„So tief würd ich nicht sinken wollen“

Eigentlich sollte am Wochenende ja meine erste eigene Blogparade zu einem ganz tollen Thema beginnen, doch nach einem neuen Tiefpunkt durch Elijha, wollen meine Gedanken zu Worten werden. Dann eben im Laufe dieser Woche – Vorfreude ist bekanntlich eh die schönste Freude 😉

Naja Mittelalter war des so.

Manchmal bin ich so doof, dass ich mich auf Gespräche einlasse, die nicht gut enden können. Obwohl ich es weiß, kann ich es nicht lassen und muss einfach antworten – immerhin redet er so länger mit mir als sonst. Nachdem er mir letztens sagte, dass ich mich damals „für den falschen entschieden“ habe, ging es dieses mal darum wie tief ich doch gesunken sei. Immerhin wäre ich mal eine stolze Frau gewesen, die auf eigenen Beinen stehen wollte und nun lebe ich mehr oder weniger von meinem Helden.
Abgesehen davon, dass er mich nie als stolze Person kennengelernt hatte, mag ich mein Leben als „stay at home mum“. Ich liebe es die Entwicklung unserer Tochter voll und ganz erleben und den ganzen Tag mit ihr verbringen zu können. Nebenbei bemerkt bin ich u.a. auch wegen ihm weiterhin erwerbsunfähig

„So tief würd ich nicht sinken wollen“

Ich bin froh, dass ich nach jahrelanger Qual endlich verstanden habe, dass ein Abschluss mich nicht ausmacht. Auch ohne Abitur und Studium bin ich ein wertvoller Mensch – es gibt so viel wichtigeres im Leben, als ein auf Papier gedrucktes Zertifikat. Wenn Elijha nun meint ich sei ein schlechtes Vorbild, weil ich mich momentan nicht darum kümmern kann und mein Abi vorerst „abgebrochen“ habe, kann ich nur müde lächeln. Ist es nicht viel wichtiger, dass ich klein Bambi Werte vermittle & ihr Tag für Tag zeige wie wertvoll und geliebt sie ist? Ich kann ihr keine Vektorrechnung erklären, Physik nicht beibringen und Geo langweilt mich zu Tode, doch das kann auch mein Held übernehmen. Bei ihm sieht sie den Weg des Studiums und der eventuellen Karriere, was ihr jetzt allerdings noch reichlich egal ist.

„die Einstellung kann ich auf jeden Fall nicht verstehen.“

Dafür kann ich ihr vorleben, dass man sich nach einem Sturz wieder aufrafft und weiter macht. Zeigen, dass das Leben auch mit Krankheit & Behinderung wundervoll sein kann und es sich lohnt es zu leben.
Es gibt so viele Mamas, die kein Abitur gemacht haben und dennoch ein gutes Vorbild für ihre Kinder sind, wieso sollte es bei mir also anders sein? In mir werden meine Kinder später zwar keine Karriere sehen, aber eine Frau, die nicht aufhört für ihr Leben zu kämpfen und das Beste aus all den Kleinigkeiten macht. Trotzdem haben mich die vielen Worte verletzend getroffen, immerhin ist es ein ganz schön wunder Punkt und ich bin mir lang nicht so sicher, wie ich jetzt vielleicht klinge.

Bin ich vielleicht doch ein schlechtes Vorbild? Werden meine Kinder Schulversager werden, weil Mama keinen besonderen Abschluss hat und nicht arbeitet? Werden sie sich als Vorbild nehmen, dass man auch ohne Arbeit durchkommt, wenn man den richtigen Mann an seiner Seite hat? Und werden sie mir glauben, dass ich nicht des Geldes wegen mit ihrem Papa zusammen bin?

„is kein Wunder das ihn net verlässt sonst hättest ja auch kein Geld mehr“

Doch auch ohne meinen Helden gäbe es Mittel und Wege für mich. Es muss schlimm sein, aus finanziellen Gründen an einen Mann gebunden zu sein, mit dem man sein Leben eigentlich nicht verbringen möchte…. auch wenn Elijha vielleicht insgeheim hofft, dass ich unglücklich mit meinem Leben und der Entscheidung für meinen Mann bin.
Ich bin nicht stolz darauf, nicht für unseren Lebensunterhalt aufkommen zu können und würde sehr gerne arbeiten können. Allerdings bin ich nach 4 Jahren bei meinem Therapeuten so weit, dass ich es akzeptieren und Körper & Seele seine Zeit lassen kann. Mein Leben ist noch nicht vorbei und wenn die Zeit gekommen ist, kann ich mein Abitur immer noch nachholen, eine Ausbildung machen, oder selbstständig arbeiten. Daran muss und versuche ich zu glauben, denn was bringt es mir mich am gesundheitlichen Schulversagen aufzuhängen?

