Mastbetrieb Neurologe

Vorgestern hatte ich meinen seit Weihnachten ersehnten Neurologentermin und habe die Praxis mal wieder sehr enttäuscht verlassen. Dieses mal ging es um keine 5-Minuten-„Diagnose“, sondern um die Art der Abfertigung. Auch wenn es ein heftiger Vergleich ist, doch wir kamen uns wie Schweine im Mastbetrieb vor, in dem jedes Tier nur mit einem kurzen Blick gestreift wird.  So schlimm wie gestern war es wirklich noch nie und nun denke ich das erste Mal ernsthaft darüber nach, mir einen anderen Neurologen zu suchen.

Wir hatten direkt den ersten Termin um 8 Uhr morgens und wegen eines gravierenden Fehlers der Praxis, sollten wir eigentlich auch direkt dran kommen. Doch wie zu erwarten, konnten wir uns dennoch erst nach langen 2,5 Stunden auf den Weg zu unserem Auto machen. Innerhalb dieser Zeit habe ich den Depressionsbogen ausgefüllt, lange gewartet, kurz mit einem Assistenzarzt gesprochen und meinen Arzt knappe 5 Minuten gesehen.
Inzwischen hat er zwei Assistenten in seiner Praxis und wir haben zum Glück einen super lieben und netten Menschen erwischt, der auch auf mich einging. Ihm konnte ich die aktuelle Situation mit der deutlichen Mehrbelastung schildern, ohne direkt unterbrochen zu werden. Er gratulierte uns auch dazu, dass wir schon eine Tochter haben und fragte nach dem Grund meiner Schwerbehinderung. Da mein Neurologe aber nichts davon hält, hat er es glücklicherweise nicht dokumentiert und war auch sonst vollkommen verständnisvoll. Für ihn war klar, dass die 45 Kilo Zunahme belastend sind, der Besuch eines Kardiologen keinen Sinn macht, weil ich „zu jung“ bin und man das Venlafaxin evtl noch auf die Höchstdosis steigern könne. Außerdem schenkte er mir Beachtung, indem er erstaunt feststellte, dass ich mich ja selbst sehr gut auskenne und er mir nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts erklären muss. Ein Punkt über den ich mich sehr freue, denn den meisten Ärzten darf mal ja nicht wirklich zeigen, dass man selbst genug Ahnung von ihrem Fachgebiet hat.

Doch kaum betrat mein Arzt den Raum, erreichte die Stimmung einen unwiderruflichen Tiefpunkt. Der Assistent wollte ihm eine Zusammenfassung über unser kurzes Gespräch geben, was er allerdings direkt ablehnte. Ihn interessiere es nicht und es reiche, wenn er es aufgeschrieben hat. Das Einzige das für ihn wichtig sei, sind die Medikamente und wie wir mit der Therapie fortfahren. Venlafaxin würde höher dosiert keine Besserung erzielen und bleibt somit bei 225 mg, wobei nächstes mal ein Venlafaxinspiegel gemacht werden soll. Ich frage mich zwar, weshalb er ersten beim nächsten Termin Blut abnehmen möchte, aber was solls. Die anderen Medikamente wurden zwar etwas angepasst, allerdings ohne mein persönliches Empfinden zu berücksichtigen. Für mich passt die Dosis so nicht zu meinem Alltag, was er nicht wissen kann, wenn er meine derzeitigen Probleme nicht mal kennt. Sollte es jetzt immer noch nicht besser werden, soll ich doch bitte in die Klinik gehen, denn mehr kann er dann auch nicht mehr für mich tun. Hätte er sich kurz mit mir und meinem „Fall“ befasst, hätte er gewusst, dass er selbst davon abgeraten hat, da es meine Situation nur verschlechtern würde. Dann wüsste er auch, dass ich im Herbst 2014 ziemlich gut eingestellt war, sich unserer komplette Lebenssituation seitdem aber deutlich verändert hat. Ich bin weiterhin in Therapie, kümmere mich um die Gesundheit meines Körpers und meine physischen Erkrankungen, doch irgendwann erreicht jeder seine Grenzen.
Immerhin gab es ein kurzes Lob, weil ich selbst schon so viel mache, dass es besser wird. Doch das bringt mir leider nicht viel, wenn er kurz darauf Zeitdruck macht, da er schließlich noch Kopfschmerzpatienten im Wartezimmer sitzen hat. Tja, doof nur, dass ich selbst seit Monaten Kopfschmerzen habe, gegen die kein Schmerzmittel hilft und es mir als Patient reichlich egal ist, ob er noch andere Menschen behandeln muss.

