Kinderwunsch nach Frühgeburt

Nach einer viel zu frühen Geburt verlässt man den Kreißsaal nicht nur mit einem leeren Bauch, sondern auch mit leeren Armen. Das Baby, das noch wohlbehütet unter dem eigenen Herzen getragen werden sollte, liegt stattdessen alleine und an Kabeln angeschlossen in einem Plastikkasten.
Die meisten Mamas werden nach spätestens 7 Tagen entlassen; während Wöchnerinnen von reifgeborenen Säuglingen mit einer Tasche  Produktproben und Baby im Maxi Cosi die Klinik verlassen, müssen Frühchenmamas ihre kleinen Kämpfer auf der Neonatologie zurück lassen.
Auch wenn ich nur von der Wöchnerinnenstation ins Begleitzimmer umgezogen bin, brach eine kleine Welt für mich zusammen. Regelmäßig sah ich die stolzen Papas mit einer leeren Babyschale in die Frauenklinik kommen, in der sich gegenüber vom Kreißsaal das Perinatalzentrum befindet.
Mein größter Wunsch in diesen Tagen war, unser Baby wieder in meinem Uterus und somit bei mir zu haben. Natürlich wusste ich, dass der Elf nach der Geburt bessere Chancen hatte als zu vor; war ich doch so erleichtert, dass er nun leben konnte. Dennoch fehlte er mir Tag und Nacht.

Gefühlswelt einer Frühchenmama

6 Wochen später wurde er auf die allgemeine Intensivstation verlegt, zu der es keine Begleitzimmer gab. Auch wenn ich die Wochen zuvor schon häufig zu Hause geschlafen hatte, war es eine ganz neue Situation. Gefühlt war mein Baby noch weiter von mir entfernt und verbrachte noch mehr Stunden ohne mich in der Klinik. Doch da gab es ja noch Bambina, die mich ebenfalls brauchte.
Es zerriss mich innerlich, dass mein Baby, das noch geschützt im warmen Fruchtwasser schwimmen sollte, so „weit“ entfernt von mir war.
Und dann war er da, der Wunsch wieder schwanger zu sein. Die Sehnsucht danach, ein Kind ganz nah bei mir zu haben. Ich malte mir aus, wann wir mit Behandlungen beginnen könnten und wie viele Embryonen ich gerne transferiert bekommen würde. Schmiedete Pläne, dachte an das schöne Gefühl eines positiven Tests, redete mit meinen engsten Freunden darüber und litt irgendwie auch ein wenig darunter, kein Baby zu Hause und keines in Planung zu haben.
Keinesfalls wollte ich den fehlenden Elfen „ersetzen“ und mir war auch vollkommen bewusst, dass diese Sehnsüchte absolute Hirngespinnste waren. Dennoch war er da… der große Kinderwunsch, den ich ein Jahr zuvor – inmitten der Behandlungen – ebenfalls fühlte.

Morgens wachte ich auf, verbrachte Zeit mit Bambina, fuhr anschließend in die Klinik und kuschelte mit unserem Elfen. Zu Hause brachte ich noch die Große ins Bett und fühlte mich bis zu diesem Zeitpunkt auch vollkommen erfüllt. Mit dem schlafenden Kind, kam das schmerzhafte Gefühl der Leere, die gefüllt werden wollte. 
Im großen und ganzen kam ich sehr gut mit der zu frühen Geburt und der Frühchenzeit klar. Dieser intensive, kaum zu ertragende Wunsch zeigt allerdings deutlich, dass es unterbewusst etwas mit mir gemacht hat. Als der Elf nach knapp 4,5 Monaten entlassen wurde und ich ihn in der Babyschale mit nach Hause nehmen durfte, wurde es nach und nach besser. Bis der akute Wunsch nach kurzer Zeit vollständig verschwunden war.
Ich hatte mein Baby nun bei mir; durfte mich von A bis Z um ihn kümmern und war nach der langen Zeit endlich selbst verantwortlich für sein Wohl. 

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