[Frühchenzauber] Jedes Frühgeborene ist einzigartig

Frühgeburt… so ziemlich jeder weiß etwas dazu zu sagen und sei es nur, dass der Freund der Schwester des Bekannten deiner besten Freundin ebenfalls ein Frühchen hat und das schon alles gut gehen wird.
Gewicht und Schwangerschaftswoche werden als Indiz dafür genommen zu beurteilen, ob es nun ein ernst zu nehmendes Frühchen ist, oder doch schon so groß ist, dass ihm gefühlt sogar die Frühgeburt abgesprochen wird.

Mir ist bewusst, dass die Personen es oft nicht besser wissen und eigentlich freut es mich ja, dass sie sich nie selbst damit auseinander setzen mussten.
Auch weiß ich, dass viele mit ihrer eigenen Geschichte zu kämpfen haben und dann denken, dass die andere Mama ja froh sein könne, immerhin kam ihr Baby ganze 10 Wochen später, oder mit 1000 g mehr zur Welt.
Doch leider hängt die Geschichte eines Frühgeborenen nicht zwangsläufig von den offensichtlichen Faktoren ab, es gibt Kinder aus 36+… sogar reif geborene Babys, die aus diversen Gründen mehr um ihr Leben kämpfen müssen, als ein klitzekleines Extremfrühchen.

Wenn ich damals in der Klinik zum abpumpen kam und auf „neue“ Mütter traf, waren die ersten Fragen in den meisten Fällen „Wie früh und wie schwer?“
Mehrfach hörte ich Gespräche, in denen es gefühlt darum ging, welches Kind es denn nun am schlimmsten erwischt hatte…
„Ach 28. SSW? Das ist ja gar nicht so früh, mein Sohn kam 25+ zur Welt“ – „Ihr seid ja immerhin schon auf Normalstation, wir sind immer noch auf Intensiv…“ – „Hast du das mitbekommen? Das Kind ist aus 34+… ich weiß gar nicht was die Mama hat, das ist doch schon fast kein Frühchen mehr!“

Wünschenswert wäre es, sich gegenseitig zu unterstützen, jedes Kind als eigenes Individuum zu betrachten und ihm seine eigene Geschichte zuzugestehen.
Wie oft habe ich mir gewünscht, dass meine Sorgen einfach als gegeben angenommen werden, anstatt das obligatorische „Ach das wird schon!“ gesagt zu bekommen. Wir haben früh damit aufgehört zu erwähnen, dass unser Elfenkind ein kleiner Frühstarter war, denn so lieb all die Worte vielleicht auch gemeint sind – sie können unheimlich verletzten.
Das Gefühl geben, nicht ernst genommen zu werden. Als dürfe man sich keine Sorgen machen, weil das Kind vielleicht mehr wiegt als ein anderes, oder die Operation ein Routineeingriff ist. Ja, auch die Entlassung mit Sauerstoff ist keine Seltenheit und in den meisten Fällen verwächst sich die umgangssprachliche „Frühchenlunge“ und doch machen wir Eltern uns Sorgen um unser Kind… ganz egal wie vielen anderen Kindern es ähnlich geht, man liebt dieses Kind, möchte dass es ihm gut geht und hat sich das alles ganz anders vorgestellt.

Es geht nicht darum, wie lange ein Kind auf Intensivstation lag, wie viele Operationen es hatte und wie lange es beatmet war.
Jeder Eingriff, jeder Pieks, jedes Kabel und jeder verdammte Tag in der Klinik ist einer zu viel. Nur weil Kind A 20 mal gestochen wurde, ist der eine Stich von Kind B nicht weniger schlimm.

Und genau darum wird es hier in den nächsten Wochen gehen.
Mit diesem Beitrag startet die Blogreihe Frühchenzauber, bei der ich (laut Plan) jede Woche die Geschichte eines anderen Frühstarters erzählen werde.
Ich möchte zeigen, das jedes Frühgeborene seine eigene Geschichte hat und nicht mit anderen verglichen werden kann.
Darüber aufklären, dass es eben nicht zwangsläufig auf die Schwangerschaftswoche ankommt und diese Zahlen alleine nichts darüber aussagen, welchen Weg das Wunderkind gehen muss.
Außerdem möchte ich zukünftigen Frühcheneltern ein wenig die Angst vor dem Unbekannten nehmen und mit einigen Geschichten auch Mut machen, positiv in die Zukunft zu schauen. Unsere Kinder sind allesamt Kämpfer, ganz egal wie früh sie nun in dieses Leben gestartet sind <3

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