Also habe ich keine Wahl und muss mich alleine durch das Tief kämpfen, um irgendwann wieder das helle Licht der Sonne zu sehen. Ich mache es auf meine Art, genau so wie es für mich am besten passt und kämpfe für klein Bambi, meinen Helden, meine Familie/Freunde und für mich. Denn ich habe Ziele, Wünsche und Träume, die ich erleben möchte – mit oder ohne unterstützenden Neurologen!

16 comments

  1. Deine Einstellung gefällt mir. Es kann nur besser werden, aber den Spruch kennst du bestimmt zur Genüge.
    Machen die Antidepressiva nicht auch dick? ich hatte mal welche bekommen, davon bekam ich immer großen Hunger, habe auch viel gegessen, aber durch die Medis war mir immerzu schwindelig, habe sie dann abgesetzt und es geht auch ohne.

    GLG Mathilda <3

    1. Leider ja, ich war gerade dabei die restlichen Schwangerschaftspfunde abzunehmen, als ich begonnen habe die Medikamente zu nehmen. Zugenommen habe ich erst daraufhin :-/
      Allerdings ist das schlimmste der Dickmachermedikamente gerade das, das mir am Besten hilft… muss ich wohl durch.
      Aber ja, es kann nur besser werden und wird wohl auch irgendwann der Fall sein 🙂

  2. Ach du liebe!

    Da hast du ändert einen …. besch…. Neurologen. Der Assistenzarzt wirkt zwar gut, aber dein Arzt ist für die pfeife!
    Ich würde dir wirklich sehr gerne nahe legen, dir eine zweite Meinung oder besser einen Arzt wechsel durch zu führen .

    Fühl dich gedrückt♡

    1. Der Assistenzarzt war wirklich super und wohl kaum älter als ich. Man hat gemerkt, dass wir ca. im selben Alter sind und ihn meine Situation getroffen hat. Ausnahmsweiße mal nicht dieses „ICH bin der Arzt und ICH weiß besser wie es Dir geht“ 🙂

      Ich denke schön länger immer wieder über einen Wechsel nach, kenne ihn aber inzwischen seit 15 Jahren und habe schon ganz böse Erfahrungen mit Neurologen/Fachärzten gemacht. Daher zögere ich dann doch immer wieder… aber so ist es auf Dauer definitiv kein akzeptabler Zustand!

      Danke Liebes <3

  3. Da kriegt man ja die Krätze! Wartezeit ist ja leider gang und gebe. Nur leider lohnt sich das ganze Gewarte so gar nicht für diesen Arzt. Da ich selber auch für längere Zeit in neurologischer Behandlung war (Kopfschmerzpatient – Trigeminusneuralgie), weiß ich, dass es sehr viel besser geht. Auch, wenn es nur zur „Überprüfung“ ist und nicht Neudiagnose… Bitte schau dich mal um, es gibt tatsächlich noch Ärzte, die Interesse an einem Patientengespräch haben… 😉

    1. Ich bin seit bald 15 Jahren bei ihm in Behandlung, früher jahrelang wegen anhaltender Kopfschmerzen und nun seit 2 Jahren wegen der Seele. Aber genau in diesem Bereich müsste man sich doch ein wenig Zeit nehmen und die Patienten nicht einfach durchwinken. In der Schwangerschaft hatte ich eine böse Erfahrung bei einem anderen Neurologen und letztens hatten wir ziemlich Probleme mit einem dritten Neurologen (darüber schreibe ich noch), daher zögere ich schon seit Monaten und bin mir so unsicher. Aber auf Dauer ist das auch keine Lösung, zumal nun weder die Kopfschmerzen abgeklärt, noch die Medikamente an meinen Alltag und meine Verfassung angepasst werden/wurden.

      Warten muss mal leider immer ja, doch da die Praxis bei meiner Mutter angerufen hat, um den Termin den ich 2 Tage zuvor verlegt hatte abzusagen und die Zeit momentan sehr ungünstig für Termin ist, wurde uns versichert wir wären direkt dran. Sowas darf einfach nicht passieren!

  4. Gerade ein Facharzt muss sich zeit nehmen und bei solchen Problemen auch auf den Patienten eingehen.
    Da würde ich glaube ich auch einen neuen suchen, denn man will sich ja gut behandelt fühlen und auch ernst genommen.
    Aber du machst es ja schon gut so. Es wird auch wieder bergauf gehen

    1. Vor allem in diesem Fachbereich sollte sich der Arzt etwas Zeit nehmen, oder zumindest mal wissen um was es überhaupt geht. Da es nicht das erste Mal war, dass ich die Praxis so enttäuscht verlassen habe, sollte ich nun wirklich so langsam ernsthaft über einen Wechsel nachdenken.

