Sorgen, Verzweiflung, Ärztemacht

 

Über 3 Stunden Uniklinik, für 10 Minuten bei einer Hebammenschülerin, 10 Minuten Ultraschall und weiteren 10 Minuten „Gespräch“.
Anschließend wusste ich wieder, weshalb ich die hiesige Uni niemals freiwillig als Entbindungsklinik gewählt hätte und auch nur widerwillig der dortigen Betreuung zugestimmt habe. Denn es ist genau das passiert, was wir damals bei Bambina schon erleben mussten… mit dem Unterschied, dass ich dieses mal nicht so hingestellt wurde, als hätte ich nicht genug Geduld um bis Dezember auszuhalten.
Damals hieß es beim ersten Termin in der 29. SSW, dass man unser Bambinchen eventuell früher holen würde, wenn sich mein Zustand nicht verbessert. Die damalige Schwangerschaft hatte meinen Körper und mein Herz so sehr belastet, dass ich kaum noch essen konnte, ohne anschließend in Ohnmacht zu fallen, oder eine Herzfrequenz von 200 und mehr zu haben.
3 Wochen später waren wir erneut dort und eine andere Ärztin bezeichnete uns als unverantwortlich, da man ein Kind frühestens 39+0 holen würde – alles andere wären Frühchen mit geringer Chance und wir seien nur zu ungeduldig um die Geburt unseres Kindes zu erwarten. Sie wollte mich wenige Wochen vor der Geburt noch auf Betablocker einstellen lassen und verordnete mir bis zu 4 GRAMM Paracetamol + Tramal am Tag, da ich zusätzlich unheimlich Schmerzen hatte.
Nach weiteren 2 Wochen ging es mir dann zum Glück so weit besser, dass die letzten Wochen gut lebbar waren. Ich selbst wollte nie unbedingt, dass unser Bambinchen früher geholt wird, sondern hatte einfach auf Hilfe gehofft… vor allem da die erste Ärztin eine frühere Geburt in Betracht gezogen hatte.

Bei unserer Elfe lief es nun leider ähnlich, denn die eine Hand weiß nicht was die Andere macht und so stehe ich nun hilfloser dar, als zuvor.
Vor einer Woche waren wir zur 4. oder 5. Feindiagnostik, die wieder die Leitung der Pränataldiagnostik, Geburtsmedizin und des Kreißsaals durchgeführt hat. Eine wirklich liebe und sehr kompetente Ärztin, die ich eigentlich sehr gerne mag.
Beim letzten Termin haben wir endlich die lange ersehnte 25. SSW erreicht und eigentlich sollte ich in diser Woche auch die Lungenreife bekommen, um für den Fall vorbereitet zu sein, dass die Elfe plötzlich schnell geholt werden muss. Doch da der Zustand der Elfe zum ersten mal stabil war und die Spritzen den Blutzuckerspiegel – der sich nun endlich eingependelt hat – durcheinander bringen würden, wurde es mit den Worten „hoffen wir, dass es dann noch reicht“ um eine Woche verschoben.
Außerdem besprachen wir, wie es weiter gehen soll und sie sprach sich eindeutig dafür aus, dass sie mich auf jeden Fall jede Woche in der Uni sehen möchte. Je nach Entwicklung auf 2 – 3 x die Woche – alternativ hätte ich auch direkt stationär aufgenommen werden können, was für mich aber erst in Frage kommt, wenn es gar nicht mehr anders geht. So lange es mich nicht stresst häufig zur Untersuchung zu kommen, wäre eine ambulante Betreuung auch für sie vollkommen okay.
Ein Spezialschall – die Termine bei ihr – wären verständlicherweise aber nicht bei jedem Termin notwendig.
Alles weitere sollte nun gestern besprochen werden, da unser Bambinchen bei der Oma einen kleinen Unfall hatte und wir recht spontan aufbrechen mussten.

