Mein Kind nervt…

… NICHT!

Ich gehöre zu den Frauen, die ganz naiv gesagt haben, dass sie schwanger werden wollen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Kinder wollte ich, keine Frage, doch schlaflose Nächte, extrem verschmierte Windeln, „Trotzalter“, Grenzen testen, richtige Ernährung, krankes Kind? All diese Worte existierten zwar in meinem Universum, fanden aber keinen Weg zu meinem entscheidenden Teil des Bewusstseins. Ich kann die Vor-mir-Mamas förmlich grinsen sehen und hören wie sie wohlwissend tadelnd sagen „ja hättste mich ma jefracht, ich hätt dir das dann schon jesacht, aber du wollsts ja nich hörn.

Ja wie kann ich auch? Wie kann ich denn nur auf die verrückte Idee kommen, in meinem Zustand unter diesen Umständen ein Kind zu bekommen? Das kann doch jar nüscht gut gehn!
Ich durfte tatsächlich schon Sätze hören wie „Ja, Du hast jetzt ja bewiesen, dass Du es kannst. Ich hatte nicht daran geglaubt, dass Dein Kind zur Welt kommt!“ ja siehste mal, es ist immer schwer eine Situation von außen zu bewerten.
Trotz aller Bedenken habe ich es gewagt und habe fest daran geglaubt, dass ich es schaffen werde und mir die nötige Kraft gegeben wird.
Nun ist Bambina bald 3 Jahre alt und auch wenn so mancher es nicht für möglich gehalten hat, kommen wir beide bestens miteinander klar. Wir haben eine ganz besondere Bindung – keine klassische Mutter-Kind-Beziehung, da ich mich bis heute nicht als Mutter bezeichnen kann, doch es ist etwas anderes magisches zwischen uns. Ganz egal wie wenig sie schläft, wie viel sie anstellt (& sie hat wirklich sehr viel Unsinn im Kopf) oder wie provokant sie ihre Grenzen testet – sie ist mein kleiner unbezahlbarer Engel.

Mir stehen Tag für Tag nicht viele Kräfte zur Verfügung und ich kann sehr viele Dinge nicht machen, doch für Bambina schaffe ich es auch die letzte Reserve aus mir herauszulocken. Sie ist und bleibt alles für mich und all die ehemals unbedachten Konsequenzen stören mich wie erwartet überhaupt nicht – sie ist perfekt so wie sie ist. In ihrer ganzen Person, in guten und in schlechten Momente und ich würde niemals über meine Lippen bringen, dass mein Kind mich nervt. Denn genau das tut sie bisher grundsätzlich nicht… ja auch ich habe nicht immer Lust das Buch nun zum 10. x vorzulesen, oder aufzustehen wenn sie die Nacht um 3 Uhr morgens beendet, doch es ist vollkommen selbstverständlich für mich. Ich wollte sie, habe mir dieses Kind mehr als alles andere gewünscht und nun habe ich es. Mein persönliches kleines Wunderwerk, das größte Geschenk das man mir machen konnte. Und wenn man die ganzen positiven Kleinigkeiten einer Situation betrachtet, ist es auch nicht mehr schlimm mit ihr die Nacht zum Tag zu machen.

Sie ist zwar ein sehr lebhaftes Kind und überfordert auch mich ganz gerne mal, doch wenn sie beim Einkauf durch die Reihen rennt, lasse ich sie ganz locker laufen. Wenn ich ihr zum xten mal erklären muss, dass sie etwas nicht haben kann, ist es auch okay. Wenn sie sich auf den Boden wirft und weint weil sie es einfach doch nicht immer verstehen kann, auch dann lasse ich es zu und schließe sie anschließend freudig in meine Arme. Durch die kindlichen Anteile in mir, kann ich mich sehr gut in sie hineinversetzen und ja, genau weil ich so bin wie ich bin verbindet uns etwas ganz besonderes und unsere Beziehung steht auf einer magischen Ebene.
Ohne Kind wäre so vieles so viel einfacher, doch ohne Kind würde ich heute auch nicht an dem Punkt stehen an dem ich nun mal stehe. Wahrscheinlich wäre ich noch nicht mal mehr hier unter Euch.

Deshalb und weil es eben so gar nicht in meine Welt passt, kann ich es nicht verstehen wenn, ich gesagt bekomme, dass klein Bambi nervt. Als wäre nicht ich ihre Mutter, sondern eine andere Person… als würde nicht ich sie die meiste Zeit betreuen. Ich bekomme nicht wenig Hilfe von meiner Familie, das stimmt. Dennoch hat keiner das Recht über mein Kind zu urteilen und ihr solche negativen Dinge zu unterstellen. Sie ist ein fast 3 Jahre altes Mädchen und Kinder in dem Alter nerven nicht – sie wissen es einfach nicht besser. Genervt sein kann nur der, der dieses Gefühl auch zulässt und wenn ich an meine Bambina denke ist das wirklich das letzte Gefühl das in mir brodelt.
Sie ist weder schlimm, noch nervig oder zum davon laufen – sie ist für mich das wundervollste Kind der Welt und wer damit nicht zurecht kommt, der hat den Sinn der Entwicklung eines Kindes nicht verstanden. Dennoch tut es weh.
Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich so etwas höre & das ist wirklich nicht selten. Jedes mal wenn jemand kommt und mit wissendem Blick sagt „Heute ist sie aber auch wirklich sehr anstrengend Lena“ sticht es ganz ganz fies .
Und ich mit meinen verpöhnten Erziehungsmethoden empfinde es weder so, noch kann ich die Aussagen und Methoden der anderen nachvollziehen.
Ich versuche Bambi so weit es geht vollkommen alleine zu betreuen und meine Medikamente helfen mir auch dabei alles nach und nach besser auf die Reihe zu bekommen, doch immer geht es leider doch noch nicht. In diesen Momenten versuche ich jedoch so schnell wie möglich wieder schützend hinter meinem Kind zu stehen, denn ich möchte sie vor all dem Schmerz beschützen, den sie jetzt noch nicht so spüren kann.
Ein für alle mal:

Mein Kind nervt NICHT!

Ich beschreibe lediglich die besondere Beziehung von klein Bambi und mir & möchte damit nicht sagen, dass man sich als Eltern nicht auch mal genervt fühlen darf. Es steht mir nicht zu, so ein Urteil zu fällen und entspricht auch NICHT meiner Meinung 🙂

4 comments

  1. Wer sagt das denn???
    Ich finde Eltern duerfen das schon manchmal denken, denn funktionieren ist nicht immer einfach und wir alle haben auch ein Nervenkostüm. Ich wuerde nicht zu meinem Kind sagen „Du nervst“. Aber ich sage meiner Frau schon manchmal Sachen wie „Die Art und Weise, wie er schon seit Stunden quietscht/ quengelt, nervt mich gerade total“. Denn wir beide wissen ja, dass es nichts an der bedingungslosen Liebe zu ihm ändert.
    Aber wenn jemand fremdes oder ein Familienmitglied das laufend äußern würde, dann wuerde mich das wohl auch stören oder gar verletzen.

    1. Ich finde es auch vollkommen in Ordnung, wenn man sich von dem Kind mal genervt fühlt und das auch zum Partner sagt, keine Frage. Mein Mann ist auch ganz gerne mal genervt, wenn sie wieder und wieder quängelt und macht was sie will.

      Ich wollte damit lediglich auf die Beziehung zwischen Bambina und mir eingehen und zeigen, dass ich eben nicht genervt von ihr bin, weil ich mich theoretisch auf ihre Ebene stellen kann. Und auch, weil man doch schon mal gesagt bekommt es wäre nicht gut in meiner Situation Kinder zu haben/zu bekommen. Doch genau weil ich bin wer und wie ich bin, klappt es zwischen Bambi und mir sehr gut.

      Meine Familie sagt das regelmäßig :-/
      Vergleicht mit anderen Kindern, wertet darüber wie anstrengend/nervend/schlimm sie denn heute ist und Bambina bekommt es auch ganz gerne mal direkt gesagt. Ich finde es super schrecklich und vollkommen nicht in Ordnung…. 🙁

  2. Oh man, wer nimmt sich denn bitte das Recht heraus, dir zu sagen, dass du keine Mama sein kannst/darfst/sollst? Das ist ja echt mies!
    In jedem Post von dir, springt einem die Liebe zu deiner kleinen Tochter förmlich entgegen. Und ich denke, das ist die Hauptsache und wenn du dann das, was du selber nicht kannst, organisiert bekommst (wie auch immer), dann scheint es doch der Kleinen an nichts zu fehlen. Was will man mehr?

    Kann denn ein so kleines Kind schon „schlimm“ sein? Die Aussage ist ja furchtbar! 🙁

    Leider kenne ich das mit der Familie und solchen Vergleichen nur zu gut und weiß wie weh das tun kann. :'(
    Sicher gibt es auch Menschen, die hinter dir stehen und dir Kraft geben – bau auf sie.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!!!
    GLG

Sag mir Deine Meinung :)

%d Bloggern gefällt das: