[Frühchenzauber] SSW23 ohne Papa

Frühchen Frühgeburt SSW23 Beatmung Extremfrühchen
Frühchen Frühgeburt SSW23 Beatmung Extremfrühchen

Schwangerschaftswoche – 23 
Gewicht – 640g
Größe/KU – 28cm und 20,5 cm KU
Geschlecht – männlich 

Magst du den Grund für die Frühgeburt verraten? 
In der 22. Schwangerschaftwoche bekam ich nachts leichte Wehen und auf dem Weg ins Bad ist mir die Fruchtblase geplatzt.
Es wurde nie ein Grund gefunden, meine Entzündungswerte waren unauffällig. Die Versorgung von meinem Moritz war auch super.
Ich lag 4 Tage im Kreißsaal, bekam die Lungenreife und Wehenhemmer.
Dann stiegen meine Entzündungswerte trotz des Antibiotika und ich bekam wieder starke Wehen, die auch nicht mehr durch den Wehenhemmer unterdrückt werden konnten. 

Hattest du einen Kaiserschnitt, oder kam dein Kind spontan zur Welt?
Moritz wurde mit einem geplanten Kaiserschnitt geholt.
Es gab die Diagnose „fetaler Armvorfall„. Sein Ärmchen war im Muttermund verhakt und selbst bei der Operation schwer zu lösen. Eine normale Geburt hätte er nicht überlebt.

Frühchen Frühgeburt SSW23 Beatmung Extremfrühchen

Wann konntest du dein Frühchen zum ersten mal sehen? 
Im OP Saal sah ich Moritz ganz kurz und konnte seinen leisen Schrei hören.
Er war so klein… ca eine Stunde später, noch im Kreißsaal, kam der Oberarzt der Neonatologie mit dem Inkubator zu mir gefahren. Moritz war so stabil, dass sie zu mir konnten, ehe Moritz auf die Intensivstation gebracht werden musste.
Weitere drei Stunden später habe ich mich in den Rollstuhl geschleppt und konnte zu ihm auf Station, wo ich den Abend bis zur Sperrstunde verbrachte.

Wie ging es dem kleinem Kämpferbaby? 
Die erste Woche „super“. Ab Tag 8 kamen die Hiobsbotschaften.
Moritz nahm alles mit, was er hätte mitnehmen können. Infekte, Operationen, Lungenblutungen, Hirnblutung… er sah in seinem Inkubator immer total entspannt aus, aber in ihm fand ein Kampf ums Überleben statt.

War Beatmung notwendig?
44 Tage lang war Moritz intubiert.
Danach folgten 24 Tage mono nasal CPAP (verkürzter Rachentubus ohne Maske. Die Maske regte ihn so auf dass er nicht mehr gut sättigen konnte).
Dann benötigte er nur noch die High Flow und O2 Brille für weitere 61 Tage.

Und wie ging es dir mit der gesamten Situation? 
Es ging mir nicht gut. Es ging mir an keinem Tag gut.
Ich steckte all meine Energie und Zeit in Moritz und blendete mein restliches Leben nahezu aus. Es dauerte lang bis sich diese schreckliche Angst gelegt hat und ich positiver war. 

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Was hat dir am meisten geholfen und was hättest du dir von deinen Mitmenschen gewünscht?
Geholfen hat mir mein Sohn, er hat mir gezeigt wie stark er ist und was er bzw wir alles schaffen können.
Und meine beiden Töchter die ohne Murren jeden Tag stundenlang in der Kinderbetreuung des KH waren. Ihr vorbildliches und selbstloses Verhalten hat vieles einfacher gemacht.

Gewünscht hätte ich mir dass der Papa da gewesen wäre und sieht was sein Sohn leisten muss.
Ich habe mich meinen Freunden und Familie selten anvertraut, schlechte Nachrichten generell für mich behalten. Vielleicht hätte es geholfen mit jemandem zu reden, aber das konnte ich nicht.
Ich weiß auch nicht ob ich mir im Nachhinein wünschen würde, dass sie öfter nachgefragt hätten, ich hätte vermutlich trotzdem nichts gesagt.

Was ist deine prägendste Erinnerung aus der Frühchenzeit? 
Jeder Moment hat sich tief in mein Gehirn eingebrannt.
Der Moment nur neben dran zu stehen und rein gar nichts tun zu können, das Steuer jemand anderen überlassen und das Leben deines Kindes in deren Hände zu geben.
Dieses Gefühl wird mich ewig begleiten, hat mich aber auch dankbarer gemacht. Ich weiß vieles nun mehr zu schätzen.

Wie geht es deinem Frühstarter heute? 
Moritz geht es bislang sehr gut.
Er hat eine BPD davongetragen, aber aktuell sind keine weiteren Einschränkungen bekannt.

Waren deine anderen Kinder ebenfalls Frühchen?
Meine Töchter kamen termingerecht. 38+4 und 40+1

Möchtest du uns noch etwas von euch und eurem Weg erzählen?
Als Familie hat es mich und meine Kinder einander noch näher gebracht. Wir haben noch einen langen Weg mit unzähligen Untersuchungen vor uns, aber wir werden das gemeinsam schaffen!
Ob mit oder ohne den Papa, wir rocken das 🙂 

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