[Rückblick] stationäre Aufnahme bei 27+0

Obwohl ich verdammt früh aufgestanden bin, kommen wir viel zu spät von zu Hause los. Klar, Bambina möchte uns nun mal nicht einfach so gehen lassen. Das erste Mal, dass wir getrennt sein werden… zum ersten Mal ist Mama nicht bei ihr, wenn sie schlafen geht… überhaupt ist es einfach doof, denn ich weiß nicht mal wie lange ich weg sein werde.

Die Aufnahme läuft über die Ambulanz und mein regulärer Termin wäre um 10.30 Uhr. Laut der gestrigen Hebamme sollen wir aber am Besten schon direkt am Morgen dort sein… theoretisch wären wir um 9 Uhr da, doch es ist einfach nirgends ein Parkplatz zu finden. Ohne meinen Helden möchte ich die Klinik nicht betreten und so suchen wir weiter, warten letztendlich vor einer weit entfernten Schranke, dass ein Platz dahinter frei wird und nehmen den Shuttle Bus bis zur Frauenklinik.
Gegen 10 treffen wir in der Ambulanz ein und erfahren, dass all der ganze Stress umsonst war, denn ich nehme eh erst meinen normalen Termin wahr und werde danach aufgenommen.

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Die Waage ergibt ein weiteres Plus von 3 Kilo, Blutdruck und Herztöne bei der Hebammenschülerin sind wie immer beim Alten und Eiweiß ist weiterhin im Urin. Also komme ich erst mal ans CTG und hänge letztendlich fast 3 Stunden daran, weil die Herztöne der Elfe schlecht wurden und blieben. „Eingeengt“ ist zu diesem Zeitpunkt das Lieblingswort der Ärztin & die Hebammen versuchen alles, um mein vermeintlich schlafendes Baby zu wecken. Auch schlafend dürfte die Kurve nicht so aussehen, doch wach ist es noch mal etwas ganz anderes. 2 Liter Blubberwasser, schütteln und rütteln des Bauches, sowie riechen an Tupfern mit ätherischem Öl (Zitrone) später war klar, dass es nicht einfach ein tief schlafendes Baby ist, das nicht aufwachen möchte.
Da ich dann aber ja eh stationär aufgenommen werde, wird das CTG irgendwann beendet und ich bekomme einen Spezialschall bei Frau Dr. Panik. Dabei erfahren wir, dass gestern schon wenig Fruchtwasser zu sehen war und es auch heute noch so ist. Sie misst unsere Elfe kleiner als der gestrige Arzt & obwohl ihr Gerät deutlich besser ist (zur Feindiagnostik eben), wird der Erfahrung des Arztes aus dem Kreißsaal mehr Bedeutung beigemessen. Sie erklärt uns, dass ich nun direkt wieder in den Kreißsaal komme und schon mal alles für einen möglichen Kaiserschnitt vorbereitet wird. Es könne sich noch um Stunden handeln, bis die Geburt notwendig wird, allerdings auch um Tage oder Wochen. Da inzwischen allerdings mehr und mehr dafür spricht, dass es unserer Elfe nicht mehr so gut geht, wird zur Sicherheit schon mal alles in die Wege geleitet. Im Laufe der nächsten Stunden wird also das Narkose- & OP-Gespräch stattfinden, sowie ein Gespräch mit den Kinderärzten. Ugh… das ist ein harter Schlag in die Magengrube… nun doch so schnell?
Aber da auch im Ultraschall keine Bewegung zu sehen ist und dies mein seit Mittwoch/Donnerstag anhaltendes Gefühl bestätigt, dass eben kaum was zu spüren ist, glaube ich ihr. Ich hatte mir ja doch auch schon etwas Sorgen gemacht…

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Im Kreißsaal angekommen, darf ich in ein sexy OP-Hemdchen schlüpfen und komme direkt wieder ans CTG. Das Mittagessen haben wir inzwischen natürlich auch verpasst und da nichts mehr vorrätig ist, begnügen wir uns mit Zwieback und Butterkeksen. Ich bekomme kühle nasse Lappen auf den Kopf, da ich Paracetamol iv erst bekommen kann, wenn meine Blutwerte da sind. Eine blonde Ärztin kommt, stellt sich vor und erklärt uns, dass das alles noch gar nichts bedeuten muss, man aber auf alles vorbereitet sein will. Überhaupt wird immer und zu allem dazu gesagt, dass es nichts bedeuten muss und für den Fall der Fälle ist – wovon ich mich etwas veräppelt fühle. Ich hänge ja nicht grundlos den ganzen Tag am CTG, bekomme aber einfach nichts aussagekräftiges gesagt. Erst geht alles ganz schnell und dann zieht es sich wie ein zäher Kaugummi.
Nach einiger Zeit bekomme ich mein eigenes Bett in einem kleinen Raum des Kreißsaalbereichs und bin weiter pausenlos am CTG. Da ich sehr viel Durst habe, bekomme ich eine Flasche Wasser nach der Nächsten und muss trotzdem kaum zur Toilette. Selbst nach 6 Litern Wasser füllt sich meine Blase kaum merklich, stattdessen quellen meine Hände und Füße auf.

