Verluste im Leben eines Kindes

Unsere Kinder sind goldig, liebenswert, zuckersüß und einfach wundervoll.
Doch sind wir mal ganz ehrlich, zu uns selbst und zu allen anderen… sie können einem auch den letzten Nerv rauben. Ganz besonders dann, wenn sie ohne einen auf den ersten Blick ersichtlichen Grund schreien, toben und sich einfach nicht beruhigen lassen. Und das am Besten noch den ganzen Tag.

Klein Bambi hatte gerade so eine „Phase“. Ich nenne es nicht gerne so, da sie für mich ein ganz individueller Mensch ist, der gerade seine Emotionen kennenlernt. Manchmal prasseln einfach viel zu viele Eindrücke auf so ein kleines Kind ein, dass ich es vollkommen verstehen kann, wenn sie damit nicht umgehen können.

Bei uns waren es gerade wohl ihre geliebten Gummistiefel, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Erst der ungewöhnliche Ostersonntag, der einfach vollkommen anders verlief, als sie es kannte und dann gehen auch noch ihre absoluten Lieblingsschuhe kaputt.
Das arme Kind muss vollkommen verzweifelt gewesen sein, denn obwohl sie schon offene Blasen an den Fersen hatte, wollte sie ihre Stiefel einfach immer tragen. Und klein Bambi hat schon einen sehr ausgeprägten Willen, den wir akzeptieren, so lange sie damit nicht über sämtliche Grenzen schlägt.

Ihre Nida – die über alles geliebte Uroma – erklärte ihr also am Nachmittag, dass die Schuhe kaputt sind. Da bei uns Müllabfuhr war dachte sie sich eben, dass man sie direkt entsorgen könnte. Bambina hat natürlich nicht mitbekommen, wie ihre Stiefel in der Tonne landeten, doch für sie brach innerlich wohl trotzdem eine ganze Welt zusammen.
Sie hatte eh keinen guten Tag, was man schon alleine an ihrem Mittagsschlaf gemerkt hat. Den hat sie nämlich schon vor ihrem ersten Geburtstag abgeschafft und somit merken wir immer direkt, dass mit ihr etwas nicht stimmt, wenn sie am Tag doch mal schlafen möchte. Als ich sie am Abend ins Bett bringen wollte & sie fast eingeschlafen war, erzählte sie mir wie aus heiterem Himmel, dass ihre Stiefel kaputt sind.

„Diefel putt. Diefel Gummi putt“
„Oh nein, ich weiß mein Schatz“
„Diefel putt. Guck“

Mit diesen Worten stand sie auf, verließ bitterlich weinend das Schlafzimmer und lief zum Schuhschrank, um mir das Desaster zu zeigen. Dort fand sie dann ihr zweites Paar und warf es wütend in die Ecke. Und schon war es vorbei. Sie schrie, weinte, warf sich auf den Boden… wehe wir kamen ihr zu nahe, dann wurden wir mit einem lauten „Nein weg“ wieder weggedrückt, oder sie schrie noch viel viel lauter. Irgendwann flüchtete sie in unsere Speißekammer, schlug um sich sobald wir sie berührten und rief nach ihrer Oma.
Mein Held kümmerte sich darum, dass meine Mama kam und sie durfte das weinende Mädchen dann auch beruhigen. Bambinchen zog die Oma schließlich hinter sich ins Bett und ließ sich von ihr sehr lange den Rücken streicheln.
Sie hatte sich schon eine Weile vollkommen beruhigt, als sie wieder ging und wir dachten, dass klein Bambi nun vor Erschöpfung einschlafen wird. Doch kurze Zeit später ging es von vorne los.

Sie tat mir so unendlich Leid. Wie gerne hätte ich Ihr den Schmerz genommen, doch es gehört nun mal leider dazu auch diese Emotionen zu kennen und einen Weg zu finden um damit umzugehen.
Der folgende Tag verlief ähnlich und nun ist ihr Schnulli wieder der wichtigste Begleiter überhaupt. Nicht nur das, die komplette Dose mit sämtlichen Schnullern der Größen 1 & 2 muss nun immer in ihrer Nähe sein und kommt sogar mit ins Bett.

Mein Gefühl sagt mir, dass es richtig ist es so zu akzeptieren. Es wird die Zeit kommen, in der sie damit klar kommt, ganz gewiss… doch bis dahin stehen ihr fast alle Wege offen, den Schmerz zu überwinden.

3 Kommentare

  1. Wenn die Lieblingssachen kaputt gehen, tut das auch uns Großen weh. Ich denke da nur an meine Teetasse.

    Für Kinder ist es besonders schlimm, weil sie das Konzept „Verlust“ erst lernen müssen. Solche Tage haben wir mit dem Großen auch durchmachen müssen und das Einzige, was man tun kann, ist zusammen mit dem Kind den Schmerz aushalten. Und das immer wieder, denn noch Monate später fing mein Junge unter Tränen an zu erzählen, wie sehr er Ding XY vermisst.

  2. Arme kleine Bambina! Wie sehr unser kleines (und auch die größeren) Herzen doch an Dingen hängen können und wie schmerzlich der Verlust ist! Jeder hat schon einmal so etwas erlebt und man wünscht so sehr es ihnen ersparen zu können… Gut, dass der gesamte menschliche Organismus gestärkt aus dieser Situation hervorgehen kann, wenn sie die Emotionen gut erleben und verarbeiten kann… Und zufällig bin ich sehr, sehr sicher, dass ihr da alles richtig macht, was man richtig machen kann. Der Rest liegt an ihr und wenn diese Situation überstanden ist kann und weiß sie etwas neues: das man Dinge verlieren kann- und das da Menschen sind die sie lieben und auffangen. Schön, das die Oma ihr so lange geduldig den rücken gestreichelt hat, das hat sicher auch der Seele gut getan!

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