[Frühchenzauber] Unser Elfenkind <3

Frühchen SSW27 28. SSW Beatmung

Schwangerschaftswoche 27+2
Gewicht – 640g
Größe/KU – unbekannt KU nach 2 Wochen 21 cm
Geschlecht – männlich

Magst du den Grund für die Frühgeburt verraten?
Der offizielle Grund ist eine sehr schwere Form der Präemklampsie, die die Entbindung letztendlich zwingend notwendig machte.
Zum Glück, denn erst nach der Geburt merkte man, wie schlecht es ihm wirklich ging.
Abgesehen davon, war allerdings schon sehr früh klar, dass unser Elf zu früh zur Welt kommen würde.
Schon in der 10. SSW war der kleine Zwerg stark und in einer Form retariediert, die nicht oft vorkommt und bei der die Kinder im Normalfall nicht lebens-, oder entwicklungsfähig sind.

Hattest du einen Kaiserschnitt, oder kam dein Kind spontan zur Welt?
Kaiserschnitt mit Vollnarkose

Frühchen SSW27 28. SSW Beatmung Inkubator

Wann konntest du dein Frühchen zum ersten mal sehen?
Nach etwa 14/15 Stunden.
Er kam um kurz nach 4 Uhr am Morgen zur Welt, gegen 13 Uhr war ich im MRT und ca. 17 Uhr wurde ich schließlich vom Kreissaal auf die Wochenbettstation verlegt.
Ich habe mir sehr schnell den Katheter ziehen lassen und sobald es vom Blutdruck vertretbar war, bestand ich darauf ihn zu sehen.

Wie ging es dem kleinem Kämpferbaby?
Nicht gut.
Er kam sehr unreif zur Welt und musste sofort intubiert werden da er nicht atmete und kämpfte sehr.
Die ersten Tage lag er einfach nur regungslos da, pinkelte nicht selbst und musste bald auf Rüttelbeatmung (HFO) umgestellt werden. Wenige Tage nach seiner Geburt sagte uns die diensthabende Ärztin, dass es angebracht wäre zu beten…
Zwischendurch ging es ihm immer wieder sehr schlecht, bis sein Ductus mit 5 Wochen operativ verschlossen wurde und es endlich wirklich aufwärts ging.

Und wie ging es dir mit der gesamten Situation?
Da wir davon ausgehen mussten, dass unser Kind vielleicht nicht leben wird… oder schon im Mutterleib verstirbt, war ich einfach nur dankbar.
Die ganze Frühchenzeit, alle auf und ab´s… es war ein Segen, denn wir durften unser Kind entgegen der Prognosen lebend kennenlernen. Tag für Tag, Minute für Minute <3

Das Aufteilen zwischen zwei Kindern dagegen, war eine Herausforderung.
Welches Kind braucht mich gerade mehr? Wie lange bleibe ich beim Elfen und wie viel Zeit verbringe ich mit Bambina? Was wenn der Elf es nicht schafft?
Eine Zerreißprobe.

Frühchen SSW27

Was hat dir am meisten geholfen und was hättest du dir von deinen Mitmenschen gewünscht?
Am hilfreichsten war das Kuscheln mit dem Elfen; jedes mal konnte ich so viel Kraft daraus schöpfen und alle Reserven wieder auffüllen.
Anschließend fuhr ich nach Hause und wurde von einem freudigen Bambikind empfangen, was mich noch mehr stärkte *.*

Abgesehen davon, waren die Gespräche mit den anderen Mamas ganz besonders hilfreich, wenn es schlechte Nachrichten, oder Probleme mit den Ärzten/Pflegekräften gab.
Auch die kurzen Auszeiten während des Abpumpens gaben mir sehr viel. Am Handy, lesend, telefonierend… ganz wonach mir gerade war.

Von meinen Mitmenschen hätte ich mir mehr Mitgefühl und Feingefühl erhofft.
Ganz besonders der Verzicht auf die ganzen Floskeln ala „Das wird schon“, „Ich kenne da ein Frühchen…. blubb…“, das einfache annehmen der Situation, ohne es beschwichtigen zu wollen. Auch wenn es gut gemeint ist.
JEDES Frühchen ist einzigartig und hat seine eigene Geschichte!