Ein unsympathischer Anästhesist kommt, bespricht mit mir alle Einzelheiten und geht nicht auf meinen Wunsch einer aufgespritzten PDA ein. Er kann sich auch nicht vorstellen, dass es bei Bambina bei einer primären Sectio so gemacht wurde. Da mein Blutdruck dieses mal aber nicht schwach, sondern zu hoch ist, kommt es üüüüüüberhaupt nicht in Frage. Also einigen wir uns auf eine spinale Anästhesie und ich hoffe inständig, dass keine Vollnarkose notwendig werden wird.
Der Kinderarzt, der direkt von der Intensivstation kommt, ist dagegen sehr freundlich und erzählt uns alles wichtige. Wichtige Punkte bei Frühchen sind wohl die Atmung, Hirnblutungen, Lungenentwicklung, Verdauung und der Kreislauf. Er sagt, dass unser Baby zwar deutlich kleiner ist, als es zu diesem Zeitpunkt sein sollte, es aber trotzdem gut ist, wie weit wir schon gekommen sind. Jeder Tag und jede Woche zählt, dennoch hätte unsere Elfe jetzt schon eine gute Chance… wobei es gerade ja alles nur zur Sicherheit ist und es gerade ja wieder gut aussieht. Er verabschiedet sich damit, dass wir uns hoffentlich erst in ein paar Wochen oder gar nicht wieder sehen und lässt mich hin & hergerissen zurück.
Der ganze Tag ist so ein auf & ab der Gefühle, dazu die starken Schmerzen und der Bambivermissungsschmerz. Sie darf am Nachmittag zwar kurz zu mir, doch bleiben kann sie natürlich nicht.
Inzwischen sind auch alle Blutwerte da und ich kann eine Infusion mit Paracetamol haben. Da es nicht wirkt & sich die Schmerzen weiterhin steigern, bekomme ich anschließend 50 mg Dolantin intravenös, was den Schmerz zumindest für 20 Minuten etwas lindert. Etwas später gibt es dann noch mal Paracetamol.
Dazwischen ist ständig eine Hebamme, oder die blonde Ärztin bei mir, um zu schauen ob es etwas neues gibt. Irgendwann fragen wir, ob wir nun davon ausgehen können, dass es heute nicht mehr zur Geburt kommen wird, was unter Vorbehalt bestätigt wurde. Das CTG sieht im Vergleich wieder klasse aus, mein Blutdruck hat sich wieder gefangen und auch sonst passt alles irgendwie. Ich habe zwar 2600 Protein-k-irgendwas im Urin, was wohl sehr hoch ist und alles muss gut beobachtet werden, doch heute muss die Elfe nicht mehr geholt werden.
Sollten alle Werte eine Woche lang super sein, dürfte ich auch wieder nach Hause bzw. könne man noch mal darüber sprechen, aber auch da wird man bei mir wohl genauer schauen. Einfach weil ich schon eine Gestose habe und unsere Elfe kaum gewachsen ist oder zugenommen hat.
Mir ist das alles zu viel und ich bin nur noch am weinen.
Wieso kann sich dieses Kind denn nicht entscheiden? Warum bringt es mich in die Situation nicht zu wissen ob ich auf eine Geburt oder ein durchhalten hoffe? Klar, ohne Probleme etc. wäre ich liebend gerne bis Dezember schwanger, doch für heute reicht es einfach und ich kann nicht mehr… 🙁

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Bis 18 Uhr hänge ich durchgehend am CTG, dann gibt es eine Stunde Pause & anschließend bin ich bis zur nächsten Pause um 21 Uhr wieder dran. Von 22 – 23 Uhr wird die letzte Stunde geschrieben und da sich unsere Elfe wieder gefangen hat, habe ich die komplette Nacht Ruhe davor, muss sie aber dennoch im Kreißsaal verbringen.
Mein Held fährt zum schlafen nach Hause, ich richte mir den Nachttisch heimelig her & klein Bambi zeltet im Zimmer der Vorlesetante mit unendlich vielen Kuscheltieren. Hoffentlich ist morgen ein besserer Tag!

7 comments

  1. Ohjeh, das ist furchtbar. Ich kann es gut verstehen, dass du nur noch genervt und verzweifelt bist.
    Keine klare Aussage zu bekommen, das finde ich auch unerträglich.

    Ich hoffe, dass es sich zum Guten wendet, auch wenn das Elfchen jetzt schon geholt werden muss.

    Ich wünsch euch allen viel Kraft und Mut für diese Zeit.

        1. Mach Dir keinen Kopf, kannst Du gar nicht wissen.
          Hier komme ich erst bei 27+2 zur Geburt und habs ja auch noch nicht verraten 😉
          Ich will in meiner Reihenfolge nicht durcheinander kommen, weil ich sonst viel vergesse. Daher hat es sich nun so gezogen, obwohl unser Elf schon 3 Wochen alt ist 🙂

          Uns geht es so weit ganz okay. Der Kleine hatte einen ziemlich schweren Start und gerade bin ich auf dem weg in die Uniklinik… er wurde um 6 zum vierten Mal intubiert, weil es ihm in der Nacht immer schlechter ging und er mit Pech eine Lungenentzündung hat 🙁

          Wir sind dementsprechend gebeutelt, es waren jetzt insgesamt eine in 3 Wochen, in denen wir nicht hoffen und bangen mussten.

          1. ohhhhhhh, gratuliere, drei Wochen ist er jetzt schon….

            und er scheint ja ein echter Kämpfer zu sein.

            Das mit der Lungenentzündung ist natürlich saublöd 🙁

            Für dich bzw. euch ist es bestimmt anstrengend, weil ihr dauernd in Alarmbereitschaft seid. Und die Fahrerei zur Klinik ist ja auch anstrengend, weil auch zeitraubend.
            Ich hoffe, dass bald alles gut ist und ihr einer entspannteren Zeit entgegenschauen könnt.

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