Der Umgang mit dem schlechten Gewissen!?

Seit ich vor Kurzem gefragt wurde, wie man mit dem schlechten Gewissen klarkommt, dass der Partner das Geld nach Hause bringt, während man selbst zu Hause ist, habe ich viel darüber nachgedacht.
Ja, wie kommt man denn eigentlich damit klar?
Die Frage setzt voraus, dass man sich überhaupt in der Situation befindet & nicht einfach nur keine Lust hat arbeiten zu gehen, denn dann lässt man sich ganz bewusst vom Partner aushalten. Ich gehe davon aus, dass man dann auch kein schlechtes Gewissen hätte…

Mein schlechtes Gewissen ist vor allem in den letzten Tagen sehr groß, denn der Held macht jetzt zusätzlich zu seiner Schule noch einen Nebenjob, dass wir ein wenig Geld zur Seite legen können. Immerhin wollen wir ja auch irgendwann noch kirchlich heiraten & mit unserem momentanen „Einkommen“ bleibt monatlich einfach nichts über.
Ich bewundere ihn sehr dafür und frage mich immer wieder, wie er das alles schafft?! Wenn ich ihm diese Frage stelle antwortet er meistens „Wie schafft das jeder andere gesunde Mensch?“ und im Grunde hat er Recht.

Ich denke man muss sich ganz bewusst machen, aus welchem Grund man finanziell nichts beisteuern kann & sich damit vom Partner abhängig macht. Von meiner Seite kommt lediglich mein Kindergeld, das ich aufgrund meiner Behinderung & der damit verbundenen Unfähigkeit für meinen Lebensunterhalt zu sorgen bekomme. Sozialhilfe beziehen haben wir nie bezogen und somit war er schon von Anfang an dafür zuständig uns zu ernähren.

In besseren Phasen würde ich meinem Helden liebend gerne unter die Arme greifen, doch da ich kaum leistungsfähig bin & nach einem anstrengenden Tag ca. 5-7 Tage zur Erholung brauche geht es einfach nicht.
Seit ich vor 6 Jahren meinen Schulabschluss gemacht habe, herrscht in meinem Lebenslauf gähnende Leere. Zwischendurch mal ein Jahr von der Schulpflicht befreit, 1,5 Schuljahre überhaupt nicht in der Schule, Hausunterricht, die letzten beiden Jahre 1-2 Stunden Schule pro Tag/halbe Woche, Abschlussprüfung unter Sonderbedingungen etc.
Immer wieder versuche ich mich erneut an meinem Fernabitur oder dem Lehrgang zur Ernährungsberaterin, doch meistens schaffe ich es leider nicht.

Meinen Helden stört es nicht, denn er wusste es. Kennengelernt hat er mich im Rollstuhl mit künstlicher Ernährung & geheiratet als ich einen Gdb (Grad der Behinderung) von 100% hatte. Es ist seine Motivation eine ordentliche Bildung und einen guten Arbeitsplatz zu bekommen. WIR sind seine Motivation & immer wenn ich wieder mal ein großes schlechtes Gewissen bekomme, oder mir unbedingt einen 400€-Job suchen will, sagt er ich soll mir keine Gedanken machen. Immerhin wusste er auf was er sich einlässt und wenn das nicht gewollt hätte, hätte er mich nicht geheiratet.
Wohl wahr, doch dem schlechten Gewissen ist das in so Situationen egal.

So und wie kommt man nun mit dem schlechten Gewissen klar?
Ich persönlich sage mir, dass ich ihm eine wundervolle Tochter geschenkt habe & versuche ihn mental so gut es geht zu unterstützen. Außerdem mache ich einen großen Teil seines Papierkrams und versuche ihm so gut es geht ein liebevolles zu Hause zu bieten.
Man kann es nicht miteinander vergleichen & auch zu Hause brauche ich sehr oft seine Hilfe, doch ich tue was ich kann & das schätzt er sehr.

Ich dagegen bin ihm sehr dankbar für alles!
Wir hatten wirklich schon einige Tiefpunkte während unserer Beziehung, doch wir haben immer zusammengehalten.
Und auch jetzt, wo ich körperlich & psychisch eine schwierige Zeit durchlebe ist er voll und ganz da!

Danke dass es Dich gibt mein Held & danke dass Du mir immer wieder sagst, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss! <3

(falls jemand fragen möchte was ich denn genau habe, den Beitrag darüber habe ich schon angefangen zu schreiben ;-))

12 comments

  1. Ich denke nicht, dass du ein schlechtes Gewissen haben musst.
    Vor allem da er ja sich ja bewusst darauf eingelassen hat und ja auch nicht verlangt, dass du mit verdienen sollst.
    Außerdem hast du als Mama doch auch eine rießige Aufgabe.
    Das man dafür nicht mehr Geld bekommt ist ungerecht, denn ich find Mama sein manchmal viel anstrengender als es das Arbeiten früher war.

    1. Das mit dem schlechten Gewissen ist so eine Sache, denn ich weiß ja eigentlich, dass ich keins haben muss. Ab und an kommt es dann allerdings doch wieder.
      Vor allem wenn ich daran denke, dass es finanziell wesentlich besser wäre, wenn ich arbeiten würde. Aber er weiß immerhin genauso wie ich, dass es nicht geht…

      Aber Du hast vollkommen Recht & ich finde es toll das noch mal so zu lesen. Danke <3 🙂

      (Mama sein ist aber auf der anderen Seite richtig toll & mein Held hilft mir da auch sehr viel. Ist ja auch seine Tocher ;-))

  2. Hach… was für ein schöner aber nachdenklich machender Blog! 🙂 Toll so einen wunderbaren Mann gefunden zu haben, oder? Gibt nicht viele solche. Und zuhause hast du auch jede Menge zu tun, also stell mal dein Licht nicht unter den Scheffel!
    Ich würde es auch tun für einen Mann und es wäre mir genauso viel wert dann in ein liebevolles zuhause zu kommen, da müsste sich niemand ein schlechtes Gewissen machen! Und ja, ich hoffe das ich irgendwann auch mal Mama werde 🙁
    *drück dich*

  3. Ihr macht das schon und habt meine Bewunderung. Ich kenne die Position, wegen eigenen Defiziten nicht genug beisteuern zu können und auch genau jetzt kündigt sich wieder so eine Phase an, da ich wohl ab November keine Arbeit mehr haben werde und nichts tun kann! Das wichtigste ist, dass man zusammenhält und gemeinsame Ziele verfolgt. Und respektiert, was der andere -jeder auf seine Art und Weise- leistet!

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