MPU die Zweite

Am 9. Juli war es nun so weit und ich hatte die medizinische Untersuchung beim TÜV, bei der es um meinen Führerschein ging.
Kurz vor 10 traten wir durch die Tür und begegneten zuerst dem Amtspsychologen, der uns erklärte dass wir uns anmelden sollen, obwohl schon eine Person im Zimmer saß. Die Frau schickte uns noch mal in den Warteraum und kurz darauf durfte ich unser „Vermögen“ um 399 € schmälern.
Im Gegensatz zu der MPU vor einem Jahr ging dieses mal alles ziemlich schnell. Kaum hatte ich die Fragebögen ausgefüllt, war ich auch schon an der Reihe.

Die Ärztin war super freundlich und lieb und kannte mich sogar noch. Sie fragte wie das Jahr so verlaufen war und wie es mit dem Fahren klappt. Ich antwortete ihr vollkommen ehrlich, obwohl ich wusste, dass es mich meinen Führerschein kosten kann. Doch was hätte es mir gebracht zu lügen, spätestens bei der Computertestung würde die Wahrheit so oder so ans Licht kommen. Sie ging unangenehm stark auf meine psychischen Probleme ein und ich war wieder einmal froh, dass ich noch nicht alle Diagnosen öffentlich in Berichten stehen habe. Denn alles was offiziell diagnostiziert ist, muss auch angegeben werden.

Anschließend wollte sie sehen wie sicher ich auf meinen Beinen stehe und so musste ich ein paar „Test“ bestehen. Mit geschlossenen Augen den Zeigefinger zur Nase führen zum Beispiel, oder auf einem Bein stehen. Da ich alles in allem keine einzige Aufgabe sicher durchführen konnte, brach sie die Untersuchung gerade noch rechtzeitig ab, weil ich sonst gefallen wäre. Die Rückstände der Paresen haben sich also wieder deutlich verschlechtert und im Hinblick auf meine Vorgeschichte ist das kein gutes Zeichen.
Beim Messen meines Blutdrucks ging sie kurz auf meine Narben ein und wollte auch das genau wissen… mir war das Ganze mehr als unangenehm, denn bisher wurde ich nie direkt darauf angesprochen. Da im Bericht meines Neurologen stand, dass es sich verbessert hat wollte sie natürlich auch genauere Details wissen. Wobei ich mich frage, was genau das mit meiner Fahrtüchtigkeit zu tun hat.

Als sie mit allen Untersuchungen fertig war bereitete sie mich darauf vor, dass ich die psychologische Untersuchung mit Testung doch unerwartet direkt im Anschluss haben würde. Da der Psychologe allerdings vollkommen ausgebucht war, wurde die Untersuchung auf den 22. Juli verlegt. So lange warten… puh.
Allerdings hat sie mir auch direkt gesagt, dass ich meinen Führerschein auch jetzt schon freiwillig abgeben könnte und mir somit die weiteren 103 € sparen kann. Denn die Chance die Testung zu bestehen und somit ein positives psychologisches Gutachten zu erhalten ist sehr unwahrscheinlich. Immerhin hatte ich sie ja auch letztes Jahr nur sehr knapp und mit viel Glück bestanden…

Ich sollte mich also lieber schon darauf einstellen, ab Ende Juli wieder komplett auf andere angewiesen zu sein. Irgendwie war es mir schon klar, doch dass es so schlecht aussieht, war mir dann doch nicht bewusst. Wenn man meine Vorgeschichte beachtet, die Verschlechterung sieht und dann noch die enorme zusätzliche psychische Belastung kommt, kann sich die Ärztin einfach nicht vorstellen, dass ich momentan für den Straßenverkehr geeignet bin. Sie hat mich auch direkt gefragt, ob ich denn in Städten fahren kann, wenn hier was kommt, da eine Ampel ist und vielleicht noch Menschen. Und ganz ehrlich? NEIN, das kann ich nicht und konnte ich während des ganzes letzten Jahres nie. Wobei es die letzten Monate wirklich um einiges schlimmer wurde und ich nicht mal mehr damit klarkomme, wenn jemand spricht und somit meine Konzentration stört. Ich kann die ganzen Reize einfach nicht verarbeiten, nicht richtig darauf reagieren und fahre deshalb auch seit Wochen schon kein Auto mehr.

Doch da ich theoretisch bis nach Rom fahren könnte, weil ich eben einen Führerschein habe, muss ich ihn nun also höchstwahrscheinlich wieder abgeben.
Für mich vollkommen verständlich und gerechtfertigt, doch schön ist es trotzdem nicht 🙁

5 comments

  1. Oh man sorry das tut mir Leid =( aber wenn es dir so schlecht geht, ist das wohl das beste. Ist ja keinem mit geholfen. Habt ihr bei euch im Ort denn öffentliche Verkehrsmittel mit denen du mit klein Bambi mal wohin fahren kannst? hier ist man nämlich ohne Auto aufgeschmissen :/

    1. Ich bin ohne Auto leider auch vollkommen aufgeschmissen.
      Ich kanns ja wie gesagt vollkommen verstehen, aber da ich gute und schlechte Tage habe ich es einfach total blöd, weil ich dann eben gar nicht mehr fahren kann. Auch nicht an Tagen an denen es problemlos funktioniert…

  2. Das tut mir leid, ich finde es andererseits auch gut, wie ehrlich du dir selber gegenüber bist und dass du deine Grenzen kennst. Ich hoffe, dass es dir bald besser geht und du dann auch deinen Führerschein wieder bekommst.
    Bei den Tests musste ich an ein altes Paar denken, dass ich kürzlich bei einem Spaziergang beobachten durfte. Keiner der beiden konnte ohne Hilfe stehen und der Mann, vermutlich auch der Fahrer, hatte einen üblen Tremor. Mir wurde echt Angst, als ich die beiden aus dem Auto steigen sah. Ist ja schön, dass sie bei dir solche ausführlichen Tests machen, aber dann bitte auch bei Rentnern.

  3. Das ist ja schade, mit dem Führerschein. Aber alleweil besser, als wenn dann irgend etwas passiert und die Versicherung nicht zahlen will.
    Gibt es bei Euch in der Region nicht Behinderten-Taxis oder Ähnliches, wie bei uns, die Transporte zu stark vergünstigten Preisen anbieten? Dann wärst Du nicht ganz so arg auf Dein Umfeld angewiesen. Vielleicht würde ja auch die Krankenkasse einen Teil dieser Fahrkosten übernehmen?
    Liebe Grüsse
    Charlotte

  4. Ich finde es toll, dass du dich so gut selbst reflektieren kannst. Dafür erstmal Hut ab!
    Aber auch wenn es natürlich ärgerlich ist, ist es so vielleicht besser. Und ein Führerschein ist nicht die Welt. Ich selbst habe keinen und als ich noch auf dem Dorf wohnte, war das zwar manchmal etwas nervig, aber eigentlich kein richtiges Problem. Man wird viel kreativer. 😉 Ich schick dir ganz positive Gedanken und viel Energie!

Sag mir Deine Meinung :)

%d Bloggern gefällt das: