Tieropfer – ein grausames No-Go?

So oder so ähnlich lautete der Inhalt einer Mail an unseren Pfarrer. Denn wenn Gott Tieropfer verlangte, um den Menschen von seiner Schuld zu befreien, kann er ja nicht so unfehlbar sein. Dachte ich zumindest.

Meine Geschichte beginnt mit einer christlichen Erziehung, von der ich jahrelang nichts wissen wollte. Es ist sehr viel vorgefallen, passiert und an diesen Gott konnte und wollte ich nicht glauben. 1,5 Jahre lang, war ich mit Leib und Seele Buddhistin. Diese Glaubensrichtung hat mir so unglaublich viel Kraft gegeben und mich durch eine der schwersten Zeiten meines Lebens getragen. Ich dachte ich würde an den mächtigen Wellen des Schmerzes zerbrechen und suchte einen Hoffnungsschimmer, an den ich mich klammern konnte. Auch heute sind die buddhistischen Grundgedanken noch meine Lebensweise. Für mich ist der Buddhismus allerdings schon lange kein Glaube mehr, sondern eher eine Art sein Leben zu gestalten. Eine Lebenseinstellung also.

Doch wie kommt ein Buddhist nun zu einem Pfarrer? Ganz einfach, nachdem mein Opa gestorben ist, habe ich allen Mut zusammen genommen und unserem Pfarrer geschrieben. Ich war so verzweifelt, alleine und hilflos. Ich wollte mit jemandem sprechen, der nicht zur Berufsgruppe Arzt oder Therapeut gehört. Einem Menschen, der mich persönlich kennt und bei dem nicht diese therapeutische Distanz besteht. Er antwortete mir auch sehr lieb und nannte mir einige Bibelstellen. Immer mal wieder schrieb ich ihm und dann bestand eine gewisse Zeit wieder kein Kontakt. Doch irgendwie war er immer da und greifbar. Allein die Art wie er sich mir gegenüber verhielt, bewirkte in mir etwas, dass mich das Thema Gott einfach nicht mehr los ließ. Christ werden und sein? Nein! Gedanken darüber machen, zweifeln, unsicher sein? JA!
Mein buddhistischer (zu dem Zeitpunkt noch) Glaube, verlor immer mehr an Glanz und ich spürte nach und nach, dass es nicht alles für mich ist und sein kann. Doch was mir fehlt, wusste ich nicht und kann es auch heute noch nicht wirklich sagen. Doch eines ist sicher, ich glaube daran, dass es einen Gott gibt.

Nachdem ich meine Herzensfrau kennenlernte und sie nach und nach zu einer lieben und wichtigen Freundin wurde, kamen auch wir beide immer wieder auf dieses Thema zu sprechen. Wir begaben uns gemeinsam auf den Weg und es fühlte sich schön an, nicht alleine mit seinen Gedanken zu sein. Regelmäßig tauschten wir unsere Andachten aus und irgendwie war & ist das Thema immer präsent.

Christ bin ich noch nicht, doch dass es mich nicht mehr los lässt zeigt, dass es mir nicht egal ist und ich es nicht mehr ignorieren kann.
Also habe ich mich gestern mit unserem Pfarrer getroffen, denn Tieropfer sind ein Punkt, den ich nicht einfach so hinnehmen kann. Wie kann ich einem Gott glauben, der in meinen Augen so grausames verlangt? Wie kann ich es ignorieren, akzeptieren und damit womöglich auch noch gutheißen? Schwierige Fragen und ein heißes Thema, doch ich gehöre nicht zu den Hardcoreveganern und bin auch sonst ein sehr toleranter Mensch. Ich akzeptieren jeden, der Fleich isst und sagt, dass er es gerne mag. Denn wir haben einen freien Willen bekommen und ich finde, man sollte jeden so leben lassen, wie es für ihn richtig ist. Abgesehen von Straftaten und vorsätzlichen Verletzungen natürlich, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir hatten ein sehr nettes Gespräch und es fühlt sich doch tatsächlich schon nicht mehr so grausam an. Denn was ich nicht wusste war, dass die Tiere in den seltensten Fällen einfach „nur“ geopfert wurden. Nachdem die Schuld der Menschen auf die Tiere übertragen wurde, wurden sie zwar Gott als Opfer gebracht, doch anschließend auch gegessen. Tiere die so oder so irgendwann geschlachtet worden wären also. Ob ich es nun gut heiße Tiere zu essen oder nicht, steht hier nicht zur Debatte, doch entgegen meiner Meinung, mussten die Tiere nicht direkt für die Schuld des Menschen sterben. Das eine wurde sozusagen lediglich mit dem anderen verbunden. So habe ich es nun zumindest verstanden.
Es war wohl auch eine Art Hilfe für die Menschen, mit ihrer eigenen Schuld umzugehen. So hatten sie das Gefühl, davon befreit werden zu können und sind wir mal ehrlich, die Abzocke mit dem Ablasshandel damals war auch nicht besser.

Auch die Geschichte im 2. Mose 12 , in der alle Erstgeborenen getötet wurden und nur die verschont blieben, die das Blut eines Lammes an die Türpfosten gestrichen hatten, finde ich schlimm. Doch wenn man die Geschichte genau liest, fällt einem auf, dass es an genau Bedingungen geknüpft war und das Tier auch hier nicht unnötig sterben musste. Nein, es sollte komplett verspeißt werden.
Dass nun sämtliche Erstgeborene getötet wurden, ist wieder eine andere Sache, doch darum geht es mir gerade auch nicht.

Mittlerweile gibt es keine rituellen Tieropfer mehr, da Gott selbst durch seinen Sohn auf die Erde kam und für all unsere Schuld gestorben ist.
Auch wenn ich nicht daran glauben kann, dass mir sämtliche Schuld tatsächlich vergeben ist und ich nicht im Fegefeuer schmoren muss.

Ich weiß nicht wo ich stehe, denn ich bin weiterhin auf der Suche, doch ich gehe meinen Weg. Die Zeit wird zeigen, wohin er mich führen wird, doch ich bin ganz zuversichtlich, dass es für mich richtig sein wird.

Danke für das schöne Gespräch mit Dir, lieber O.
Und an alle anderen, esst weiterhin Fleisch wenn es für Euch richtig ist, doch esst es mit Bedacht. Denn jedes Tier hat es verdient dafür geschätzt zu werden, dass es uns Menschen mit Nahrung versorgt 🙂

1 comment

  1. Manche Menschen kommen nie an einem Punkt an, an dem sie rundum zufrieden sind. Nicht weil sie undankbar sind, sondern weil sie sich immer weiterentwickeln wollen/müssen. Weil sie eben alles hinterfragen und nicht einfach akzeptieren!
    So wie mit den Tieropfern – gut zu wissen, dass es nicht aus Boshaftigkeit passiert ist, sondern aus Angst vor der eigenen Schuld; auf die Tiere übertragen.
    Du wirst Deinen Weg gehen das richtige für Dich finden :-* Wenn nicht, geht die Suche weiter, bis Du was zufriedenstellendes gefunden hast! <3

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