„Ich finds nur krass wie negativ man sich verändern kann.“

Nach einigen Tagen nachdenken, beobachten und Zeit verstreichen lassen, weiß ich wieder, dass es klein Bambi gut geht. Sie interessiert es nicht, welche Zertifikate ihre Mama in der Tasche hat und ob mein IQ nun bei 40 oder 200 liegt.  Ihr ist es wichtig, dass man sich um sie kümmert, sie versteht und ihr Liebe entgegenbringt – und genau das tue ich. Mit gutem Gewissen und ein wenig Stolz, dass ich mich dafür entschieden habe das Beste für mein Kind zu wollen, anstatt mich mit dem Abitur zu Tode zu quälen, worunter letztendlich jeder von uns gelitten hätte.

Und wieder einmal frage ich mich, wieso er mich ständig aufs Neue verletzten muss… 🙁

5 comments

  1. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie verletzend das für dich sein muss. Manchmal ist aber für jemanden da zu sein wichtiger als das Kind von anderen aufziehen zu lassen. Und das Kind trauert, weil die Mutter keine Zeit hat. Zumal du doch für deine Vergangenheit auch nichts kannst.

  2. Meine Liebe,
    Menschen können aus jedem Lebensweg etwas Negatives ziehen. Lass dich nicht unterkriegen und rechtfertige dich nicht für dein Leben, euer Leben und genießt eure gemeinsame Zeit.

  3. Für mich klingt es so, als hätte er bei seinen Aussagen erhofft, dass du ihm zustimmst. Also ihm gegenüber „zugibst“, dass er in allem recht hat und du dich damals hättest anders entscheiden sollen.
    Jeder Mensch hat, wie schon öfter erwähnt, seinen eigenen Erziehungsstil und seine eigenen Denkweisen, da hat dir auch niemand reinzureden, denn es ist deine Entscheidung und da musst du dir von niemanden reinreden lassen. Gerade nicht von ihm, weil all diese Dinge absichtliche Provokationen sind, um dich wieder unten zu sehen.
    Und eins kann ich dir sagen… du hast dich nicht ins Negative verändert, im Gegenteil. Du hast im Laufe des Jahres an so viel Mut, Willenstärke und Kraft dazugewonnen und wir sind alle wahnsinnig stolz auf unsere Lena. 🙂 Dass es für ihn negativ ist, ist ja klar…
    Du wirst deinen Weg gehen, und wenn dieser mal etwas steinig ist- hauptsache du kommst ans Ziel und dass -du- mit deinem Leben zufrieden bist.
    Es gibt weitaus „schlimmeres“, als dass nur ein Elternteil arbeitet. Das sagt gar nichts aus und hat ja auch nichts mit Faulheit zu tun.. sieht man ja zB momentan auch an unserer Situation, wo ich als Frau allein verdiene.
    Ich werd auf jeden Fall immer hinter dir stehen und dich auffangen und da bin ich nicht die Einzige!

  4. Lass den Idioten reden.
    Du hast zwar kein abgeschlossenes Abitur (ich übrigens auch nicht) aber du hast Lebenswillen! Du hast deinen Helden, der dich und Bambi liebt! Du hast Bambi, die zu Ihrer Mutter aufblickt, egal ob Abitur oder nicht. Sie liebt dich und sie weiß, dass du immer für sie da bist!
    Du hast das präventiv, dass du klein Bambi jeden Tag wachsen und lernen sehen kannst. Du erlebst, wie sie die große Welt entdeckt. So stolz auf das was du hast! ♡
    *umarm*

  5. Das sind sehr verletzende Aussagen, die mich schon von einem mir weniger nahestehenden Menschen sehr verletzen würden. Ich hoffe ihr könnt in Ruhe noch einmal über alles reden. Vielleicht kannst du ihm dann deine Sicht der Dinge erklären und deutlich machen, dass du dich nicht aufgegeben hast, sondern die Zeit j e t z t für wichtigere Dinge da ist, als für Abschluss und Studium.

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