Gestern war dann also der besagte „nächste Termin“ und nichts lief so, wie es laufen sollte.
Direkt bei der Anmeldung wurde ich gefragt, weshalb ich denn in einer so frühen Schwangerschaftswoche schon wieder zur Untersuchung in die Ambulanz kommen müsse, wobei ich mir allerdings noch nichts dachte. Man kann ja nicht erwarten, dass die Hebamme am Empfang über alles Bescheid weiß und so setzte ich mich nach draußen auf die Wartestühle. Einige Zeit später kümmerte sich eine Hebammenschülerin darum, meinen Blutdruck zu messen, das aktuelle Befinden aufzunehmen und nach den Herztönen zu hören.
Dann saß ich wieder auf dem Flur und wartete 2 weitere Stunden, bis die junge Assistenzärztin mich aufrief und in ein Besprechungszimmer holte. Dort schaute sie in meine Akte, meinte dass unser Kind ja recht klein sei und sie wohl scheinbar noch mal nach der Größe schauen solle… ich berichtete zwar, dass die Leitung mich nun wöchentlich in der Uni sehen möchte, wovon sie aber wohl nichts wusste. Dass sie grundsätzlich keine Ahnung von uns hatte, wurde mir spätestens klar, als sie nicht auf meinen Blutdruck einging, der zwar theoretisch besser ist aber nun sehr schwankt und somit nicht in dem Bereich liegt, in dem er bei mir liegen soll. Als sie mir dann noch eine Diät für den Blutzucker verordnete, obwohl ich in einem Diabeteszentrum in Behandlung bin und die Werte gerade super sind, hätte es klarer nicht sein können.
Anschließend ging sie mit mir erneut alle meine Diagnosen und Medikamente durch, was die Woche zuvor schon mehrmals gemacht wurde und brachte mich dann direkt ins Ultraschallzimmer. Dort schaute sie nach dem Herzchen, der Versorgung des Gehirns und der Größe von Kopf, Oberschenkelknochen und Bauchumfang. Ich bat sie darum, die Wachstumskurve selbst zu sehen und um einen Ausdruck mit den Maßen, woraufhin sie mir erklärte, dass es überhaupt kein Problem sei und sie mir die Kurve noch zeigen würde. Schon war der Ultraschall zu Ende und es ging nach kurzer Wartezeit wieder in das Besprechungszimmer, wo sie mir offenbarte, dass die Elfe zwar wenig, aber immerhin gewachsen sei und mir ein paar aufgeschriebene Werte vorlegte. Keine Kurve, nur Millimeterangaben im Vergleich zu den Maßen vor einer Woche. Es gehe ja immerhin nur darum, dass das Baby wächst und auch die Versorgung gewährleistet ist… genaueres ist nicht von Bedeutung. Schön, für MICH aber nun mal schon! 🙁
Ich fragte nach der Lungenreife, die nun ja schon seit einiger Zeit im Gespräch ist und eigentlich fest eingeplant war, doch da ich keine Wehen oder Blutungen habe, sei das nun momentan nicht notwendig und ich soll einfach regelmäßig zur Kontrolle kommen. Ob ich nun aber jede Woche in die Uni gehe, oder im wöchentlichen Wechsel mit meinem Frauenarzt, seit letztendlich meine Entscheidung. Allerdings müsse ich selbst abklären, ob mein Arzt denn überhaupt weiß, auf was er achten müsse. Bäm – ich saß da und verstand die Welt nicht mehr. Bis gestern ging es nicht ein einziges mal um Wehen oder andere Frühgeburtsbestrebungen… es stand auch nie zur Debatte, dass mein Körper die Schwangerschaft von sich aus zu früh beenden würde, sondern immer um die von ärztlicher Seite eingeleitete Frühgeburt. Ich fragte also, ob ich dann anhand der aktuellen Entwicklung und den gestrigen Werten davon ausgehen kann, dass die Elfe nicht in den nächsten 2-3 Wochen geholt werden muss, was sie verneinte. Schließlich hätte es theoretisch gestern Abend schon anders aussehen können und es kann jederzeit sein, dass das Baby schnell geholt werden muss. Jaaa…. das wusste ich ja eigentlich… das ist auch der Grund, weshalb ich die Lungenreife bekommen sollte… doch sie war sich ihrer Sache sicher, dass die Leitung sicherlich nur im Falle einer möglichen Geburt vorbereitet sein wollte.
Nun frage ich mich natürlich, ob das nun nicht mehr der Fall ist, wenn man doch nicht sagen kann, wie lange es sich hält?

Wir müssen nun eben regelmäßig schauen, abwarten und dann den Abstand eventuell wieder auf 14 Tage erhöhen. Das war der Moment, indem innerlich alles einzustürzen drohte. Sie meinte, dass es unserer Elfe noch „okaaaay“ geht… das heißt für mich, dass es dem Baby zumindest nicht schlecht geht – was mich unheimlich freut. Aber das Gezerre, das hin & her und die Sorge nun auch noch um die ordentliche engmaschige Betreuung kämpfen zu müssen, macht mich einfach fertig.

Seit 16 Wochen leben wir nun schon mit dem Wissen, dass man nur abwarten kann auf 24+0 hin… an diesem Meilensteintag wird uns gesagt, dass es nun endlich so weit ist, dass man sich im Falle einer Frühgeburt um das Kind kümmern würde. Dass die Lungenreife auf jeden Fall notwendig ist und man schauen und hoffen müsse, dass die kleine Elfe so lange wie möglich durch hält.
16 lange Woche in dem Wissen, dass unser Baby einfach sterben könne… dass es vielleicht schwerkrank oder gar nicht lebensfähig ist… dass man aber nicht weiß woran es liegt und somit auch nichts sagen könne. Monate mit der Gewissheit, dass wir ein Fall mit seltener Ausprägung sind und man ab 24+0 engmaschig kontrollieren müsse… und dann kommt eine Assistenzärztin daher, die genau das erst seit einem Monat ist und will mir erklären, dass sie uns dann vielleicht gerne wieder auf einen Untersuchungsabstand von 14 Tagen legen will?? Ohne, dass sich die Situation positiv verbessert hat, hebelt sie einfach mal schnell alles aus, was zuvor mit der Leitung besprochen war?
Und sofort war mir klar, weshalb ich niemals nicht in die Uniklinik wollte… die meiste Zeit der Schwangerschaft war ich die Ruhe in Person und habe abgewartet, zwischendurch siegte die Angst und ich war ziemlich deprimiert, doch seit gestern gleicht es einem Albtraum der nicht enden möchte. Nach dem Termin war ich so fertig mit den Nerven, wusste nicht weiter und legte mich erst mal schlafen. Am Abend sprach ich mit meinem Helden und postete auf Instragram, was mir neuen Mut zum Kämpfen gab (ich danke Euch von Herzen <3).
Denn seit gestern stehen wir gefühlsmäßig von medizinischer Seite wieder alleine da. Ich habe einen Frauenarzt, der schon vor 2 Monaten sagte, dass er mit unserem Fall überfordert ist und so etwas noch nie hatte… einen Arzt, der aufgrund der vielen Feindiagnostikschalls im Abstand von 14 Tagen der Meinung war, dass eine Vorsorge so lange nicht notwendig sei. Also habe ich selbst Blutdruck und Urin kontrolliert, mich um eine Langzeitblutdruckmessung bei meinem Hausarzt gekümmert, im Krankenhaus eine Gestose ausschließen lassen und Termine beim Diabetologen wahrgenommen.
Dann kam ich zur weiteren Feindiagnostik in die Uni, lernte die wahnsinnig liebe Pränataldiagnostikerin kennen und hatte nach dem zweiten Termin endlich nicht mehr das Gefühl von den Ärzten alleine gelassen in der Luft zu hängen. Ihre Pläne klangen plausibel, alles war logisch und ich konnte endlich wieder zur Ruhe kommen. Bis gestern… denn mit einem mal wurde uns die gerade gewonnene Sicherheit und das Gefühl, dass sich jemand kümmert einfach so wieder genommen. Schon hängen wir wieder in der Luft… mehr als je zuvor und aus meiner gestrigen Gelähmtheit wurde eine tiefe Traurigkeit, vermischt mit einer kleinen Verzweiflung. Doch dank der lieben Menschen, die mir so viel Mut machten, werde ich heute Abend oder Morgen früh eine E-Mail an die Leitung schreiben und hoffen, dass wir dann doch wieder etwas weiter kommen. Denn so kann es definitiv nicht bleiben…. 🙁

Besorgt. Gebeutelt. Traurig. Verzweifelt. Und doch voller Freude über unser kleines Elfenkind <3

Emotionaler Text. Fehler nicht korrigiert.

12 comments

  1. Och Süße, das ist doch ein übles Gezerre und immer diese ewige Warterei 🙁
    Was ich aber toll finde ist, dass es dem Elfchen anscheinend ganz gut geht, dass es wächst und dass die Assistenzärztin, die vielleicht nicht den kompletten Hintergrund kennt, deine Schwangerschaft für so normal erachtet, dass sie einen längeren Beobachtungszeitraum für ausreichend und die Lungenreife für unnötig hält. Ich weiß, das ist in deiner Situation total blöd, aber mich macht das hoffnungsvoll.
    Ich drücke auf jeden Fall weiterhin die Daumen, je länger das Elfchen nicht geholt werden muss, desto besser!
    Und noch was: ich finde du machst das trotz der ganzen Widrigkeiten großartig, so wie du dich um alles kümmerst!

    1. Mich freut es unheimlich, dass das kleine Elfchen entgegen jeder Erwartung auch jetzt noch wächst und hoffe, insgeheim weiter, dass wir bis Dezember kommen.
      Sie meinte der Elfe geht es noch „okaaaay“…. ich dachte auch gar nicht, dass es sich nun plötzlich dramatisch verschlechtert hat oder so, immerhin spüre ich das Zwerglein endlich <3
      Aber das hin & her macht mich langsam wahnsinnig… vor allem da ich eigentlich nur noch zur Leitung komme, wenn die in der Ambulanz mich zum Spezialschall schicken… was regelmäßig notwendig wäre, aber die Assistenzärztin wohl nicht weiß 🙁
      Mir macht vor allem der Termin letzte Woche Hoffnung, das Risiko kenne ich trotzdem und mag nicht auch noch darum kämpfen müssen, ordentlich engmaschig betreut zu sein 🙁
      Danke für Deine Worte <3

  2. Also erst mal freut es mich auch, dass es der Elfe wohl so weit ganz gut geht und natürlich drücke ich auch weiterhin die Daumen.
    Wenn ich von solchen Ärzten höre, könnte ich glatt in die Luft gehen. Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass man so mit (schwangeren) Patientinnen umgeht! Sie kann doch nicht einfach abtun, was die Leitung sagt – das muss doch in deiner Akte vermerkt sein. Und dann erst dein Frauenarzt… also echt. Ich bewundere deine Ruhe, ich wäre wohl schon lange explodiert… Ich drücke ganz fest die Daumen, dass sich nach deiner Mail alles zu deiner Zufriedenheit einrenkt.
    Ich sende dir auch wieder ganz viel Kraft!

  3. Den Worten von xayriel ist kaum was hinzuzufügen. Kämpfe um Dein Recht auf engmaschige Betreuung, rede notfalls Klartext, so wie hier, und in Kombi damit, dass das Elfchen weiter wächst, ist das ja schon mal ne gute Grundlage :).

    1. Es ist einfach wundervoll, dass die kleine Elfe die Elfe noch wächst. Jetzt waren es ein paar Millimeter und wie liegen sehr weit zurück, aber sind nun in der 26. SSW und das Zwergchen lebt, wächst und bekommt mehr Kraft. Kleines Wunderkind <3
      Mir ist bewusst dass es sich jederzeit ändern kann und man so gar nichts weiß, doch wir kommen dem höheren Chancen von Tag zu Tag näher.
      Für die engmaschige Betreuung werde ich mich aber einsetzen, denn nur so könnte rechtzeitig reagiert werden.

      Uns dazwischen versuche (!) ich mich einfach über das kleine Kämpferchen zu freuen 🙂

  4. Ich bewundere deinen Kampfgeist und den eisernen Lebenswillen der kleinen Elfe. Ihr schafft das bestimmt :-). Zu der Uniklinik: Du musst darauf bestehen, weiterhin von der Leiterin behandelt zu werden und dass dein Fall auf gar keinen Fall an immer unterschiedliche Ärzte abgegeben wird. Ich würde dort noch einmal anrufen und einen neuen, expliziten Termin mit der Ärztin machen. Lass dich nicht abspeisen und verunsichern. Es ist dein Recht die bestmögliche medizinische Versorgung zu erhalten!

  5. Ach du meine Güte…..dieser Stress ist gerade das, was du am wenigsten brauchen kannst.

    Da möchte man doch mal mit dem Hammer reinhauen.
    Es ist gut, dass das Elfchen gewachsen ist, das zeigt, sie strengt sich an und tut alles, was sie kann.

    Ich selbst bin übrigens eine 31. Woche, ohne jegliche ärztliche Hilfe geboren, ohne Intensivstation, meine Mutter nahm es, wie es kam und ich bin kerngesund.

Sag mir Deine Meinung :)

%d Bloggern gefällt das: