Meilenstein Selbstwahrnehmung

Gestern hat unser kleiner Bambimädchen einen neuen Meilenstein ihrer Entwicklung gelegt.
Meins & Deins kann sie schon seit einiger Zeit richtig anwenden und auch ihren Namen kennt sie, sagt ihn & bezieht ihn auf sich. Auf Fotos erkennt sie sich genauso wie im Spiegel und ab und an kam schon mal ein „ich„.
Doch gestern saß sie in ihrem Kindersitz, deutete mit ihren Fingern auf sich und sagte „Bambi ich“ (ersetze Bambi durch die letzten Buchstaben ihres Namens^^). So ging es eine ganze Weile, Bambi ich, Bambi ich, Bambi ich… fragte man sie wer Bambi ist, antwortete sie postwendend stolz mit „ich“.

Sich selbst als eigenständiges Wesen wahrnehmen ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung eines Kleinkindes. Es entwickelt einen eigenen Willen, ein Verständnis dafür was ihm gehört und was nicht, wird selbstbewusster und  möchte den Willen auch bitte danke durchsetzen.
In der Folge davon kommt es zu Trotzanfällen, auf den Boden werfen, schreienden Kindern und überforderten Eltern. Ich persönlich bin ein Gegner der „Trotzphase“, denn ist es nicht vollkommen verständlich, dass es Kleinkind nicht versteht, weshalb es plötzlich so oft ein „nein“ zu hören bekommt?
Haben die Eltern vorher vermeintlich alles für ihren kleinen Liebling gemacht, heißt es nun „xy NEIN“, „lass das“ oder „jetzt ist Schluss“.

Stell Dir vor Du stehst im Supermarkt und entdeckst etwas, das Du unbedingt haben willst, einen Schokoriegel zum Beispiel. Du holst es Dir aus dem Regal, legst es in den Wagen und plötzlich sagt Dein Partner „NEIN, das kaufen wir nicht!“.
Er nimmt es & legt es ins Regal zurück. Du holst es Dir wieder, denn Du kannst nicht verstehen, weshalb er es verbietet, obwohl Du es doch einfach nur haben willst.
Letztendlich haltet Ihr es beide jeweils an einer Seite fest und beharrt auf Eure Meinung. Dein Partner sagt immer wieder, dass Du das nicht bekommst, es hergeben und mitkommen sollst & Du kämpfst um Deinen auserkorenen Schatz. Immerhin gibt es keinen offensichtlichen Grund, weshalb Du es jetzt nicht mitnehmen kannst. Verzweifelst, fühlst Dich unterdrückt und in Deiner Person nicht ernst-/wahrgenommen.
Ihr kämpft also um etwas total unnötiges, doch Dein Partner spielt die „ich stehe über Dir, finanziere Dich und Du hast zu machen was ich sage“-Karte aus. Wie fühlst Du Dich dabei? Genau, nicht gut und so ähnlich ist es auch für Dein Kind.

Wir haben mit Bambi auch immer wieder mal kleine Machtkämpfe, denn sie möchte ihren festen Willen ohne wenn und aber durchsetzen. Dagegen stehen dann mein Held, meine Familie und ich.
Wenn sie mit meiner Familie unterwegs ist, gibt es generell Probleme, denn meine Mutter ist der Ansicht, dass es Trotzphase ist und das Kind da durch muss. Klar versteht sie schon viel, muss aber Regeln und Grenzen lernen. Fertig.
Mein Held ist liebevoller, versucht auf die Kleine einzugehen, doch ihm fehlt das Gespür für den „richtigen Zeitpunkt“. Entweder ist er zu lieb, lässt sich zu sehr erweichen und gibt direkt nach, oder er versucht es ihr einfach zu verbieten. Gerne beruhigt er sie auch mit ihrem Schnuller o.ä. Ich kann es im Grunde auch vollkommen verstehen, denn die meisten derartigen Situationen durchlebe ich mit ihr und er steht ein wenig an der Seite. Aber da bald die Prüfungen anstehen, ist sein Kopf gerade auch überfüllt mit allem anderen.
Und ich? Ich habe die wenigsten Probleme mit ihr, was mich in meiner Meinung zu dem Thema bestätigt.
Beim Einkaufen begebe ich mich auf ihre Augenhöhe und erkläre ihr, weshalb sie es nicht haben kann, dass sie aber gerne andere Sachen die ich ihr sage einkaufen darf. Grundsätzlich rede ich eigentlich die ganze Zeit mit ihr und beziehe sie voll mit ein. Wir suchen dann gemeinsam den Käse, das Brot, Joghurt etc. In den meisten Fällen klappt es gut, solange ich mich nicht offensichtlich stressen lasse oder es schnell gehen soll. Mit Kleinkind sollte man einfach immer etwas mehr Zeit einplanen, denn es hält sich nicht an unsere Zeitpläne.
Trotzdem kommt es natürlich auch bei mir immer wieder mal zu tobenden Anfällen eines Bambikindes, doch dann versuche ich sie in den Arm zu nehmen. Sofern man sie berühren darf lässt sie das auch gerne zu. Sage ihr, dass ich verstehe, dass sie wütend ist, ich immer da bin und sie auch in solchen Momenten immer liebe.
Ihr kennt das sicher alle & wisst, dass es eine Weile dauern kann, bis das Kind sich wieder beruhigt hat. Nicht selten kommt es vor, dass es mich überfordert, doch ich versuche mit ihr gemeinsam durch die Situation zu gehen und die Gefühle zu bewältigen.
Sie soll lernen, dass sie ihre Gefühle zulassen kann, verstanden und trotzdem geliebt wird. Ich selbst durfte das nicht erleben und weiß wie wichtig genau das für ein Kind ist.

Reagiere ich unfair, zeige ihr meine Überforderung und/oder nicht genug Verständnis, entschuldige ich mich direkt bei ihr und lege erst mal eine ordentliche Kuschelrunde ein. Damit möchte ich ihr zeigen, dass auch ich Fehler mache und mein Verhalten nicht okay war, sie aber trotzdem mein ein & alles ist und für meine Reaktionen nicht verantwortlich ist.
Ich verzweifle auch wenn sie sich mal wieder nicht beruhigen will, bin überfordert und in ganz schlimmen Momenten weine ich mit ihr mit… doch mir ist kaum etwas wichtiger, als dass sie sich geliebt fühlt und in Geborgenheit aufwächst.
Seitdem ich sie als gleichgestellten Menschen betrachte und nicht autoritär als das Kind, das einfach hören muss, klappt unser Zusammenleben wesentlich besser. Ich muss das nur noch irgendwie dem Helden beibringen, er ist zwar der selben Ansicht, kann es aber leider noch nicht so umsetzen 🙁

 

3 comments

  1. Ich sehe das ganz genau so!
    Ein Kind hat doch nicht das Wissen eines Erwachsenen und muss angebrachte Reaktionen etc pp erst noch lernen. Ich finde, das geht nur, wenn man ihm von Beginn an alles erklärt! Sie müssen sehen, dass das Leben nicht nur einfach ist und dass negative Gefühle vollkommen normal sind und ausgelebt werden können – wichtig ist dabei, dass sie immer wissen müssen, dass sie nie allein sind.
    Du machst das super :-*

  2. Wir erklären unserem Großen auch immer, was wir warum machen oder warum er etwas nicht darf und das klappt meist wunderbar. Wir haben keine Probleme im Supermarkt an der Quengelzone. Manchmal fragt er, ob er was haben darf, manchmal bejahen wir das, manchmal verneinen wir das, das eine Mal gibt es ein Danke, das andere mal ein OK und gut ist.
    Und auch das Eingestehen von Fehlern und Schwächen dem Kind gegenüber finde ich wichtig, da es zeigt, dass jeder, auch die Erwachsenen, mal was falsch macht.

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