Frühchen SSW27 28.SSW Fuß

Was ist deine prägendste Erinnerung aus der Frühchenzeit?
Die ganze Zeit war durch und durch prägend, doch am schwersten liegt mir der die Zeit kurz vor der Herzoperation im Magen.
Wenn ich daran denke, spüre ich noch heute das flaue Gefühl der Angst in meinem Brustkorb.
Ich sehe mich vor dem Inkubator sitzen und Fotos von sämtlichen Details dieses zarten Körpers machen. Die Füße, die Hände, das Gesicht… das aufnehmen des leisen quietschens, der Größenvergleich mit meinem Zeigefinger, um später für den Fall der Fälle eine realistische Nachbildung des Füßchens schmieden zu lassen.
An diesem Tag machte ein Pfleger auch die ersten Familienfotos von uns, nur Bambina fehlte darauf.
Bis heute finde ich es traurig, dass sie ihn nicht mal in dieser Situation sehen durfte.
Es war beklemmend. Auch wenn ich tief in mir immer die Gewissheit und den Frieden hatte, dass er leben wird, war die lähmende Angst präsent.

Es war zwar „nur“ der Ductus und keine komplexe Operation am Herzen, doch für uns war es schlimm.
Da sein Ductus 6 mm groß war, was laut Ärzten anatomisch gar nicht möglich sei und es ihm sehr schlecht ging, war die Sorge leider auch real.

Frühchen SSW27 28. SSW Beatmung Tracheostoma

Wie geht es deinem Frühstarter heute?
Zwergnase ist inzwischen 3 Jahre alt und hat noch einiges aufzuholen, entwickelt sich momentan aber prächtig <3
Wir haben sehr viel mit dem kleinen Mann durch; haben viele viele Ärzte getroffen, etlichen Narkosen/Sedierungen zugestimmt, waren mehrfach in Kliniken und sind regelmäßig bei Therapien.
Er ist über ein Tracheostoma teilbeatmet hat eine PEG/PEJ in Form eines Jet PEG Buttons, diverse Hilfsmittel, Kabel und Schläuche.

Und doch ist er das glücklichste und lebensfroheste Kind das ich kenne <3
Er lässt sich nicht beirren, möchte überall dabei sein und kämpft sich nach und nach seinen Weg durchs Leben.

Möchtest du uns noch etwas von euch und eurem Weg erzählen?
Wir sind vielen Menschen begegnet, die mit all dem nicht umgehen können.
Nicht wissen, wie man sich Eltern gegenüber am Besten verhält, deren Kind in der Klinik liegt oder schwer krank ist.
Mein Tipp – verhaltet euch einfach ganz normal, so wie ihr euch auch bei einem reitgeborenen Kind verhalten würdet. Gratuliert, fragt nach, bietet Hilfe an oder lasst Ruhe und Raum zum verarbeiten… so wie ihr es sonst eben auch machen würdet.

Wir sind ganz normale Eltern eines Neugeborenen, mit ganz normalen Gefühlen, auch wenn unser Leben gerade Achterbahn fährt und das was uns am Liebsten ist im Krankenhaus liegt.
Seid geduldig und gnädig, wenn die Reaktionen mal zu stark ausfallen – es ist eine kaum vorstellbare Ausnahmesituation, in der gerne mal alle Nerven blank liegen.
Das wird besser werden, doch gerade in dieser Zeit leben Frühcheneltern in einer eigenen Welt. Eine Welt die davon bestimmt wird, wie es dem kleinen Kämpfer heute geht, wie lange man kuscheln darf, wann die nächste Versorgung ist und wie viel Gramm das Kind ab-, oder zugenommen hat.

Liebe Frühcheneltern, haltet durch!
Feiert kleine Erfolge, lasst euch von schlechten Tagen nicht entmutigen und seid einfach für euer Zwergenkind da 🙂

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