Wir gehen nach Hause!

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Wir sind nach über 4 Monaten Klinik tatsächlich endlich zu Hause.
Nachdem Elfchens zweite Leistenoperation nach mehrmaligem Verschieben am 19.1. stattfand und der leitende Oberarzt noch meinte, dass eine Entlassung VOR dem Wochenende auf keinen Fall in Frage kommt, wurden wir ganz spontan am Freitag den 22.1. entlassen.
Da wartet man monatelang Woche für Woche auf diesen Tag und dann steht er wie Weihnachten plötzlich und vollkommen unerwartet vor der Tür. So unvorbereitet, dass es unsagbar hektisch wurde – babyone, IKEA, Rossmann… was braucht man denn nun alles für so ein kleines Kind?
Mit einer langen Liste im Kopf, irrten wir planlos durch die Geschäfte und fühlten uns von all den Eindrücken und Angeboten erschlagen. Vor allem aber die Preise…die machten uns wirklich fertig =O

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Letztendlich wurde es nichts davon... 😉

Matratze, Stillkissen, Flaschen, Sauger, Kinder- & Stubenwagenmatratze, Wanne, Mülleimer, Wickelunterlage, neue Schläuche für die Luftreifen… und dann wären da noch so gewisse Luxuswünsche, von denen man sich schweren Herzens verabschieden muss. Dennoch waren wir eine ganze Stange Geld los, was unser Konto böse in die roten Zahlen kapituliert hat. Doch wenn so ganz spontan ein kleines empfindliches Baby einziehen soll, bleibt einem nichts anderes, als schnell noch alles im örtlichen Babygeschäft zu besorgen. Ich hatte einfach mit Februar gerechnet und nie nie niemals, dass es letztendlich der 22.1.2016 sein würde.

Nach Hause… heim… nicht mehr täglich in die Klinik fahren… keine täglichen herzensbrechenden Abschiedsmomente mehr am Abend… Tag für Tag alleine ohne unsere Isolationsparter, die mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen waren… auf uns gestellt… keiner schreibt mehr etwas vor…. hach <3
Doch die Freude wollte sich nicht so recht einstellen, denn die Entlassung bedeutete gleichzeig auch, Abschied zu nehmen. Abschied von einer Frau, mit der ich wochenlang durch dick und dünn gegangen bin… Wochen, in denen wir mehr Zeit miteinander verbrachten, als mit unseren Männern… Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden, die wir isoliert von allen anderen mehr und mehr mit Gesprächen füllten und feststellten, wie ähnlich wir uns doch sind. Aus anfänglichem stundenlangem vorsingen, lesen und erzählen wurden so tiefgründige Unterhaltungen, dass kaum noch Zeit zum singen blieb. Von einem Thema zum nächsten, nie entstand eine peinliche Stille und das Band zwischen uns wuchs von Tag zu Tag mehr. So, dass mir ständig die Tränen kamen, wenn ich an die bevorstehende Entlassung dachte.
Auf der einen Seite wollte ich unseren Elfen so unbedingt bei uns zu Hause haben, doch nach über 4 Monaten Klinik fahren die Gefühle einfach Achterbahn und für mich war die Umstellung schwer zu verstehen. Dazu der Abschiedsschmerz und das Gefühl, wieder einen Abschnitt hinter uns zu lassen.
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Donnerstag hatten wir dann also das Wichtigste zusammen, das Schlafzimmer war fertig gestrichen, der Stubenwagen vom Speicher geholt, die Wohnung halbwegs aufgeräumt und grundsätzlich stand einem heim kommen nichts mehr im Weg.
In der Klinik gab es noch schnell die Einweisung in den Monitor, der noch 24 Stunden mit dem Klinikmonitor mit laufen musste und ein Reanimationstrainung, das wir hoffentlich niemals bei unseren Kindern brauchen werden.

