[Frühchenzauber] Sepsis nach Entlassung

Frühchen SSW34 35. SSW CPAP
Frühchen SSW34 35. SSW CPAP
geschrieben von Fabians.mommy

Schwangerschaftswoche: 34+5
Gewicht: 2466 g
Größe: 43 cm
Kopfumfang: 32 cm
Geschlecht: männlich

Magst du den Grund für die Frühgeburt verraten?
Ein genauer Grund ist nicht bekannt.
Allerdings wird vermutet, dass mein Körper durch die starke Hyperemesis gravidarum über die komplette Schwangerschaft und den damit verbundenen starken Gewichtsverlust die Schwangerschaft einfach nicht bis zum Ende austragen konnte.

Hattest du einen Kaiserschnitt oder kam dein Kind spontan zur Welt?
Fabian kam spontan zur Welt.
Es wurde ein Dammschnitt durchgeführt, um das Risiko für eine Hirnblutung zu minimieren.

Wann konntest du dein Frühchen zum ersten Mal sehen?
Da Fabian direkt seinen ersten Schrei getan hat, wurde er mir ganz kurz auf die Brust gelegt, bevor er auf die Neo gebracht wurde.
Auf der Neo konnte ich ihn dann knapp 6 Stunden nach der Geburt zum ersten Mal besuchen.

Wie ging es dem kleinen Kämpferbaby?
Ihm ging es den Umständen entsprechend gut.
Dadurch dass mir keine Lungenreife mehr gespritzt werden konnte, hat er Unterstützung bei der Atmung gebraucht.
Die Kraft zum Trinken hat ihm komplett gefehlt und er wurde 10 Tage über die Magensonde sondiert/teilsondiert.
Fast 4 Wochen hatte er mit Gelbsucht zu kämpfen und lag in den ersten Tagen mehrfach unter der Phototherapielampe.
Zudem hatte er zu Beginn noch Schwierigkeiten seine Körpertemperatur zu halten und lag im Wärmebettchen.
14 Tage nach der Geburt wurden wir bereits nach Hause entlassen.

Frühchen SSW34 35. SSW
5 Tage alt

War Beatmung notwendig?
Die ersten 24 Stunden war Fabian am CPAP.
Danach war keine weitere Unterstützung und auch kein Sauerstoff nötig.

Und wie ging es dir mit der gesamten Situation?
Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht!
In der Zeit in der Klinik habe ich nur funktioniert. Ich war nicht wirklich im Mamasein angekommen.
Im Nachhinein hat meine Mutter mir erzählt, dass sie mich nicht wieder erkannt hätte. Ich wäre völlig emotionslos gewesen, als ob mir das alles überhaupt nichts ausmacht. Ich habe einfach versucht, nicht weiter über unsere Situation nachzudenken und die Zeit einfach zu „überleben“.

Was hat dir am meisten geholfen und was hättest du dir von deinen Mitmenschen gewünscht?
Trotz der relativ großen Entfernung und dem Bewusstsein, dass sie Fabian nicht sehen können, solange er auf Neo liegt, ist meine Familie mich im Krankenhaus besuchen gekommen. Das hat mir unheimlich viel Kraft gegeben.
Was ich mir gewünscht hätte, wäre einfach ein „Herzlichen Glückwunsch“ von denen, die über den Frühstart Bescheid wussten. Leider kam von einigen ein „Tut mir leid!“
Das hat mich und auch meinen Mann unheimlich verletzt.

Was ist deine prägendste Erinnerung aus der Frühchenzeit?
Das Prägendste war zum einen, als sie uns gesagt haben, dass sie ein Herzgeräusch beim Abhören hören, welches nicht ganz der Norm entspricht. Da ich selbst in einer Spezialklinik für Herzerkrankungen arbeite, ist für mich in dem Moment eine Welt zusammengebrochen.
Tatsächlich hat er einen Herzklappenfehler, der ihn zurzeit nicht weiter einschränkt.
Zum anderen war da dieses Apnoe-Bradykardie-Syndrom, welches ja bei Frühchen nicht selten ist, trotzdem bekommt man Angst. Fabian bekam 6 Wochen Coffein, auch zu Hause.
Die Zeit zwischen dem Absetzen des Coffeins und der Monitoringkontrolle in der Klinik war eine echte Herausforderung für meine Müdigkeit.

Frühchen SSW34 mit 19 Monaten
19 Monate

Wie geht es deinem Frühstarter heute?
Fabian ist aktuell 19 Monate und hat alles aufgeholt.
Mit korrigierten 12 Monaten hat er seine ersten freien Schritte gemacht und jetzt kommen wir kaum noch hinterher gerannt.
Die zusätzliche Frühchennachsorge konnten wir aufgrund seiner tollen Entwicklung vorzeitig nach dem ersten Lebensjahr beenden.

Möchtest du uns noch etwas von euch und eurem Weg erzählen?
Mit korrigierten 4 Wochen hatte Fabian eine Sepsis (Blutvergiftung) ungeklärter Ursache. Wieder musste er auf die Intensivstation und wieder waren wir voneinander getrennt.
Zum Glück konnte ich aber im Elternzimmer der Neo einchecken, sodass ich immer abrufbar war und weiter jederzeit stillen konnte. Die Zeit war für uns alle schlimmer, als die Klinikzeit nach der Geburt.

Keiner wusste, was er wirklich hatte, also konnte auch keine spezielle Therapie angesetzt werden. Er hat verschiedenste Antibiotika bekommen, in der Hoffnung, dass eins davon das richtige sei.
Am dritten Abend stand der Arzt der Neo mit uns an seinem Bettchen und sagte uns, dass er nicht wüsste, ob Fabian die Nacht überstehen würde. Doch genau da fing ein oder mehrere Antibiotika an zu wirken und es ging ihm langsam wieder immer besser. 

Die gesamte Zeit hat uns als Familie unglaublich gestärkt und hat uns wachsen lassen. Und so langsam können wir alles verarbeiten und auch mal darüber reden (bzw. schreiben) ohne direkt in Tränen auszubrechen. Wir sind, wie wahrscheinlich alle (Frühchen-)Eltern wahnsinnig stolz auf unseren kleinen, großen Kämpfer.

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