Ersttermin in Adipositaszentrum #1

Im September hatte ich meinen ersten Termin im Adipositas-Zentrum.
Ich bin groß, habe einen BMI von über 45, Diabetes, schlechte Blutwerte, viele Schmerzen und mir geht es oft nicht gut. Auf deutsch – es muss sich etwas ändern!

Mein Weg ist geprägt von hohen Abnahmen und noch höheren Zunahmen. Immer und immer wieder.
Seit etwa einem Jahr halte ich mein Gewicht nun und bin super stolz darauf. Zu viel ist es dennoch und langsam aber sicher stoße ich an meine Grenzen.
Also habe ich mir vor einigen Monaten einen Termin gemacht und seither hibbelig darauf gewartet.
Vorab musste ich 14 Tage ein Ernährungs- & Bewegungsprotokoll inkl. Schrittzähler führen, was mich überforderte. Mein Alltag ist so wechselhaft, schnelllebig und voll, dass Protokolle kaum hineinpassen.
Außerdem sollte ich einen Medikamentenplan vom Arzt, sowie Bescheinigungen über die Begleiterkrankungen mitbringen.

4 Wochen vor dem Termin bekam ich auf dem Postweg eine Erinnerung, vorlagen für die Protokolle, einen Anamnesebogen, sowie den Fragebogen für eine Studie. Das Ausfüllen war recht einfach und es wurden schon allerhand Dinge gefragt. Wann ich wie viel ab- und wieder zugenommen habe, welche Erkrankungen bestehen, was meiner Ansicht nach der Grund für mein Übergewicht ist, mein Essverhalten und vieles mehr.
In der Klinik angekommen musste ich erst mal auf die Waage und Urin sowie Blut abgeben, bevor es ins so genannte „Seminar“ ging.

Adipositas = chronische Erkrankung

Was habe ich vorher gerätselt was das wohl ist.
Letztendlich war es einfach ein Vortrag über die Entstehung von Adipositas, die Verbreitung, Risiken und Aufklärung über verschiedene Operationsmethoden.
Ich dachte ja ich wüsste schon gut Bescheid, wurde aber eines besseren belehrt. Ehrlich gesagt habe ich auch noch ein wenig damit zu kämpfen, was uns dort erzählt wurde…
In unserer Gesellschaft wächst man damit auf, dass Übergewicht eine reine Sache der Disziplin ist. Ich muss mich also nur mehr anstrengen und schon purzeln die Pfunde. Hat ja auch oft genug funktioniert.
Mein Leben lang war ich schon pummelig und anschließend adipös. Ich hatte schon immer zu viel. Fing mit 12 das erste Mal an radikal abzunehmen, habe gefühlt immer Hunger und weiß nicht was ein Sättigungsgefühl oder eine anhaltende Sättigung ist.

Heute, mit Mitte 20 mag ich mich so wie ich bin. Es kommt nicht auf den Körper an und dass ich mein Gewicht halte ist ein enormer Erfolg.
Etwas, das bei meinem BMI als erfolgreiche Therapie gilt; und doch muss ich in diesem Bereich erst lernen, dass ich nicht einfach nur versagt habe.
Dass Mediziner darum kämpfen Adipositas als chronische Erkrankung anzuerkennen und Hunger an der selben Stelle im Gehirn geregelt wird wie die Körpertemperatur.

„Himmel! In dem Alter!“

Nach dem Seminar gab es einen etwa 15 minütiges Arztgespräch, bei dem diverse Grundlagen besprochen wurden.
Die Ärztin sprang entsetzt auf, als sie meinen Lanzeitzuckerwert erfuhr, rief „Himmel! In Ihrem Alter! Das ist viel zu hoch!“ und verschwand.
Kurz darauf kam sie wieder, hatte mit einer Diabetologin gesprochen und erklärte mir, dass man nun testen würde ob ich nicht doch Typ 1 Diabetiker bin.
Sie beschloss auch im Team zu besprechen, ob es nicht unter „zwingende Indikation“ fallen und eine Operation somit ohne multimodales Konzept möglich wäre. Ehrlich gesagt wüsste ich auch überhaupt nicht, wie ich das bei unserem Alltag umsetzen sollte… da ich aber nicht mal eben so meine Innereien umoperieren lasse, hatte ich schon zuvor einen Termin in einem weiten Adipositaszentrum vereinbart und verließ mit gemischten Gefühlen die Klinik.

Diesen Beitrag teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.