„heim kommen“, „ankommen“, „nach Hause“… all diese Worte bekommen in so einer Situation noch mal eine vollkommen andere Bedetung.
Bambina konnte es kaum noch erwarten und auch wieder wurden langsam aber sicher ein klein wenig nervös. Am kommenden Tag sollten wir also so richtig voll und ganz Zweifacheltern sein, mit allem was dazu gehört. Zwei Kinder… die KindER… Tochter und Sohn… ZWEI Kinder… egal wie oft wir es sagten, begreifen konnten wir es nicht. Schlafen konnte in der Nacht natürlich auch kaum und am kommenden Morgen, startete direkt unser strammes Programm.

8.30/8.45 Uhr – Kinderarzt, Rezepte abholen
9.00 Uhr (theoretisch) – in der Klinik ankommen
vor 12.00 Uhr – Kinderchirurgie
11 Uhr – Arztgespräch
12.30/13.30 Uhr – Milchküche – Einweisung in Zusätze
Schwesterngespräch
Hautarzt
Bunter Kreis
Medikamente bestellen & Zusätze besorgen

Natürlich lief nichts nach Plan, denn der Professor der Dermatologie hatte doch keine Zeit und beim Kinderarzt dauerte es länger, weshalb wir erst um 10 Uhr in der Uniklinik ankamen. Also wurde ich direkt in die Milchküche geschickt, welche ich wegen der Isolation allerdings nicht betreten durfte. Die gute Frau wollte also auf Station kommen, auch wenn es ihr zeitlich eigentlich gar nicht passte. In der Zwischenzeit pumpte ich schnell ab und ließ mir anschließend zeigen, was ich wie in die Muttermilch zu mischen habe. 4,4 % FMS, 5x 1g Proteinpulver und 1 ml Öl in jede Flasche, da man das Liquigen außerhalb der Klinik nur schlecht bekommt. Jede Flasche muss frisch zubereitet werden und überhaupt klang alles ziemlich einfach.
Kaum war die Milchdame weg, kam auch schon die Sozialarbeiterin vom Bunten Kreis mit einer Menge Papierkram, während ich dem Elfen gerade sein „Nach Hause“-Outfit anzog. Nachdem sie uns darüber aufgeklärt hatte, für was es die Stiftung gibt, entschlossen wir uns dazu, das Angebot für den Anfang erst mal anzunehmen. Zumal der Elf mit Sauerstoff nach Hause kommen sollte und man ja nie weiß, ob man dann nicht doch mal Hilfe braucht.
Gegen 11.20 Uhr ging es dann mit dem Taxi in die Chirurgie, wo noch mal auf die Leiste geschaut und das weitere Vorgehen bei einer Fehlbildung des Elfen besprochen wurde. Wie es aussieht, muss unser Junge im Herbst erneut unters Messer 🙁

Zurück in der Kinderklinik, klärte uns die zuständige Schwester darüber auf, dass das Arztgespräch auch 14 Uhr gelegt worden war und wir beschlossen ganz spontan, die verbleibenden 40 Minuten zu nutzen, um noch schnell die fehlenden Waschlappen beim Möbelschweden zu besorgen. Unsere Zimmernachbarin (Anika) brauchte auch noch 2 Packungen und da gerade so ein Holzhaus, durch dessen Dach man Formen stecken kann, reduziert war, brachten wir ihr eins für ihre beiden Kinder mit – natürlich bekam unser Elf auch eins 😉

Beim Entlassgespräch wurden uns erst mal sämtliche Diagnosen sowie deren Behandlungen in der Vergangenheit genannt und erklärt. Das meiste wusste ich zwar schon, doch allgemein bekommt man in dieser Klinik nur sehr wenige Auskünfte, so lange man noch stationär ist. Wie kommen wir als Eltern denn auch nur darauf, etwas genaues über unser Kind wissen zu wollen? Ein wenig mehr Transparenz würde der Eltern-Klinik-Bildung gut tun.
Außerdem sahen wir zum ersten mal die Termine, die die Ärzte untereinander für uns vereinbart hatten. Katastrophe, aber sowas von :-/
Zu guter Letzt stand noch das Schwesterngespräch an, bei dem uns genauestens erklärt wurde, wie wir wann welche Medikamente geben sollen. 3 x/Tag Eisen, 2x/Tag das eine Medikament, 1x/Tag das Andere, Coffeincitrat am Morgen, Vigantoletten, 1 ml Sab Simplex in jede Flasche + bei Bedarf… zusätze noch FMS, Eiweis und Fett in die Milch dazu und schon ist der Punkt abgehakt. Auf den ersten Blick wirkte es unheimlich kompliziert, obwohl sie schon extra Medikamente gestrichen hatten, um es uns zu vereinfachen.

Nun mussten wir nur noch auf meine Mama warten, da ich unerwartet noch 2 Schubkästen gefrorene Milch im Gefrierschrank hatte und meine eine Kühltasche niemals gereicht hätte. In dieser Zeit pumpte ich erneut ab und malte die neue Meilensteinkarte.
Noch bevor sie mit Bambina in der Klinik ankam, stand noch mal der leitende Oberarzt bei uns im Zimmer und verstellte nach einem kurzen Gespräch die Grezen des Heimmonitors. Ihn würde ich auch vermissen, ganz wirklich und echt.
Und irgenwann war es so weit, der Moment des tränenreichen Abschieds war gekommen und wir lagen uns in den Armen. Keiner wollte gehen, niemand wollte die letzten Worte ausprechen und doch musste es getan werden, denn nun war der Punkt gekommen, an dem sich unsere Wege in der Klinik trennten. Kaum war die kleine Familie gegangen, fiel ich meinem Helden schluchzend in die Arme – es war wundervoll, dass wir gehen durften und doch tat es so unglaublich weh, diese intensive Zeit hinter mir zu lassen.
Da Bambina aber schon ganz ungeduldig und hibbelig vor Freude wartete, riss ich mich zusammen, packte alles ein und ließ mich von ihr anstecken <3

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Dieser Moment war einfach unbeschreiblich magisch!
Das erste zusammentreffen der beiden, nach mehr als 4 langen langen Monaten. Wie vorsichtig sie seine Hand berührte und liebevoll „Brüderchen“ sagte. Wie sie fragte, ob sie ihm denn einen Kuss geben dürfe und wie zaghaft sie ihm ihn dann auf die Stirn hauchte. Ooooooh wie gerne würde ich diese Gefühle noch einmal spüren, die in diesem Moment durch meinen Körper strömten. Das pure unbeschreiblich tolle Glück!

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Wir machten noch erste Familienfotos vor der Stationstür und dann ging es auch schon zur Apotheke, denn die Medikamente mussten in seiner Dosis erst hergestellt werden. FMS hatten sie zum Glück allerdings vorrätig und schwups waren wir 23 € los. Das Proteinpulver würde wohl auch noch mal zwischen 25 – 30 € kosten und die Kassen übernehmen natürlich nichts davon, wieso auch :-/
Und dann… dann kam die mega Premiere! Nicht nur, dass wir zum ersten Mal zu viert im Auto gefahren sind, oder ihn mit nach Hause nehmen durften… nein, wir waren auch direkt das erste Mal mit ihm einkaufen! Für sein Bettchen, mussten wir dringend noch etwas aus dem Baumarkt besorgen und ich war sooooo stolz, dass ich meinen Helden einfach nicht alleine gehen lassen konnte *.*
Alles lief vollkommen problemlos, er brauchte zwar etwas mehr Sauerstoff, lag aber noch vollkommen im Rahmen dessen, was er bekomen darf.

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Zu Hause wartete schon eine Überraschung in Form eines Elefanten mit Herz an unserer Tür an uns, alle die im Hausflur waren, wollten ihn kurz sehen und dann kuschelten wir uns zu viert in unser Bett. Wir vier, als vollständige Familie!
Bambina durfte bei der Gelegenheit auch zum ersten Mal ihren Bruder in ihre Arme schließen und befand sich in einer Art Glücksrausch. Einfach unbezahlbar <3
Am späteren Abend, versuchte ich auch direkt mein Glück mit meinem elastischen Tragetuch und im Gegenzug zu Bambina damals, verwehrte er das tragen im Tuch nicht direkt. Ooooooh bin ich gespannt, ob er noch zum Tragebaby werden wird. Dann, wenn die meisten Kabel mehr verschwunden sind und wir nicht mehr 2 Geräte mit herum schleppen müssen. Ganz bestimmt! 🙂

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