Von Krankheit und der gar nicht so sinnlosen Sinnlosigkeit

Da mich gestern Morgen ganz unerwartet ein neues Tief überfallen hat und ich dieses Mal nicht darin versinken möchte, werde ich Euch ein wenig davon erzählen. Von der Krankheit und warum ich dieses Leben manchmal einfach nicht mehr leben möchte.

Ich weiß nicht wie lange es her ist, kann es kaum noch zählen und mich erst Recht nicht daran erinnern, wie lange mich diese schwarze Wolke schon begleitet. Sehr jung lernte ich das Leben mit Krankheiten kennen und wuchs erst nach und nach so richtig in dieser große schwere Rolle hinein. Als Kind nimmt man das alles noch nicht ernst, als Teenie will man von all dem nichts wissen und als Jugendliche beginnt man vollkommen gegen sich selbst und das eigene Leben zu rebellieren. So oder so ähnlich war es zumindest bei mir.
Früher… ja früher da war alles anders. Da konnte in meinem kranken Dasein versinken und keinen hat es gestört, ob ich nun durch Selbstmitleid noch ein wenig kränker wurde, oder durch emotionale Gewalt auch seelisch immer weiter in den dunklen Sumpf der Selbstzerstörung rutschte. Da waren runterziehende Freunde und so viele traumatische Erlebnisse, die mich schon in sehr jungen Jahren zu brechen versuchten.

Lange, sehr sehr lange hat es gedauert, bis ich begriff, dass ich selbst dafür verantwortlich bin was ich aus meinem Leben mache. Es ist ganz allein meine Entscheidung, ob ich weiterhin vor mich her lebe, oder ob ich mein Leben selbst in die Hand nehme. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht eine Person zu suchen, die die Schwierigkeiten für mich lebt und mich aus den Tiefen des schwarzen Lochs zieht. Ich suchte und suchte ohne Ende, ohne zu bemerken, dass es ein sinnloses Unterfangen ist und ich diese Verantwortung niemand anderem übertragen kann & darf. Es ist zu viel verlangt, diese eine Person mit all dem zu belasten was so schwer auf mir liegt und dann auch noch zu erwarten, dass sie mir hilft. Nein, ich musste erkennen, dass es diese Person nicht gibt und niemals geben wird.
Eine gewisse Zeit lang hatte ich eine Person, die einen Teil dieser Last für mich übernommen und getragen hat… doch der Preis den ich dafür zahlen musste war hoch. So hoch, dass sich die Last nun in etwa verdoppelt hat und mein Leben fast darunter zerbrochen wäre.

Manchmal… alle Zeit lang komme ich emotional in die Situation, in der ich dieses Leben einfach nicht mehr leben möchte.
Aus dem Geschenk dieses Leben leben zu dürfen entwickelt sich eine unfaire Verantwortung und der Zwang es leben zu müssen. Weit entfernt schwimmen die letzten Fetzen meiner „warum ich das Leben liebe“-Liste am Horizont, bereit dazu vollständig zu verschwinden. Weg, tot, leer.
An diesen Tagen fällt es mir besonders schwer meinen Alltag zu leben und klein Bambi zu zeigen, wie wundervoll das Leben sein kann – denn das ist es, ganz gewiss.
Inmitten der ganzen Sinnlosigkeit ist meine Liste, warum ich das Leben nicht leben möchte nur so viel größer als alles andere.

  • Zu viele innere Schmerzen
  • die Last die ich tragen muss erdrückt mich
  • quälende Erinnerungen
  • Fragen nach dem Sinn
  • keine Nacht ohne Horrorträume
  • innerlicher Druck
  • zu wenig Kraft für den täglichen Kampf
  • so viele zermürbende Einschränkungen
  • kein normales Leben möglich
  • wöchentliche Therapiestunden, die eine große Anstrengung sind
  • das Gefühl zu zerbrechen

Doch dann sehe ich in das lachende Gesicht meiner Tochter, erinnere mich daran, dass ich meine Medikamente und auch die Bedarfsmedikation nehmen sollte und versuche zumindest etwas positives aus diesem Leben zu ziehen. Sie ist so jung, unbeholfen und zerbrechlich, für sie bin ich die Heldin und die Person die sie braucht. Ganz egal wie die negativen und dunklen Listen auch aussehen mögen, hier ist ein kleines Menschenleben das mich braucht und eine schöne Kindheit erleben soll. Sie hat keine negativen Worte über mich und das Leben übrig und genießt es gerade so wie es kommt.
Da ich mir ein großes Stück Kind für mich bewahren konnte, beginne auch ich wieder damit, das Leben durch die positiven Augen eines kleinen unschuldigen Menschen zu sehen und werde von bunten Regenbögen, rosa Wolken und all den schönen Kleinigkeiten überrascht.

Nachdem ich diesen Text nun geschrieben habe, fühle ich mich schon ein ganzes Stück besser und werde mich direkt mit meinem Bambimädchen in die glückliche Kinderwelt werfen <3

6 comments

  1. Es ist so schön zu lesen, dass du den Kampf nicht aufgibst.
    Du hast viele große und schwere Steine auf deinem Weg im Leben. Und selbst, wenn du am verzweifeln bist, wie du diesen gerade besonders großen und schweren Stein Stämmen sollst, kommt dir eine Idee, was sich daraus bauen lässt. Etwas damit dein Lebensweg nicht trostlos und leer, freudig und voll aussieht.
    💜💜💜
    Liebste Grüße und nach jedem tief wartet ein hoch, wenn man es annimmt!

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