  5. Ich kann gut verstehen wie enttäuscht du warst, und das zurecht.
    Ich fühle mich auch immer abgefertigt, und wenn ich sage, dass ich viel allein mache, dann werde ich meist schief angeschaut.
    Du bist schon solang bei ihm, ein Wechsel willst du sicher nicht, oder?
    LG
    Ilanah

    1. Über einen Wechseln denke ich schon länger immer wieder nach, aber das ist nicht so einfach. Ich bin seit ca. 15 Jahren bei ihm… ihn kenne ich also und ich habe schon viele sehr schlechte Erfahrungen mit Neurologen & anderen Fachärzten gemacht. Auf Dauer ist das so auch kein Zustand – nur die Kraft und Motivation mir einen anderen Arzt zu suchen, mit dem ich zurecht komme und der auf mich eingeht… die habe ich einfach nicht. Ein gebranntes Kind spielt nicht gerne mit Feuer…
      Alles Liebe
      Lena

      1. Ja, liebe Lena, das kann ich gut nachvollziehen.
        Auch wenn man sich zigmal sagt, es wäre besser, aber es ist auch mit Stress verbunden. Und immer wieder seine Geschichte zu erzählen, das ist auch anstrengend.
        Ich habe elendig lange gesucht, um einen guten Hausarzt zu finden, das war auch schon schlimm genug, es hat letztlich vier Jahre gedauert, jetzt habe ich endlich einen gefunden.
        Einen guten Neurologen suche ich auch noch immer, je länger einer praktiziert, desto abgestumpfter wird er, so ist meine bisherige Erfahrung. Die ganz jungen, die gerade anfangen, die sind wohl noch unverbraucht und neugierig, aber so einen zu finden ist auch nicht so leicht.
        Hast du mal auf die Seite „Kennst du einen….“ geschaut? Manchmal sind da auch gute Ärzte aufgelistet.
        Liebe Grüsse
        Ilanah

        1. Bis seine Assistenten die allesamt von der Universität kommen mal fertig sind und auch ihren Facharzt gemacht haben, dauert es wohl noch eine Weile und wer weiß ob der Nette dann auch in einer Praxis arbeiten wird. Also ja, ich denke wirklich sie sind noch nicht so abgestumpft und lassen Patientengeschichten noch deutlich Näher an sich heran. Gerade auch WEIL wir im selben Alter sind, denke ich.
          Nein, geschaut habe ich da noch nicht, bin aber sämtliche Praxen in der Umgebung durchgegangen (Homepage, Erfahrung und so) und schon alleine weil fast alles Männer, oder auf andere Bereiche spezialisiert sind war bisher keiner bei, für den ich die Anstrengung auf mich nehmen wollen würde.
          Und bei der einzigen NeurologIN war ich in der Schwangerschaft und wurde 2x im Abstand von 4 Wochen ganz böse mit den Worten „Kommen Sie wieder wenn Sie ernsthafte Suizidgedanken haben, vorher sind es nur Verstimmungen“ weggeschickt. Das brennt sich ein.

          Danke für Deine mentale Hilfe <3

          1. BOAH!!!! Was war das denn für eine Tussi….ist ja total unverschämt, hätte ich sofort der Ärztekammer gemeldet. Meist zucke ich mit den Schultern, aber wenn mir jemand wirklich unverschämt kommt, dann schreibe ich sofort eine Beschwerde.
            Auch bei Portalen bewerte ich sie negativ, um andere zu warnen.

            Ja, die beiden Assistenten werden wohl noch ein paar Jahre brauchen, bis mit dem Facharzt fertig sind….seufz…
            Hast du wenigstens einen guten Hausarzt? Das ist ja auch schon viel wert.

  6. Hallo Lena,
    das schockiert mich, was ich von deinem Arzt lese. Leider sind die meisten Neurolog_innen offenbar Mist, doch hol dir bitte eine zweite Meinung, auch wenn du schon über Jahre bei ihm bist. Sich nochmal woanders vorstellig zu machen, zieht ja keinen automatischen Wechsel hinter sich – probiere es einfach, vielleicht kann dir die_der Nächste besser helfen!
    Ich drück die Daumen,
    Emma

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