Liebe Geschäftsführer… ein „offener Brief“!

Wir sind einkaufen und in jedem zweiten Geschäft bekommt jedes Kind etwas süßes an der Kasse. Sei es nun Traubenzucker, Gummibärchen, Lollys oder Bonbons – die Kinder merken es sich und wissen ziemlich bald ganz genau, wo sie für gewöhnlich etwas bekommen. Um genau zu sein, erklären sie einem auf dem Parkplatz schon, dass sie XY haben möchten und lassen sich nur vertrösten, weil die Gewissheit besteht, dass es an der Kasse in ihre Hand gelegt werden wird.
Doch was, wenn genau DAS nicht passiert und man ein weinendes Kind vor sich hat, das es einfach nicht verstehen kann?

Genau in dieser Situation waren wir letztens in einer bekannten Drogeriekette. Bambina war super überdreht, weil sie nicht damit klar kam, dass sie ihren Papa nun kaum noch sieht. Während ich die Einkäufe verstaut habe, hat sie sich einen Kinderschirm aus dem Ständer genommen und ist damit umher gerannt. Die Frau an der Kasse erklärte sofort, dass sie den nicht mitnehmen darf [ach nein? Das hätte ich jetzt nicht gewusst :-/] und während ich versuchte ihn ihr abzunehmen, nahm die Frau den noch an der Kasse liegenden Traubenzucker wieder zurück. Was passierte könnt ihr Euch sicher denken… genau, ein bitterlich weinendes Bambikind, das einfach nur ihren Traubenzucker wollte. Ich dachte ich hätte ihn evtl schon eingesteckt und sagte, dass sie ihn am Auto bekommt, doch natürlich war er weit und breit nicht zu finden.
Bambina weinte nicht nur, nein sie weigerte sich vehement dagegen, sich in den Sitz zu setzen und schrie scheinbar um ihr Leben. Also setzte ich mich mit ihr im Dunklen neben dem Auto auf den Boden und versuchte sie zu beruhigen, ohne Chance. Sie weinte, als hätte sie etwas wichtiges verloren und fragte immer und immer wieder nach dem ollen Zucker. So lange, bis ich meine Schwester zurück geschickt habe, um ihr einen zu holen. Die Kassiererin fand es wohl ziemlich lustig und ich finde es einfach schrecklich.

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich mit der Situation mehr als überfordert war, denn so sehr hat mein Mädchen unterwegs noch nie geschrien, geschlagen und „getobt“. Alles mögliche habe ich versucht… ruhig mit ihr reden, in den Arm nehmen, erklären, streng nein zum Traubenzucker sagen, Liebe geben, „zurück schreien“ dass es nun wirklich reicht, bis hin zu verzweifeltem fast mitweinen und das Kleinkind wie ein Baby in den Armen wiegen. Mir tat es im Nachhinein so leid, dass ich nicht die komplette Zeit ruhig bleiben konnte und mich die Situation so sehr an meine Grenzen gebracht hat, doch Vorwürfe bringen mich nicht weiter.
Die Menschen die an uns vorbei liefen, schauten mich an, als würde ich mein Kind misshandeln und ließen mich mit abwertenden Blicken zurück. Alles in allem empfand ich diesen Zeitabschnitt also wirklich schlimm und meine Gefühle gehen noch heute in Richtung „muss das sein?“ und Traurigkeit mein Kleinkind so zu sehen.

Liebe Geschäftsführer, ich kann verstehen, dass Sie jetzt schon die Kunden für später werben und halten möchten, doch muss es wirklich in diesem Ausmaß sein? Bis meine Kinder zu Ihrem Kundenstamm gehören, existiert Ihr Geschäft womöglich schon lange nicht mehr. Und ist das manipulierende Sympathiepunktesammeln tatsächlich die Art, wie Sie Ihr Geschäft in das Gehirn meiner Kinder brennen möchten?
Wer erklärt meinen Kind, dass es das ersehnte Gummibärchen aus unklaren Gründen nicht bekommt? Und wer muss das trauernde Kind beruhigen? Ganz genau, das dürfen dann wir Eltern ausbaden, regeln und klären!
Zumal das Spielen mit dem Regenschirm für mich kein Grund ist, dem Kind den Traubenzucker zu verwehren.

Ich finde es wirklich schlimm, dass die Kinder von heute von allen Seiten beschenkt werden, um eine positive Assoziation herbeizuführen. Die Zuckerliebe der Kinder wird ausgenutzt um Gedanken/Gewohnheiten zu pflanzen und sie wissen noch nicht mal, wie sie unterbewusst beeinflusst werden. Gegen gelegentliche Kleinigkeiten habe ich gar nichts, im Bioladen gibt es z.B. ab und an mal einen Teebeutel oder auf dem Künstlermarkt bekommt man je nach Situation ein kleines Weihnachtsgeschenk für das Kind. Hier und da eine kleine Aufmerksamkeit, die nicht zur Regel wird und persönlich gehalten ist – das ist okay für mich, doch alles andere empfinde ich als unnötig, störend und grundlos belastend.

In Zukunft werde ich Geschäfte mit Massen-Süßkramverteilung meiden und auf Alternativen ohne die obligatorischen Geschenke an der Kasse ausweichen!

6 comments

  1. Ich finde es klasse, dass du das Thema angesprochen hast. Und ja, ich kann deine überforderung in der Situation verstehen! Du stehst da nicht alleine!
    Ich kann die Geschäfte nicht verstehen, die Süßigkeiten verteilen. Na klar, die Kinder freuen sich.
    Bei uns gibt die Dame an der Wursttheke immer eine Fleischwurst. Das ist total Netz von ihr. Aber jetzt Stelle die mal bitte vor, als die MiniMaus das erste mal eine Wurst bekam und die GroßeMaus nicht mehr.da war ein Riesen Theater.plötzlich war die große zu groß. Nur hat sie das bis heute nicht verstanden. Ihr seid also nicht alleine, die sich mir tobenden Kindern auseinander setzen muss!
    Liebe grüße

    1. das ist ja noch gemeiner… tz , dann sollen sie lieber gar nichts geben, das verstehen Kinder auch, auf jeden Fall besser als einer bekommt und der andere nicht … manche Verkäufer haben einfach kein Verständnis für kleine und große Kinder !

  2. gemein von der Kassiererin dem Kind den Traubenzucker wieder wegzunehmen!

    … also sollen die Geschäfte doch andere kleine Überraschungen geben, nen Anstecker oder Aufkleber, da freuen sich die Kids auch und die Eltern noch mehr 😉

  3. Was für ein hinterhältige Verkäuferin. Ich freue mich für Mia allerdings immer mit, wenn es ein Kinderbrötchen oder eine Scheibe Wurst auf die Hand gibt. Sie möchte dann zwar immer an die Wursttheke und fordert direkt die Wurst, aber ich krieg es noch ganz gut hin mit dem Erklären und dass es diese dort nicht immer gibt und vor allem nicht, wenn wir gerade dort nichts kaufen.

  4. Ich hab Dir ja schon gesagt, dass Du den Brief mal an den Markt schicken solltest, damit die sich ihre Mitarbeiter anschauen. Ich meine, dort gibt es Wickeltisch, Unterhaltung usw., umgehen können sie mit den Kleinen dann aber im Endeffekt doch nicht? Geht für mich überhaupt nicht!!!!

Sag mir Deine Meinung :)

%d Bloggern gefällt das: