdings vorzugsweise nachts, oder wenn kein Arzt in der Nähe war. Somit war es offiziell plötzlich nur noch ein Leistenhoden und kein Bruch mehr – erst wenn ein Arzt den Darm tastet, wird es wieder als Hernie definiert. Nun lag es also an uns, zu entscheiden, ob wir den inoffiziellen Bruch „ohne medizinische Notwendigkeit“ operieren lassen, oder mit dem Risiko nach Hause gehen, dass Darm einklemmen könnte.

Eine OP, die eventuell nicht nötig wäre, weil in den nächsten Monaten vielleicht nichts passiert wäre? Oder nach Hause gehen, vielleicht nicht merken, dass eventuell eine Darmschlinge einklemmt und abstirbt, was eine große Not-OP zur Folge hätte?
Eine Woche lang haben wir nun Tag für Tag an nichts anderes gedacht. Wer lässt sein Kind schon gerne operieren? Zumal er die letzte Operation nicht ganz so gut weggesteckt hat und keiner sagen kann, wie es nach einer weiteren wohl aussehen wird. Da uns allerdings schon auf Intensivstation von verschiedenen Schwestern gesagt wurde, dass sie den Bruch gesehen haben und die Ärzte das Kind deutlich seltener zu Gesicht bekommen,  haben wir uns nun für die OP entschieden. Würde der Hoden in den nächsten Monaten nicht von selbst nach unten wandern, müsste er so oder so operiert werden & nun wird beides direkt behoben, ohne Gefahr zu laufen, dass eventuell doch noch etwas schlimmes in seinem Bauch passiert.

Der leitende Oberarzt hat sich heute auch direkt um einen Termin gekümmert und laut Plan, ist er morgen in einer Woche dran. Sollte bei den Chirurgen vorher spontan ein Platz frei werden, wird unser Junge auch schon früher operiert und dann geht es ganz ganz bald nach Hause <3
Da wir nun eh noch ein wenig warten müssen, wird die Entlassung mit Monitor und Sauerstoff direkt in die Wege geleitet, so dass wir dann in ca. 2 Wochen nahtlos entlassen werden können. Ich bekomme mein Grinsen kaum noch aus dem Gesicht und könnte vor Freude die Welt umarmen, auch wenn ich mir wirklich noch nicht vorstellen kann, wie es dann zu Hause werden wird. Hach ist das aufregend *.*

6 comments

  1. Das ist doch wenigstens eine gute Aussicht und ich drück feste die Daumen, dass alles glatt läuft.

    Die kleine Schwester freut sich bestimmt genauso dolle wie ihr, hm?
    Hat sie ihn inzwischen mal direkt sehen können?

      1. Das ist toll. Da ist der kleine Bruder nicht mehr ganz so abstrakt für sie.
        Sie wird sicher eine gute große Schwester sein.

        Ich drück euch weiterhin die Daumen, dass der Kleine bald nachhause kommen kann.

  2. Och das sind tolle Neuigkeiten! Wir feiern am 14.01. unseren „nachhause-komm-Tag“ wir wurden auch mit Monitor entlassen. 😉

    Die OP wird der kleine elf noch gut wegstecken und dann könnt ihr euch erstmal zuhause an ein richtiges Familienleben zu viert gewöhnen. Diese Krankenhauspendelei ist der absolute Horror, gerade wenn man wie ihr schon ein großes Kind habt ist es bestimmt noch mal viel nervenaufreibender.

    Durchhalten jetzt! Baaaaaaaald ist es geschafft, ihr seid auf der Zielgeraden 😉

Sag mir Deine Meinung :)

%d Bloggern gefällt das: