[Neo-Zeit] Ad lib

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Ihr Kind isst ab heute ad lib„, teilte mir die liebste Schwester der Station am 11. Januar ganz stolz mit. Ich muss sehr verdutzt geschaut haben, als ich fragte, was das denn nun genau bedeutet? Nach 4 Monaten Klinik weiß man, dass nicht alles Neue gleichzeitig auch gut ist und manchmal haben die Ärzte wirklich die komischsten Einfälle, bei denen man nur ratlos den Kopf schütteln kann.
Das heißt er darf essen wann und wie viel er will. Heute Nacht tat er der Schwester so leid, dass sie ihm einfach nicht mehr reinzwängen wollte und nun probieren wir es einfach mal 2-3 Tage aus. Er ist alt und schwer genug, ich bin gespannt, wie er es macht!

Ja, ja, jaaaaaaaaaa – darauf hatte ich so unglaublich lange gewartet und nun wagen sie es!
Wegen seiner Lunge ist seine Milchmenge stark begrenzt, so dass er zu letzt 6x/Tag genau 75 ml trinken durfte und sollte. Wie oft musste mein kleiner Junge Hunger leiden, weil ihm die Menge einfach nicht gereicht hat & zu anderen Tageszeiten war es eine Qual ihm die Milch regelrecht „reinzustopfen“. Zur Folge hatte es viele viele Tränen, 2 Stunden langes tragen um den Hunger zu überbrücken & verschlucken, sowie spucken wenn er „zu früh“ satt war. In der Theorie hätte ihm die begrenzte Milch durch einige Zusätze trotzdem reichen sollen, doch genau wie jeder andere Mensch hatte er nun mal nicht immer gleich viel Hunger.
Manchmal habe ich von der Milch die er an der Brust getrunken hat, einfach etwas abgezogen, dass ihm nicht die komplette Menge aus der Flasche geklaut wurde, oder den letzten Rest einfach ins Waschbecken gekippt. Natürlich hat das alles seinen Sinn und gerade im Klinikalltag muss es einen geregelten Ablauf geben, wenn nicht das große Chaos ausbrechen soll.

Das A & O bei einem Frühchen ist die Gewichtszunahme und wenn gleichzeitig darauf geachtet werden muss, eine gewisse Maximalmenge an Flüssigkeit nicht zu überschreiten, kann das Ganze ein wenig komplizierter werden. Mein kleines Baby kann es allerdings trotzdem nicht verstehen und so freue ich mich nun unheimlich darüber, dass er sich seine Tagesmenge endlich selbst einteilen darf.
Vorgestern Abend hat er es auch direkt ausgenutzt und stolze 105 ml getrunken, von denen zwar ein gewisser Teil anschließend wieder auf dem Boden gelandet ist, doch es tat ihm sichtlich gut. In diesem Moment zweifelte ich dann aber doch daran, ob er es tatäschlich selbst regulieren kann, wenn er nun wochenlang ständig Hunger hatte und befürchtete ein richtiges „auf Vorrat trinken“. Allerdings waren meine Sorgen vollkommen unbegründet, denn der kleine Herr trank erst nach 6 Stunden sein nächstes Fläschlein und ließ somit einfach eine Mahlzeit ausfallen. Da er trotzdem brav zugenommen hat, ist das auch vollkommen in Ordnung und wird nun wohl nicht mehr geändert werden.

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Unglaubliche 3160 g brachte unser Minimann gestern auf die Waage, trank 30 ml von der Brust und ist mit seinen großen Augen einfach unglaublich goldig. Gestern wurde er nun auch von dem O2-Prozent-System mit Flow auf den reinen Sauerstoff umgestellt, dass man direkt schon sehen kann, wie es zu Hause wohl werden wird. Daraufhin hatte er zwar ein paar böse Abfälle, ist seit heute morgen aber wieder schön stabil.
Morgen Vormittag gibt es für mich mal wieder eine OP-Aufklärung und wenn ich dann eh schon bei den Chirurgen bin, werde ich auch direkt noch fragen, was genau beim letzten mal so kompliziert war. Ich bin gespannt 🙂

2 comments

  1. Das liest sich sooooo gut. Meine Güte, er hat wirklich schon gut an Gewicht zugelegt.
    Sicher zählt ihr schon fast die Stunden, bis er endlich zuhause sein wird, hm?

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